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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

Winde  und  Strömungen  in  der  Kariiuatu-Strafcc.

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entschieden  ist.  Aber  auch  zwischen  deu  Sandbänken,  wo  mau  uoch  freie,  tiefe
Fahrwasser  autrifft,  wird  man  leicht  durch  den  Strom  irregeführt,  denn  wenn
sich  der  Gezeitenstrom  mit  dem  Triftstrom  vereinigt,  erreicht  das  Wasser  in
den  engeu  Passagen  nicht  selten  eine  Geschwindigkeit  von  2  bis  3  Stn.  Aus
der  hydrographischen  Aufnahme,  die  unlängst  von  S.  M.  Vermessungsschiff
„Hydrograaf  “  gemacht  worden  ist,  geht  freilich  hervor,  dafs  die  Gefahren  dieses
Küstentheils  in  den  alten  Karten  und  Segelhandhüchern  etwas  übertrieben
worden  sind,  doch  dies  schliefst  nicht  aus,  dafs  der  Seemann,  der  zur  Abkürzung ­
  seiner  Reise  zwischen  den  Ränken  hindurch  und  in  Sicht  des  Landes
gehen  will,  um  sieh  hier  zu  orientiren,  im  Besitze  von  Specialkarten  sein  unifs,
besonders  wenn  die  Fahrwasser  nicht  genauer  durch  Baken  und  Secmarkeu  angedcutot
  sind.  Ohne  diese  Hülfsmittel  mufs  von  der  SW-Spitzo  von  Borneo  ein
guter  Abstand  genommen  werden,  so  wie  Horsburgh  bereits  gewarnt  hat:
„Give  it  a  good  berth.“
Wiewohl  im  Anfang  Oktober  noch  südöstliche  Winde  erwartet  werden
können,  fängt  doch  gcwöhulich  das  Wetter  um  diese  Zeit  au,  seinen  Charakter
zu  verändern.  In  der  Mitte  des  Tages  wehen  meistens  flaue  südöstliche  und
südliche  Winde,  die  gegen  Abend  still  werden,  wohingegen  Nachts  der  abkiihlendc
  Landwind  von  den  feuchten  Sümpfen  der  Westküste  Borneo’s  her  sich
auf  einen  ansehnlichen  Abstand  vom  Lande  fühlbar  macht.  Unwetter  mit
vielem  Regen,  zuweilen  mit  heftigen  Böen  aus  Westen,  wechselu  ab  mit  mehreren
hinter  einander  folgenden  Tagen  der  Windstille  und  schönen  Wetters,  welches
letztere  so  allmählich  den  in  unserem  ganzen  Indischen  Archipel  bekannten
Charakter  des  Monsunweehsols  annimmt.  Der  Monat  November  wird  hier
besonders  als  Regenmonat  angesehon.  Wenngleich  selbst  die  trockensten
Monate  Juli  und  August  hier  nur  sehr  selten  ohne  häufige  Niederschläge
verlaufen,  so  fällt  doch  im  November  fast  immer  bedeutend  mehr  Regen,
wie  in  den  übrigen  Monaten,  und  das  Wasser  in  den  Flüssen  erreicht  alsdann
den  höchsten  Stand  des  Jahres.  Auf  dom  Flusse  vor  Pontianak,  das  kaum
12  Km  stromaufwärts  liegt,  ist  dauu  der  Riuflufs  der  täglichen  Flutli  auf  das
abströmende  Flufswasscr  kaum  noch  bemerkbar;  mau  sieht  nur  zur  Zeit  der
Springftuth,  infolge  der  aufkommeuden  Fluth,  das  Wasser  weniger  schnell  abströmen.
  Zu  dieser  Zeit  wird  auch  das  meiste  Treibholz  abgeführt,  und  losgerissene ­
  Uferstücke  werden  dann  in  der  Strafse  noch  häufiger  wie  gewöhnlich
als  treibende  Inseln  angesehen.  Dies  ist  hauptsächlich  der  Fall,  wenu  in  deu
vorhergehenden  Monaten  der  Wasserstand  im  Flusse  im  Allgemeinen  niedrig
gewesen  ist,  und  infolge  dessen  die  Flufsufer  unterspült  worden  sind.  Wenn
dann  das  Wasser  rasch  über  die  unterminirteo  Ufer  steigt,  wird  es  der  kräftigen
Strömung  leicht,  das  Werk  der  Zerstörung  zu  vollenden.
Oft  sind  die  Regenschauer,  die,  im  Verhältnifs  wie  sich  der  Westmonsun
nähert,  schneller  und  schneller  aufeinander  folgen,  von  heftigen  Windstöfscu
begleitet,  und  mufs  man,  besonders  wenn  die  Böe  aus  NW  mit  einer  dicken
blaugi  auen  Luft  vom  Horizont  aufgezogen  kommt,  auf  plötzlich  eiufallende  harte
Wiude  gefafst  sein,  auf  welche  rasch  eine  hoch  anwachsende  Sec  folgt.  Auf
der  Aufsenrhede  von  Pontianak  wird  es  dann  schon  sehr  unbehaglich.  Fast
immer  wird,  infolge  der  Strömung  des  Flusses,  das  hier  zu  Anker  liegende
Schiff  quer  zu  Wind  und  See  liegen,  und  es  läfst  sich  leicht  ciusehen,  dafs
dann  von  den  hoch  auflaufenden  Wogen,  die  hier  durch  eine  ausgedehnte  flache
Schlammbank  in  ihrer  Fahrt  anfgehalten  werden,  eine  unruhige,  lästige  See
erzeugt  wird,  die  schon  auf  grofsem  Abstande  von  der  Schlammbauk  zu  brechen
beginnt.  Im  Westmonsun  ist  deshalb  anzuempfehlen,  weit  aufserhalb  der  Rhedebojen ­
  in  6  bis  8  Fad.  Tiefe  zu  ankern,  denn  mehrmals  ist  es  auf  der  Rhede
von  Pontianak  vorgekommen,  dafs  durch  schweres  und  anhaltendes  Schlingern
die  in  den  Davits  hängenden  Boote  verloren  gingen  und  bedeutende  Havarien
am  Takelwerk  gemacht  wurden.
Die  Äamnäta-Strafse  ist  der  vielen  Wasserhosen  wegen  bekannt,  und
hauptsächlich  werden  dieselben  in  den  Monaten  des  Westmonsuns  uud  des
Monsunwechsels  gesehen.  Nicht  selton  sind  zwei  auch  drei  Wasserhosen  gleichzeitig ­
  am  Horizont  sichtbar,  und  im  März  1882  wurden  selbst  sechs  Wasserhosen ­
  in  demselben  Augenblick  gesehen.  Dies  war  somit  zur  Zeit  des  Wechsels
nach  dem  Westmonsun.  Auch  dann  können  die  bekannten  heftigen  Böen  aus
            
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