Tiefsee-Photothevmomcter.
477
Ami. <1 Ilydr. <‘U\. 1SS3, Heft VIII.
0
in eine Ausstülpung des eisernen Kastens hinciuragt und zur besseren Leitung
von Temperaturänderungen von Quecksilber umgeben ist.
Unmittelbar hinter dem Thermometer ist ein um seine Längsaxe dreh
barer Oylinder D angebracht, um welchen photographisches Papier gespannt ist.
Mit dem Cylinder ist an gemeinschaftlicher Axe ein Zahnrad E (Fig. 2) ver
bunden. Wird dies um einen Zahn gedreht, so rückt eine neue Stelle des licht
empfindlichen Papiers hinter das Thermometer. Uebcr das Papier kann ein
Hohlcylinder gestülpt werden, welcher entsprechend der Thermometerröhre einen
Oängsspalt an der dem Thermometer zugekehrten Seite hat. Dieser Hohl
cylinder ist nicht drehbar. Aufserdem befindet sich noch ein Elektromagnet F
im Apparat. Durch den Deckel des Kastens geht die Hin- und Rückleitung
zum Schill' innerhalb des den Apparat tragenden Taues.
Der elektrische Strom nimmt zunächst seinen Weg von der Drahtleitung
im Tau durch den Druckbolzen G nach der Kontaktfeder b, von dort in den
Elektromagneten, alsdann zur Glühlampe und geht durch die Kontaktfeder a
(Fig. 2) in ähnlicher Weise wie bei b durch einen im Eiscndeckel befindlichen
Koutaktbolzen zum Leitungsdraht im Tau zurück.
Die Funktionirung des Apparates ist folgende: Nachdem an Bord in der
Dunkelkammer das photographische Papier um den Cylinder befestigt, der mit
einem Schlitz versehene Hohlcylinder darüber gestülpt und der Deckel auf den
Kasten geschraubt ist, wird der Apparat in See gelassen. Ist die gewünschte
Tiefe erreicht, so wird an Bord ein elektrischer Strom erzeugt. Durch einen
Kontakt schickt man den Strom für einen Moment durch den Draht in die
Tiefe, so dafs die Lampe im Apparat ins Glühen geräth. Das Licht der Glüh
lampe fUllt durch das Thermometer — soweit es nicht durch die Quecksilber
säule behindert ist — auf das photographische Papier. Ein Moment der
Belichtung genügt, um den Thermometerstaud auf dem Papier zu fixiren und
man kann sofort weitere Messungen vornehmen. Beim Kontaktschlufs geht der
Strom, bevor er die Glühlampe erreicht, in den Elektromagneten, welcher einen
Hebel anzieht, der in einen Zahn des mit dem Cylinder kouaxialen Zahnrades
eingreift. Beim Unterbrechen des Stromes kommt eine Feder, die am Hebel
befestigt ist und der Anziehung des Elektromagneten entgegenwirkt, zur
Geltung. Dabei wird das Zahnrad um einen Zahn weitergerückt und gleich
zeitig der Cylinder etwas um seine Axe gedreht. Bei erneuter Belichtung be
findet sieh dann bereits eine neue Stelle des photographischen Papiers hinter
dem Thermometer.
Die Tiefe, in der sich der Apparat bei einer Belichtung des Thermo
meters befindet, wird an der Seiltrommel an Bord auf bekannte Weise jedes
mal festgestellt und notirt, um nachträglich dem entsprechenden Thermometer
stande auf dem Papier zugefligt zu werden. Nach Beendigung der Messungen
wird der Apparat an Bord gezogen und das Papier in einer Dunkelkammer
vom Cylinder genommen und der zur Entwickelung und Fixirung nöthigen
Behandlung unterworfen.
Bezüglich der Lichtwirkung einer Glühlampe auf photographisches Papier
sind vom Verfasser in Gemeinschaft mit Herrn Professor Vogel im photo
graphischen Atelier des Berliner Polytechnikum Versuche mit einer Swan-
Larnpe angestellt, aus denen sich ergab, dafs bereits bei einer Belichtung von
ca V« Sekunde ein vollkommen scharfes Bild einer Thennometerröhre erzielt
wurde, so dafs die Leistungsfähigkeit des Apparates in diesem wesentlichsten
Punkte durchaus gesichert ist. Zu dem genannten Versuche wurde Lamy’s
Bromsilberpapier benutzt.')
Eine störende Einwirkung der Glühlampe durch Wärmestrahlung auf das
Thermometer ist in Anbetracht der kurzen Belichtungszeit, sowie überhaupt
bei der Konstruktion des Apparates ausgeschlossen.
Die richtige Anzeige der wirklichen Temperatur des Wasser ist durch
die eigenthümliche Lagerung des Quecksilbergel'äfses in Quecksilber, welches
seinerseits innigen Kontakt mit der Ausstülpung des eisernen Kastens hat,
] ) Das ausgestrahlte Lieht war gleich ea lli Normalkerze». Der Abstand der Lampe vom
Thermometer betrug ea 10 cm.