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Eingänge von meteorologischen Journalen eie., September 1882.
nachdem mau am 31. März in 122° W-Lg südlich von 35° S-Br gekommen war,
wurden nördliche und westliche Wände angetroffen, bei denen die Reise einen
günstigeren Verlauf nahm. Am 8. und 9. April wurde unweit 49,5° S*Br in
100° W-Lg ein sehr heftiger SW-Sturm Überstanden, durch den das Schiff zum
Beidrehen gezwungen wurde. Der Luftdruck erreichte während desselben einen
niedrigsten Stand von 739,0mm. Bei ihrer Richtung naeh sehr veränderlichen
Winden, die auch noch wieder an mehreren Tagen aus östlicher Richtung
kamen, legte „George“ den letzten Theil des Weges zum Kap Horn zurück.
Am 19. April, dem 41. bis dahin in südlicher Breite zugebrachten Tage, über
schritt „George“ die Länge dieses Vorgebirges. Auf dem Wege dahin war:
10° S-Br in 120° W-Lg am 13. März, 20° S-Br in 121,8° W-Lg am 17. März,
30° S-Br in 120,1° W-Lg am 26. März, 40° S-Br in 117,9° W-Lg am 2. April
und 50° S-Br in 99,5° W-Lg am 9. April gekreuzt worden. Am 11. April, als
r George“ unweit 51,7° S-Br und 91° W-Lg bei stürmischem Südwinde segelte,
fiel ein beim Messen der Wassertemperatur Hülfe leistender Schiffsjunge über
Bord. Der Untersteuermaun, welcher dicht neben dem Jungen auf Deck ge-
staudeu hatte, sprang, ohne sich einen Augenblick zu besinnen, zur Rettung des
letzteren ihm in’s Meer nach. Man warf beiden sogleich Rettuugsgürtel nach,
liefs die Segel back legen und setzte das Boot aus; aber obgleich dieses letztere
in verhältnifsmäfsig rascher Weise geschah, konnte doch keiner der beiden
Leute gerettet werden. Als das gegen die hochlaufende See schwer kämpfende
Boot die Stolle erreichte, wo der Reltungsgürtel trieb, war der Schiffsjunge
sowohl wie der brave Untersteuemnann verschwunden. Nach einer Stunde ver
geblichen Suchens erreichte das Boot den „George“ wieder.
Im Südatlantischen Ocean wurden vom „George“ auch nur wenig günstige
Verhältnisse angclroffen. Die zwar vorherrschend aus westlicher Richtung
kommenden Winde waren in Stärke und Richtung sehr veränderlich, aber einem
raschen Fortgänge wenig günstig. Südlich vom Passatgebiet wurden lang an
haltende, leichte Nordwinde nicht angetroffen; dafür wurde man aber unweit
21° S-Br mehrere Tage lang durch ganz leichten westlichen wie südlichen Zug
und Windstille aufgehalteu. Am 16. Mai entwickelte sich aus leichtem süd
lichen Zuge, in der Nähe von 19,5° S-Br in 28° W-Lg und bei einem Barometer
stände von 764,0mm, der SE-Passat. Derselbe frischte rasch zum kräftigen
Winde auf und führte die Bark bis zum 22. Mai zu der in 29,3° W-Lg über
schrittenen Linie. Um zu derselben vom Kap Horn zu kommen, waren 33 Tage
erforderlich gewesen. 50° S-Br hatte man in 42,3° W-Lg am 27. April,
40° S-Br in 32,5° W-Lg am 3. Mai, 30° S-Br in 28,2° W-Lg am 10. Mai,
20° S-Br in 28,2° W-Lg am 15. Mai und 10° S-Br in 29,1° W-Lg am 19. Mai
überschritten.
Am 21. Mai, oineu Tag früher als „George“ in 29,3° W-Lg, hatte den
Aequator in 31,9° W-Lg der eiserne Hamburger Dreimastschoner „Gustav
Adolph“ überschritten. Und unter nahezu gleichen, schon angeführten Ver
hältnissen legten dann später beide Schiffe den Weg nach Norden zurück.
„George“ überschritt den Stillengürtel auf einer zwischen 4° N-Br in 29° W-Lg
und 8,5° N-Br in 28,3° W-Lg liegenden Linie in 5‘/i Tagen. Am 30. Mai
gelangte die Bark in der Nähe des letzteren Punktes zum Passatgebiet, in
welchem zwischen 10° und 26° N-Br die frischeste Briese, und dessen polare
Grenze am 7. Juni unweit 27° N-Br in 38,5° W-Lg angetroffen wurde. Auf
kurze, in der Nähe des letzteren Punktes herrschende Stille folgte später noch
wieder für längere Zeit leichte östliche Briese, und erreichte der Luftdruck,
welcher an der Passatgrenze 771,0mm betragen hatte, dann unweit 37° N-Br
einen höchsten Stand von 774,2mm. Am 10. Juni Mittags, als „George“ sich
in 32,6° N-Br und 39,3° W-Lg befand, stand der Mitsegler „Gustav Adolph“
in 32,8° N-Br und 40° W-Lg. Westliche Winde, die auf dem letzten Theilo
der Reise die vorherrschenden blieben, stellten sich am 15. Juni in der Nähe
von 41,5° N-Br und 37,5° W-Lg ein. Am 27. Juni erreichte „George“ den
Eingang des St. Geor^-Kanals. Die Dauer der ganzen Reise betrug 125 Tage.
Im Nordatlantischen Ocean waren 36 Tage zugebracht worden; und hatte man
dort: 10° N-Br in 30° W-Lg am 31. Mai, 20° N-Br in 36° W-Lg am 4. Juni,
30° N-Br in 39,6° W-Lg am 9. Juni und 40° N-Br in 39,8° W-Lg am 13. Juni
geschnitten. Der nach Lissabon bestimmte Mitseglcr „Gustav Adolph“ erreichte
den Tajo am 30. Juni.