Dritte Tiefsee-Expedition des „Travailleur“ im Sommer 1882.
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Diese zusammengestellten Stromangaben wurden aus den Differenzen der
beobachteten und gegifsten Positionen bei Berücksichtigung der herrschenden
Wind- und Seeverhäitnisse bestimmt. In der Malacca. Straße war es nicht
möglich, genaue Beobachtungen über Stärke und Richtung der Strömung an
zustellen, da letztere meistens von den Gezeiten und Küstenformationen beinflufst
wurden. Bei Navigirung in der Straße von Malacca ist daher durch öftere
Vornahme von Peilungen und Kurskoppelungen die Fahrt des Schiffes zu
kontrolliren.
Die gröfste Geschwindigkeit der Strömung wurde auf der Hinreise
zwischen der One .FaiAom-Bank und dem Kap Rachada mit 5 Sm in l h 40 m
gegen die Küste beobachtet, während auf der Rückreise auf derselben Stelle
Stillwasser angetroffen wurde.
Dritte Tiefsee-Expedition des „Travailleur“ im Sommer 1882.
Unter derselben wissenschaftlichen Leitung als bei den beiden ersten
Expeditionen des „Travailleur“ (1880 und 1881) in der Bucht von Biscaya,
der atlantischen Küste von Portugal und Spanien und im Mittelländischen
Meere 1 ) unternahm der „Travailleur“, untor dem Kommando des Schiffslieutenant
der französischen Marine Parfait, seine dritte Fahrt zur Erforschung der
Tiefseeverhältnisse, namentlich der Tiefseefauna, welche sich von der Nordküste
Spaniens bis Madeira erstreckt. —
Ueber die während dieser Expedition Vorgefundenen Tiefen und Boden
verhältnisse der untersuchten Meeresstrecke ist in den „Annales hydrographiques“,
Paris, 1883 I. Semestre, pag. 30—35 eine allgemeine Uebersicht gegeben,
welcher wir Nachstehendes entlehnen:
Während der zweimonatlichen Dauer der Untersuchungsfahrt vom
3. Juli bis 30. August 1882 hatte der „Travailleur“ von Rochefort aus die
Nordküste von Spanien, die Küste von Portugal, den Golf von Cadix, die
Küste von Marocco, die Umgebung der Canarischen Inseln und von Madeira
besucht und von dieser letzteren aus den Kurs nach Lissabon genommen und
war von da nach Rochefort am 30. August zurück gelangt.
Die einzelnen Lothungen sind in umstehender Tabelle wiedergegeben.
Diese Lothungen ergeben, dafs an der Nordküste von Spanien ein Plateau
mit einer allmählichen Senkung bis 200 m sich bis 20 Sm vom Lande hinzieht;
an der Küste von Portugal nähert sich dieses Plateau bis zu 5—6 Sm dem Kap
Roca und kommt noch näher dem Kap St. Vincent; an der Küste von Marocco
entfernt es sich bis zum Kap Ghir wieder bis 15 Sm.
Weiter nach See zu ist der Meeresboden sehr unrcgclmäfsig gestaltet;
man könnte fast sagen, dafs die Gebirge an den Küsten Nord-Spaniens und
Portugals sich unter dem Wasser wiederholten mit ihren Gipfeln, Thälern und
Plateaus. So findet man z. B. in 43° 57' N-Br in der Nähe vom Kap Renas
eine Bodentiefe von 236m; 1 Sm weiter nördlich eine solche von 1000 m und
bis zu 6 Sm Entfernung nach und nach 1000, 1300 und 512 m.
Ebenso unregelmäfsig wie das Relief des Meeresbodens ist auch seine
Beschaffenheit; ganz nahe bei einander findet man Stellen mit Schlamm, Fels
und Korallen.
An der Küste von Marocco scheinen solche Unregelmäfsigkeiten des
Meeresbodens nach der offenen See hin nicht stattzufiuden. Zwischen 35 bis
90 Sm Abstand von der Küste nehmen die Tiefen sehr regelmäfsig von 600 bis
2300 m zu; überall besteht der Boden aus weichem Schlamm von röth-
licher Farbe.
l ) S. „Aon. d. Hydr. etc.“ 1882, pag. 519—523.
Ann. d. Hydr. etc., 18SS, Heft VU.
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