340 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1915.
der Mitte des Indischen Ozeans in dieser Tiefe auf gleicher Breite ein Wärme-
Maximum von rund 20° liegt — die Unterschiede zwischen den Temperaturen
der beiden Gebiete betragen 5°!
In 400 m Tiefe fügen sich die Temperaturen gut in den Lauf der Isothermen
ein und zeigen, daß das mit zunehmender Tiefe sich mehr und mehr südlich ver-
lagernde Gebiet relativ hoher Wärme bis zur afrikanischen Küste reicht.
In 600 m und 800 m Tiefe sind die Temperaturgegensätze zwischen der
Westseite und Ostseite des Mosambique-Kanals wieder vorhanden, indem das
Wasser westlich von Madagaskar relativ kalt ist. Südlich des Kanals weisen
die Stationen 72 und 73 mit die höchsten Temperaturen auf, die in diesen Breiten
des Indischen Ozeans beobachtet sind; auch in 1000 m Tiefe sind die Tempera-
turen hier sehr hoch,
Die an den einzelnen Stationen gemessenen Temperaturen sind zu einem
Schnitt zusammengefügt, dessen Lage aus der Karte hervorgeht. (Vgl. Tafel 16.)
Der Schnitt zeigt, daß die weitgehendste Erwärmung der Tiefenschichten bei
Station 73 in 27° S-Br. stattfindet, hier findet man unterhalb 200 m in allen
Schichten höhere Temperaturen als bei den nördlicher oder südlicher gelegenen
Stationen. Diese hohe Erwärmung der Tiefenschichten dürfte durch den Mozam-
bique-Strom bedingt sein, der warme Wassermassen nach Süden führt, die sich
nach der Tiefe hin anstauen. Die Einzelheiten der Temperaturverteilung sind
durch die sehon erörterte spezielle Lage der Stationen erklärt.
Ebenso wie die Temperaturem sind auch die Salzgehaltsbestimmungen
durch einen Vertikalschnitt dargestellt. Dieser Schnitt weist dieselben charak-
teristischen Eigenschaften auf wie der seinerzeit von S. M. S. »Planet« in
gleichen . Breiten auf anderen Kursen gewonnene Schnitt!): Eine von den Sub-
tropen in 200 bis 400 m Tiefe äquatorwärts vordringende keilförmige Wasser-
masse hohen Salzgehalts einerseits und eine in der Tiefe von 1000 bis 1600 m
befindliche Schicht minimalen Salzgehalts andererseits, »Möwe« bestätigt so die
eigenartigen Verhältnisse, die von »Planet« hier zuerst aufgedeckt worden sind.
Die unter der Oberflächenschicht nordwärts vordringende Wassermasse
hohen Salzgehalts steht in Zusammenhang mit dem in den Subtropen an der
Oberfläche befindlichen Gebiet hohen Salzgehalts. Bei dem »Möwe«-Kurs wurden
nur weit südlicher (vgl. Tab. I) ebenso hohe Salzgehaltswerte an der Oberfläche
gefunden, als wie sie z. B. bei Station 73 in 200 m und 400 m festgestellt worden
sind. Dann sind sie aber — ebenso wie seinerzeit auf dem »Planet«-Kurs —
mit höheren Temperaturen verbunden, so daß die Dichtewerte der oberflächlichen
Schichten an der südlicheren Position nicht den in der Tiefe der nördlicher ge-
legenen Station angetroffenen Werten entsprechen?), Hierdurch werden wir
wieder zu der Annahme geführt, daß salzreiches Wasser aus den Oberflächen-
schichten der östlichen Gebiete nach den westlichen Gebieten absinkt, worauf
auch in unserem Schnitt die isolierte Lage des Gebiets höchsten Salzgehalts noch
besonders hinweist.
Bei Station 91 in 16° S-Br. macht sich eine Abschwächung der Gegensätze
zwischen der salzreichen Zwischenschicht und der salzarmen Tiefenschicht be-
merkbar. Dies erklärt sich aus der Mischung, der die Wassermasse, welche in
der Tiefe eine nach Norden gerichtete Bewegungstendenz besitzt, unterliegt, indem
ein weit nach Westen vorspringendes Schelfplateau der Westküste Madagaskars
unter 19° bis 16° S-Br. den Querschnitt des Mozambique-Kanals verengt. Gleich-
zeitig macht sich, von Norden her vordringend, eine salzreichere Schicht in etwa
1000 m Tiefe geltend, so daß wir zwei getrennte Salzgehaltsmaxima (in 200 und
1000 m) bei Station 91 und 92 beobachten können,
Die Dichteverteilung ähnelt in hohem Maße der Temperaturverteilung, wie
der Vergleich der beiden Schnitte zeigt. Dort, wo die Isothermen sich besonders
tief senken, hat das Gleiche bei den Isopyknen statt; die Eigenheiten der Salz-
gehaltsverteilung machen sich also im Dichteschnitt nicht maßgebend geltend.
ı) Vgl. Forschungsreise S. M. S. »Planet«, Bd. III, Ozeanographie, Tafel 25.
?) a. a. O. 8. 80 bis 84.