Eingänge von meteorologischen Journalen et»\, Mai 18813.
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Schiffsführer versuchen, schon östlich von 20“ W-Lg wach Norden zn steuern,
so würde die Gefahr drohen, dort nach kurzer Zeit in den südwestlich von
Liberia liegenden Theil des Stillengürtels zu gerathen, in welchem in früheren
Jahren, bevor man erkannt hatte, dafs derselbe dort auf alle Fälle zu
meiden sei, die nach dem Golf von Guinea bestimmten Schiffe so überaus lange
Zeit verbrachten. Für die während der erwähnten Monate heimwärts be
stimmten Guiueafahrer scheint es daher immer gerathen zu sein, sobald wie
möglich etwa 2,5° S-Br aulzusnchon, sich dort zu halten, bis man zur Route
der vom Kap der cinten Hoffnung hei kommenden Schiffe gelangt ist, und in
diese daun einzulenken und scharf nach Norden aufznbiegen. Ist ein Schiff,
wie in diesem Falle „Pelikan“, westlich von 20° 8-Br einmal in den Stillon-
gürtcl gerathen, so mufs entweder ein hoch südlicher oder nördlicher Kurs
eingeschlagen werden, da man auf westlichem Kurse nur parallel des und tiefer
in den dort wahrscheinlich erst recht herrschenden Stilleugürtel segeln würde.
Da nun aber in solchem Falle ein cinigermafsen rasches Fortschreiten nach
Süden hin sehr schwer auszuführen sein wird, und der Stillengürtel, so wie mau
näher nach 25° W-Lg kommt, für diese betreffende Jahreszeit auch recht schmal
wird, so ist gegen ein Verfahren, wie Kapt. Tliamen es einschlug, gar nichts
einzuwenden. Als „Pelikan“ bis znm 22. März nach 3,6° N-Br in 23,2° W-Lg
vorgerückt war, wurde der NE-Passat angetroffen. Ueber das Auftreten des
Stillengürtels in westlicherer Länge geben uns für diese betreffende Zeit die
Reisen mehrerer Mitsegler Auskuuft. Der eine derselben, die Hamburger Bark
„Rosa y lsabelhatte am 16. März in 1,7° S-Br und 31,4° W-Lg den SE-Passal
verloren und am 19. März in 0,6° N-Br und 31,3° W-Lg den NE-Passat wieder
gefunden. Während der zweite Mitsegler, der Hamburger Schoner „Irene“ am
IG. Mürz in 0,6° S-Br und 28,3° W-Lg in den Stillengürtel gerathen war und
denselben erst nach G 1 /? Tagen in 4,2® N-Br und 29° W-Lg wieder verlassen
konnte. Den ferneren Theil der Reise legte „Pelikan“ unter ähnlichen Ver
hältnissen zurück, wie solche schon im Reiseauszuge der erwähnten Bark und
der Schonerbrigg angeführt worden sind. Die Brigg kreuzte: 10® N-Br in
29,7® W-Lg am 26. März, 20° N-Br in 34,5® W-Lg am 30. März, 30“ N-Br in
35,5® W-Lg am 5. April und 40® N-Br in 29,5° W-Lg am 10. April. Am
25. April, dem 61. Tage nach dem Antritt der Reise, erreichte „Pelikan“ die
Müudung des Kanals.
5. Reise der Vegesacker Bark „Goethe“, Kapt. J. F. Dierks.
Am 5. Dezember 1882 überschritt die, auf einer Reise von Cardiff nach Acapulco
begriffene Bark „Goethe“ den Parallel von 50° N. Dieselbe segelte von dort
bei Westwinden, die anfänglich schral, von 47° N-ßr am 8. Dezember an aber
raum waren, in befriedigend rascher Weise südwärts. Als man am 12. Dezember
nach 37° N-Br in 17° W-Lg gekommen war, veränderte sich der kräftige Wind
nach N, und ohne dafs später eine nennenswertho Störung beobachtet wurde,
entstand später der Passat. Die polare Grenze desselben schien am 15. Dezember
in der Nähe von 33,5® N-Br in 19,8® W-Lg zu liegen. Der hier 768,6 mm
betragende Luftdruck hatte unweit 37° N-Br auf einen höchsten Stand von
774,4mm gezeigt. Das Gebiet des Passats, welches bei ziemlich günstigem
Winde durchsegelt wurde, delmte sich aus bis nach 4,9® N-Br in 26,1° W-Lg.
Unweit dieses Punktes erreichte „Goethe“ den sich bis über die Linie in süd
liche Breite hinüber erstreckenden Stillengürtel. Ganz leichte östliche Mallung
war neben Windstille in demselben vorherrschend. Bei leichter Brieso aus
Osten wurde in 29,2° W-Lg am 7. Januar 1882 der Aequator überschritten.
Es waren dann 33 Tage nach dem Verlassen von 50° N-ßr vergangen. 40° N-Br
hatte man in 15® W-Lg am 11. Dezember, 30° N-Br in 21,2® W-Lg am
17. Dezember, 20° N-Br in 24,6° W-Lg am 21. Dezember und 10® N-Br in
26° W-Lg am 25. Dezember gekreuzt. Am 2. Januar 1882 , 5 Tage früher als
„Goethe“, war in 28,1° W-Lg die mitscgolnde Bremer Bark „Charles Lüling“
von der nördlichen zur südlichen Halbkugel übergegangeu. Dieses, auf einer
Reise von Bremen nach Rangoon begriffene Schiff hatte den Kanal am 7. De
zember verlassen und befand sich am 18. Dezember Mittags in 27,6° N-Br und
23,8® W-Lg, während gleichzeitig „Goethe“ in 27,8® N-Br und 22® W-Lg stand,
ln der nächsten Zeit gewann der augenscheinlich schneller segelnde „Charles