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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

482 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1912. 
So ist in der Nähe der vollen Breitengrade die Benutzung der Tafeln sehr 
bequem, da man eine Interpolation sparen kann. 
Man stellt die Beobachtungen am besten um die Zeit an, wo die Sonne 
durch den Horizont geht, vielleicht zwischen den Sonnenhöhen +-5° und —7°. 
Vor und nach dem Beobachtungssatze ist selbstverständlich die Taschenuhr in 
üblicher Weise an das zeithaltende Chronometer des Schiffes anzuschließen. Es 
mögen nun noch einige Bemerkungen bezüglich des Beobachtens selbst ihre 
Stelle finden, Ob die neutrale Brücke in der Mitte vollständig eingeschnürt ist, 
hängt nicht nur von der Luft ab, sondern auch von dem benutzten Turmalin 
und dem Auge des Beobachters. Da die Natur Turmaline von sehr verschiedener 
Durchsichtigkeit bietet, ist eine Auswahl erforderlich, wenn die mit verschiedenen 
Instrumenten gewonnenen Ergebnisse vergleichbar sein sollen. Es ist darum 
die Einrichtung getroffen, daß die Polariskope, welche die Firma Doerffel und 
Faerber in Berlin N., Chausseestrasse 4, liefert, eine Prüfung durch die Herren 
Jensen und Busch erfahren, ehe sie an die Besteller abgegeben werden, Man 
wende sich in der Anschaffungsfrage an das Physikalische Staatslaboratorium in 
Hamburg 36, dem später auch am besten die Beobachtungen einzusenden sind, 
wenn man will, durch die Vermittlung der Deutschen Seewarte, 
Das Auge des Beobachters muß das Aufsuchen der neutralen Punkte 
natürlich erst lernen, was aber ziemlich schnell geschieht. Rein geometrisch ist 
der an sich schlechter sichtbare Punkt von Dabinet leichter aufzufinden, weil er 
über der Sonne selbst zu suchen ist. Will man den Punkt von Arago finden, 
so muß man den Apparat in das Vertikal der Gegensonne einstellen, was sich 
leicht macht, wenn die Sonne selbst noch ‘sichtbar ist, weil nun die langen 
Schatten irdischer Gegenstände die Richtung angeben. Solche hat man ja auch 
an Bord zur Verfügung. Besonders der eigene Schatten erleichtert das Auf- 
suchen des antisolaren Vertikalkreises. Ist aber die Sonne untergegangen, so hat 
man für den Punkt von Babinet an dem Scheitel des Dämmerungssegments 
einen guten, für den Punkt von Arago an dem des aufsteigenden Erdschattens 
einan weniger guten Anhalt; natürlich auch an den letzten Beobachtungen vor 
Sonnenuntergang, wo man die Sonne auf Häuser und Bäume beziehen konnte. 
Fehlen solche, z. B. auf hoher See, so hat man bei unverändertem Kurs wieder 
die Gegenstände auf dem Schiff selbst als Marken. Fehlt auch ein solcher An- 
halt, so wird man, um z. B. morgens vor Sonnenaufgang den Aragoschen Punkt 
im Westen zu finden, in der roh ermittelten Westgegend und der zu erwartenden 
Höhe den Apparat azimutal hin- und herbewegen, wobei man bald das Gebiet 
herausfindet, in dem sich der n. P. befindet. Es darf nicht verschwiegen werden, 
daß sich beide Punkte gelegentlich im Azimut etwas verschoben zeigen, was 
auf einseitige Reflexe deutet, Wahrnehmungen solcher Art sind auch zu buchen, 
Die Erfüllung der unteren Luftschichten mit festen Teilchen ruft Störungen 
hervor, die selbst zum Abbrechen der Beobachtungen zwingen können, Es kommt 
da hauptsächlich der Kohlenstaub in Betracht, der namentlich in Großstädten 
stört. Da man an Bord eines Dampfers fast immer mit wenigstens einer starken 
Rauchquelle zu rechnen hat, ist die Beobachtungsstelle auf dem Schiffe besonders 
vorsichtig auszuwählen. Man muß sehen, daß sich die Rauchfahne und die von 
ihr abgeschnürten Wolken wenigstens nicht direkt auf eines der neutralen Felder 
projizieren. Gelegentlich auftretende kleine natürliche Wolken müssen erwähnt 
werden, wenn sie den neutralen Feldern nahe kommen; werden sie größer und 
zahlreicher, so darf man nicht mehr beobachten. Das Journal enthalte auch die 
sonstigen Wetternotizen und namentlich die Angaben über optische Meteore, wie 
den nach Bishop benannten Dunstring, das Purpurlicht und besonders die Durch- 
setzung desselben mit den Schatten von Wolken, die unter dem Horizont liegen. 
Solches Gewölk bringt gewöhnlich Sprünge in die sonst glatten Kurven, welche 
die Punktabstände als Funktionen der Sonnenhöhe darstellen. Jene Schatten 
zeigen sich bekanntlich als konvergente Streifen (»Die rosenfingerige Kos«). Das 
Zeichen dafür ist P.. Auch etwaige Wetteränderungen nach der Beobachtung 
wären zu bemerken. Wird die Datumgrenze überschritten und also ein Tag aus- 
gelassen oder zweimal gerechnet, so muß das natürlich auch erwähnt werden. 
Ebenso ist zu sagen, ob bürgerlich oder astronomisch datiert ist.
	        
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