Winde und Strömungen in der Ivaviunita-Strafie.
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Tages Ebbe und im Ostmonsun des Tages Flutb erwarten kann. In dem nörd
lichen Tkeil der Strafse, von Pontianak bis zur Bai von Soekadana, setzt die Fluth
nach Süden. Auf der Höhe der Karimata-luaeln scheint jedoch ein Zusammen
treffen der Flnthwellen aus der China-Seo und ans der ./«ea-See stattzufinden, denn
bei diesen Inseln wird sowohl steigendes Wasser mit dem Strom von Norden,
wie steigendes Wasser mit dem Strom von Süden beobachtet; dieses geschieht
auch in den stillen Tagen der Monsun Wechsel-Monate, wenn kein Einfiufs von
Triftstrom bemerkt wird, ln dom Fabnvassor der grofsen Schiffe, zwischen den
Momprang- und Karimata-Inseln, setzt die Fluth nach NW und die Ebbe nach SO.
Dasselbe ist der Fall zwischen den Momprang-Iusebi und nahe der Küste von
Belitong; jedoch wird hier die Richtung des Gezeitenstroms oft durch die
Richtung der Küste und durch die vorliegenden Inseln und Bänke bestimmt.
In der Nähe der Südküste setzt zum Beispiel die Fluth nach W und die Ebbe
nach 0 und SO. Hinsichtlich der Richtung der Ströme findet man einen merk
würdigen Umstand in der Niihe der SW-Spitze von Borneo bei Sambarpunt.
Die Banken, die man dort so weit nach Süden hin auf der Karte angegeben
findet, sind nach der letzten hydrographischen Aufnahme hauptsächlich Saudriffe,
die sich südlich von Sambarpunt nahezu in der Richtung Ost und West er-
slreekeu, weiter nach Westen sich mehr nach Norden und westlich von der Insel
Mangkapstroom nach NW biegen und welche die SW-Spitze von Borneo, so zu
sagen, mit einer Reihe auf einander folgender Bänke umringen. Zwischen diesen
Bänken findet man tiefe Fahrwasser, unterbrochen von Saudrücken, ein Zustand,
wie er fast überall bei Sandboden unter dem Einfiufs eines kräftigen Stromes
entsteht. In diesen Fahrwassern nuu, durch welche ein starker Gezcitenstrom
setzt, wird bei steigendem Wasser südlich von Sambarpunt stets Strom nach
NW und weiter nördlich Strom nach NNW und N beobachtet, wohingegen der
Ebbestrom in gerade entgegengesetzter Richtung läuft. Hat nun diese Reihe von
Bänken ihr Entstehen allein den Arbeiten des Stromes, der über die abliegenden
Sandflächen von Sambarpunt scheuert, zu verdanken, oder mufs die Boden-
abführung durch die grofse Anzahl mächtiger Flüsse mit. in Rechnung gezogen
werden, wodurch sich liier, gerade wie es mit einer Bane vor einem grofsen
Flusse der Fall ist, eine grofse Sandnntiefc gebildet hat? Es verdient gewifs
Beachtung, dafs fast überall, wo die Westküste von Borneo so niedrig und flach
ist wie bei Sambarpunt, der Meeresboden schlammig und alluvial gefunden wird,
während bei Sambarpunt nur auf einzelnen Stellen Schlamm vorhanden ist und
oft gerade dort, wo Steine liegen. Gewöhnlich empfindet der Seemann in
wenig bekannten Fahrwassern ein Gefühl der Sicherheit, wenn durch das Eoth
Schlamm aufgeholt wird, und in den meisten Fällen wird man sich auch, wenn man
sich augenscheinlich auf einer ausgedehnten Schlammbank befindet, auf das Loth
verlassen können. In der A'«mn«irt-Stralse sei man jedoch vorsichtig, wenn auf
einer Sandbank plötzlich Schlamm gelolhet wird. Nicht dafs solches ein sicheres
Anzeichen ist, dafs Steine nahebei liegen, aber wenn sieh auf einer Sandbank
Steine unter Wasser befinden, kann man fast immer sicher sein, dafs in der
Nachbarschaft der Steine Schlamm gclothet wird. In der Bucht an der Küste
östlich von Sambarpunt scheint sich ein Gegenstrom zu bilden, denn während
südlich der Spitze der Strom stark nach West setzt, läuft derselbe zur gleichen
Zeit östlich der Spitze, obschon viel schwächer, nach Osten, währeud aufbeideu
Stellen das Wasser steigt. Die gröfste Flutbhöhc, die an der Westküste von
Borneo beobachtet wurde, war 2 m hei Soekadana. In den englischen Segel
anweisungen findet man wohl angegeben, dafs in der Nähe der Insel Koempoel
die Fluthhühe 2,4m ist, doch bei gewöhnlicher Springfluth erreicht dieselbe
dort noch nicht 1,7 m. Es ist indessen möglich, dafs bei hohen Springflntheu
im Westrnonsnn die Flutbhöhc in einzelnen Fällen 0,6 bis 0,0in mehr beträgt.
Wenn der Westmonsun kräftig durchsteht, wird in dem nördlichen Theil
der Strafse der Triftstrom des Tages viel weniger gefühlt, wie des Nachts; am
Tage hat man dann fast immer Ebbstrom, der in entgegengesetzter Richtung
des Triftstroros nach Norden setzt. Dahingegen sieht man gegen die Nacht,
wenn die Fluth durchkommt, die aufkreuzendeu Schiffe zu Anker gehen, da nun
das Aufkreuzen gegen den noch verstärkten Triftstrom ganz unmöglich wird.
Da iu der Mitte des Monsuns der Triftstrom immer stärker bleibt wie der
Gezeiteustrom, so kann man die Richtung von Fluth- und Ebbstrom in den stillen