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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

Winde  und  Strömungen  in  der  Ivaviunita-Strafie.

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Tages  Ebbe  und  im  Ostmonsun  des  Tages  Flutb  erwarten  kann.  In  dem  nördlichen ­
  Tkeil  der  Strafse,  von  Pontianak  bis  zur  Bai  von  Soekadana,  setzt  die  Fluth
nach  Süden.  Auf  der  Höhe  der  Karimata-luaeln  scheint  jedoch  ein  Zusammentreffen ­
  der  Flnthwellen  aus  der  China-Seo  und  ans  der  ./«ea-See  stattzufinden,  denn
bei  diesen  Inseln  wird  sowohl  steigendes  Wasser  mit  dem  Strom  von  Norden,
wie  steigendes  Wasser  mit  dem  Strom  von  Süden  beobachtet;  dieses  geschieht
auch  in  den  stillen  Tagen  der  Monsun  Wechsel-Monate,  wenn  kein  Einfiufs  von
Triftstrom  bemerkt  wird,  ln  dom  Fabnvassor  der  grofsen  Schiffe,  zwischen  den
Momprang-  und  Karimata-Inseln,  setzt  die  Fluth  nach  NW  und  die  Ebbe  nach  SO.
Dasselbe  ist  der  Fall  zwischen  den  Momprang-Iusebi  und  nahe  der  Küste  von
Belitong;  jedoch  wird  hier  die  Richtung  des  Gezeitenstroms  oft  durch  die
Richtung  der  Küste  und  durch  die  vorliegenden  Inseln  und  Bänke  bestimmt.
In  der  Nähe  der  Südküste  setzt  zum  Beispiel  die  Fluth  nach  W  und  die  Ebbe
nach  0  und  SO.  Hinsichtlich  der  Richtung  der  Ströme  findet  man  einen  merkwürdigen ­
  Umstand  in  der  Niihe  der  SW-Spitze  von  Borneo  bei  Sambarpunt.
Die  Banken,  die  man  dort  so  weit  nach  Süden  hin  auf  der  Karte  angegeben
findet,  sind  nach  der  letzten  hydrographischen  Aufnahme  hauptsächlich  Saudriffe,
die  sich  südlich  von  Sambarpunt  nahezu  in  der  Richtung  Ost  und  West  erslreekeu,
  weiter  nach  Westen  sich  mehr  nach  Norden  und  westlich  von  der  Insel
Mangkapstroom  nach  NW  biegen  und  welche  die  SW-Spitze  von  Borneo,  so  zu
sagen,  mit  einer  Reihe  auf  einander  folgender  Bänke  umringen.  Zwischen  diesen
Bänken  findet  man  tiefe  Fahrwasser,  unterbrochen  von  Saudrücken,  ein  Zustand,
wie  er  fast  überall  bei  Sandboden  unter  dem  Einfiufs  eines  kräftigen  Stromes
entsteht.  In  diesen  Fahrwassern  nuu,  durch  welche  ein  starker  Gezcitenstrom
setzt,  wird  bei  steigendem  Wasser  südlich  von  Sambarpunt  stets  Strom  nach
NW  und  weiter  nördlich  Strom  nach  NNW  und  N  beobachtet,  wohingegen  der
Ebbestrom  in  gerade  entgegengesetzter  Richtung  läuft.  Hat  nun  diese  Reihe  von
Bänken  ihr  Entstehen  allein  den  Arbeiten  des  Stromes,  der  über  die  abliegenden
Sandflächen  von  Sambarpunt  scheuert,  zu  verdanken,  oder  mufs  die  Bodenabführung
  durch  die  grofse  Anzahl  mächtiger  Flüsse  mit.  in  Rechnung  gezogen
werden,  wodurch  sich  liier,  gerade  wie  es  mit  einer  Bane  vor  einem  grofsen
Flusse  der  Fall  ist,  eine  grofse  Sandnntiefc  gebildet  hat?  Es  verdient  gewifs
Beachtung,  dafs  fast  überall,  wo  die  Westküste  von  Borneo  so  niedrig  und  flach
ist  wie  bei  Sambarpunt,  der  Meeresboden  schlammig  und  alluvial  gefunden  wird,
während  bei  Sambarpunt  nur  auf  einzelnen  Stellen  Schlamm  vorhanden  ist  und
oft  gerade  dort,  wo  Steine  liegen.  Gewöhnlich  empfindet  der  Seemann  in
wenig  bekannten  Fahrwassern  ein  Gefühl  der  Sicherheit,  wenn  durch  das  Eoth
Schlamm  aufgeholt  wird,  und  in  den  meisten  Fällen  wird  man  sich  auch,  wenn  man
sich  augenscheinlich  auf  einer  ausgedehnten  Schlammbank  befindet,  auf  das  Loth
verlassen  können.  In  der  A'«mn«irt-Stralse  sei  man  jedoch  vorsichtig,  wenn  auf
einer  Sandbank  plötzlich  Schlamm  gelolhet  wird.  Nicht  dafs  solches  ein  sicheres
Anzeichen  ist,  dafs  Steine  nahebei  liegen,  aber  wenn  sieh  auf  einer  Sandbank
Steine  unter  Wasser  befinden,  kann  man  fast  immer  sicher  sein,  dafs  in  der
Nachbarschaft  der  Steine  Schlamm  gclothet  wird.  In  der  Bucht  an  der  Küste
östlich  von  Sambarpunt  scheint  sich  ein  Gegenstrom  zu  bilden,  denn  während
südlich  der  Spitze  der  Strom  stark  nach  West  setzt,  läuft  derselbe  zur  gleichen
Zeit  östlich  der  Spitze,  obschon  viel  schwächer,  nach  Osten,  währeud  aufbeideu
Stellen  das  Wasser  steigt.  Die  gröfste  Flutbhöhc,  die  an  der  Westküste  von
Borneo  beobachtet  wurde,  war  2  m  hei  Soekadana.  In  den  englischen  Segelanweisungen ­
  findet  man  wohl  angegeben,  dafs  in  der  Nähe  der  Insel  Koempoel
die  Fluthhühe  2,4m  ist,  doch  bei  gewöhnlicher  Springfluth  erreicht  dieselbe
dort  noch  nicht  1,7  m.  Es  ist  indessen  möglich,  dafs  bei  hohen  Springflntheu
im  Westrnonsnn  die  Flutbhöhc  in  einzelnen  Fällen  0,6  bis  0,0in  mehr  beträgt.
Wenn  der  Westmonsun  kräftig  durchsteht,  wird  in  dem  nördlichen  Theil
der  Strafse  der  Triftstrom  des  Tages  viel  weniger  gefühlt,  wie  des  Nachts;  am
Tage  hat  man  dann  fast  immer  Ebbstrom,  der  in  entgegengesetzter  Richtung
des  Triftstroros  nach  Norden  setzt.  Dahingegen  sieht  man  gegen  die  Nacht,
wenn  die  Fluth  durchkommt,  die  aufkreuzendeu  Schiffe  zu  Anker  gehen,  da  nun
das  Aufkreuzen  gegen  den  noch  verstärkten  Triftstrom  ganz  unmöglich  wird.
Da  iu  der  Mitte  des  Monsuns  der  Triftstrom  immer  stärker  bleibt  wie  der
Gezeiteustrom,  so  kann  man  die  Richtung  von  Fluth-  und  Ebbstrom  in  den  stillen
            
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