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Winde und Strömungen in der K;mniRt:<-Stin(Vo.
NW der AVri «</</«• Sl rufse erwartet werden, doch ist gewöhnlich das ungünstige
Wetter nicht so schlecht und hält auch nicht so lange an, wie Ende November
lind im Dezember. Das Wasser scheint während der ganzen Dauer des West-
luonsuns an der Küste von Borneo infolge von Stauung höher zu stehen, als im
Ostmonsun, denn aus den Wasserstandsbeobachtungen, welche während der
letzten drei Jahre längs der Küste gemacht worden sind, geht hervor, dafs vor
den Flufsmündungen der Wasserstand im Weatmonsuu im Mittel 0,5 bis 0,7 m
höher ist als im Ostmonsun, während bei Springfluth und kräftigen Westwinden
das Wasser mitunter 1,2 m höher beobachtet wurde, wie hoi gewöhnlicher
Springfluth.
Kapitäne von Küstenschiffen, die Jahre lang die ÄnroWita-Strafse befahren
haben, betrachten den Monat Dezember als den am meisten durch schlechtes
Wetter ausgezeichneten Westmonsun-Monat und behaupten, dafs sic im Monat
Januai fast immer trockenes Wetter mit beständigen, nördlichen Winden ange
troffen haben. Im Februar wird jedoch das Wetter wieder unbeständig und
böig, wiewohl cs im Allgemeinen viel weniger unfreundlich als im Dezember
ist, wo es mehrere Tage hintereinander mit unruhigem, dickem und regnerischem
Wetter aus NW wehen kann. Sowohl im Januar 1882, wie im Januar 1883
traf S. M. Vermessungsschiff „HyJrogranf“ hier wider Erwarten schönes Wetterj
Tage hintereinander wehten mäfsige Winde aus N und NNW, mitunter zu einer
gerefften Marssegelbriese amvachscnd, aber fast immer von trockenem Wetter
begleitet. Jedesmal indessen, wenn Windstille eingetreten war, brachte eine
Stumböc von Land einige Tage unbeständigen Wetters mit. Der nördliche
Wind behielt jedoch stets die Oberhand. Wenn sieh dabei dieselbe Erscheinung
zeigt, wegen welcher hier der SE-Monsun der woifsc Südostcr genannt wird,
kann man sicher für einige Tage auf kräftig durchs tobenden Nordwind rechnen.
Die eigenartige, dunstige Luft, durch welche die Landsicht so schlecht wird,
begleitet auch die nördlichen Winde, besonders wenn der Wind hoch nördlich
ist, doch zeigt sich bei diesen die Erscheinung bei Weitem nicht so ausgeprägt,
wie in den trockenen Monaten des SE-Monsuns; wahrscheinlich weil nun,
häufiger als im SE-Monsuu, die Luft durch Regen gereinigt wird. Mit nördlichen
Winden setzt der begleitende Triftstrom noch kräftiger uach Süden, als dies
mit steifeu SE-Winden nach Norden der Fall ist, so dafs es dann für grofse
Segelschiffe in dem Fahrwasser zwischen den Karimata- und Momprang-lüseln
so gut wie uumöglich ist, gegen den Monsun aufzukreuzen. Aber auch auf der
sogenannten Binnenroute, in dem Fahrwasser zwischen den Karivuda-hiseln
und der Westküste von Borneo, wo sieh infolge des Auftretens von Landwind
und der durch die Flüsse verursachten Stromänderungen oft mehr Aussicht auf
Streekbugen bietet, ist dann das Aufkreuzen noch lange nicht ermuthigend.
Im Januar 1882, als S. M. S. „Uydrograaf“ eben nördlich der jP«pa»-Insclu
geankert war, wurde unter Anderen ein grofscs amerikanisches Vollschiff
gesehen, das mit Bramsegeln fest gegen eine hartnäckige nördliche Marssegel
briese aufzukreuzen suchte. Das Schiff blieb 8 Tage lang in Sicht. Am
9. Tage, als es etwas flauer geworden war, wurde das Schiff' von der Strömung
zwischen Podoe Maja und Panambangan hindurchgeführt. Man hört hier au
der Küste auch oft von einem Nordmonsun sprechen, und alte Bewohner von
Pontianak erzählen, dafs im Monat Januar das Wasser im Flusse mitunter eben
so niedrig wird, wie in den trockenen Monaten des SE-Monsuns.
Aufsor den bereits angeführten Vortheilen des Landwindes und der
Fluisströmungen, aus denen die hiermit bekannten Segelschiffsführer Nutzen zu
ziehen wissen, trifft man auf der Binnenroute auch eine weniger hohe See an,
wie aufserbalb der Inseln, und nahezu überall Schlammboden und geringe Wasser
tiefe, so dafs mau bequem gegeu den Strom stoppen kann. Die Tiefen nehmen
bei der Annäherung an die Bomco-Küstc regehnäfsig ab, so dafs das Loth hier
einen guten Wegweiser abgiebt, während die KarimaUtdmdn an der Westseite
des Fahrwassers ganz nahebei passirt werden können. Wenn der Wind weniger
stark von Norden durchsteht, zieht er sich oft des Nachts und Morgens nach
Nordosten. Auch im SK-Monsun soll die Richtung des Windes hier durch den
Einflufs von Landwind oft östlich abgelenkt werden. Als allgemeine Regel ist
noch anzuführen, dafs os hier im Westmonsun stets Morgens Hoehwasser ist
und in dem Ostmonsun Abends, so dafs man gewöhnlich im Westmonsun des