accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

Meeresströmungen nml Temperaturen dos Südallnmischon Ooeans. 
4G1 
das La Plata-Wasser sich hier mit dem jener Strömung mischt. Den tropischen 
Ursprung der Strömung macht ein Vergleich des Tages-Durchsclmitts der Luft 
temperaturen mit demjenigen der Wassevtemperaturen noch wahrscheinlicher, 
indem derjenige der erstereu am 14. Februar anf 39° S-Br um 2,8° C. kälter 
ist, als der der letzteren.“ — „Es träfen also danach in der Gegend des Kap 
Corrientes drei Wassermassen verschiedenen Charakters zusammen, eine kalte 
(wahrscheinlich aus dem Grofsen Ocean herrührend), eine atlantisch-tropische 
und das Flufswasser des La Plata.“ 
„Wie mau sieht“, fährt der Verf. fort, „hat Frhr. von Schleinitz also 
schon damals die einzig richtige Erklärung der vorhandenen Phänomene gegeben. 
Zugleich beseitigt derselbe Beobachter die letzten Bedenken, die etwa gegen 
die antarktische Herkunft auch des warmen Wassers auf der patagouischen 
Bank noch erhoben worden könnten. Die Erwärmuug ist nur eine durchaus 
oberflächliche, überdies ja auch nur in der warmen Jahreszeit eine erhebliche 
gegenüber dem kalten Strom östlich von der Bank. Es sind aber auch gerade 
über der patagouischen Bank die Bedingungen für eine lokal starke Erwärmung 
gegeben und zwar in den abnormen klimatischen Verhältnissen. Allgemein 
bekannt ist der gewaltige Kontrast zwischen dem Witterungs-Charakter der 
Westküste und Ostküstc Patagoniens: jene das ganze Jahr hindurch von regen- 
schwcrcu Wolken verdunkelt, eine der uiederschlagreichstcn Küsten der Welt 
— die Ostküste dagegen eines der sonnigsten und trockensten Litorale.“ „Au 
dieser Küste“, beifst es im „South American Pilot“ (I, 1874, pag. 301), „zwischen 
den Breiten von 40° und 50° Süd herrscht eine grolsc Einförmigkeit der 
Witterung, indem jene zehn Breitengrade eine viel geringere Verschiedenheit 
in den Temperaturen verursachen, als man ohne Woiteres annchmen könnte. 
Die Winde sind gleichfalls regclmäfsigcr als am La Plata, und da die jährliche 
Regenmenge unvergleichlich viel geringer ist als dort, ist das Klima hier 
mindestens oben so warm, wie das von Buenos Ayres, und in so hohem Grade 
trocken, dafs das ganze Land, aufser entlang den Flüssen, dürr und steril ist. 
In einigen Häfen der Küste (San Blas, the Oven, San Antonio u. a.) ist ein 
Schiff geradezu ruinirt, wenn es mehrere Sommcrmouatc daselbst still liegt; 
selbst ein Aufenthalt von Wochen ist verderblich, so mächtig ist die Kraft der 
Sonne, die, nur selten von Wolken verdeckt, den ganzen Tag auf das Holzwerk 
des Schiffes hemiederbrennt, das selbst durch Thau nicht augefeuchtet wird. 
Im Winter kommen wohl scharfe Fröste vor, aber nur Nachts, niemals setzen 
sie sich in den Tag hinein fort.“ 
Diese mächtige Insolationswirkung dürfte wohl im Wesentlichen ausreichen, 
die auffällige und besonders in der warmen Jahreszeit sehr erhebliche Temperatur 
erhöhung in den Oberflächenscliiehtcu dieser ursprünglich kälteren Gewässer zu 
erzeugen. Iudcfs logt der Verf. auch noch auf einen anderen Umstand kein geringes 
Gewicht, nämlich auf die mehrfach bestätigte Thatsache, dafs unmittelbar uutcr 
Kap Horn, wie überhaupt in der Nähe des Feuerlamls, sieh wärmeres Wasser 
findet als weiter in See. Diese Thatsache allein hat Dr. A. Mühry*) bewogen, 
einen Zweig der auf der patagouischen Bank angeblich vorhandenen Brasilien- 
Strömung in westlicher Richtung um Kap Horn umbiegen und in die Südsee 
eintreten zu lassen. Inclefs widersprechen einer solchen Auffassung durchaus 
die von den Kap IJom-Führern gemeldeten Stromversetzungen, wofür Mühry 
selbst (a. a. 0.) eine Reihe von Beispielen beibriugt: Fitz-Roy, Foster und 
Findlay kennen am Kap Herrn nur östliche Strömungen und in der Südsee im 
Westen des Feuerlandes nur südöstliche. 
Der Verf. glaubt nun eine befriedigende Erklärung der relativ hohen 
Temperaturen dieser Küstengewässer in der Thatsache erblicken zu dürfen, dafs 
die grofse, den Südpacifischen Ocean südlich von 35° S-Br beherrschende Ost- 
ströimmg bei ihrem Anprall an das gegenstohende südamerikanische Festland 
sieh tlieilt, so dafs alles Wasser nördlich von ca 42° S-Br nach Norden sich 
wendet (als sogenannter kalter Peru-Strom), dagegen südlich der genannten 
Breite das Wasser südöstlich abschwenkt, um durch die Kap Horn-Strafse in 
den Siidatlantischen Ocean ciuzutreteu, Nach dieser Auffassung würde das 
*) Pctermanns „Mittheilnngcn*, 1872, pag. 132. Yergl. amli Hermann Bergbaus, 
Physikalische Wandkarte der Erde, Gutlta 1874. 
Am d. Hy4r. «fe, 1SSS, H*fl VIII 3
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.