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Iquique.
Firmen hier etablirt, welche den Handel vermitteln, während auch einige neue
Salpeterminen entstanden und viele alte bedeutend vergröfsert sind, so dafs eine
gröfsere Menge Salpeter gewonnen und ausgeführt wird. Die südlichen Häfen
Taltal und Antofagasta erleiden hierdurch freilich einen grofsen Schaden und
viele der Geschäfte daselbst haben entweder die Arbeit ganz eingestellt oder
arbeiten doch nur wenig, weil sie wegen der niedrigen Salpeterpreise nicht mit
den nördlicheren Häfen koukurriren können. Während meines Hierseins lagen
manchmal 70 gröfsere Segelschiffe von durchschnittlich 1000 Tonnen Tragfähig
keit im Hafen. Dio Eisenbahn konnte mit ihrem jetzigen Betriebsmaterial nicht
so viel Salpeter herbeischaffen als verladen werden mufste, und viele Schiffe
kamen deshalb auf Liegegeld.
Die Ansegelung von Iquique ist genügend bekannt. Seit zwei Jahren ist
auf der Mitte der Insel ein eiserner Leuchtthurm errichtet, welcher eine Höhe
von 21,6 m hat. Derselbe ist weifs angestrichen und mit einer grünen Kuppel
versehen. Das Feuer, ein festes, mit einem alle 30 Sekunden wiederkehrenden
Blink, ist 20 Sm weit sichtbar. Der Thurm liegt auf 20° 12' S-Br und
70° 11' W-Lg.
Schiffe, welche sehen, dafs sie vor Sonnenuntergang den Ankerplatz nicht
mehr erreichen können, thun am besten, sich während der Nacht in südwest
licher oder westsüdwestlicher Richtung in Sicht vom Feuer zu halten, da es
am Abend gewöhnlich unter Land windstill wird. Wenn ein Schiff es dennoch
unternimmt, einzusegeln, läuft es Gefahr, durch die herrschende Strömung nach
Norden bei dem Hafen vorbeigetrieben zu werden, worauf es oft mehrere Tage
gebraucht, um nach hier zurückzukommen. Die Schiffe liegen im Hafen in
mehreren Reihen, welche von Süd nach Nord aufeinander folgen, und sind vorn
mit einem Buganker und 108m (60Fad.) Kette, hinten mit dem Täuauker nebst
108m (60 Fad.) Täukette vertäut, und zwar mit dem Kopf nach Westen. Den
einsegelnden Schiffen kommt der Hafenlotse gewöhnlich schon aufserhalb der
Insel in einem Whaleboot entgegen, bringt aber selten, auch nicht wenn Wind
genug vorhanden ist, das Schiff an seinen eigentlichen Ankerplatz, sondern
ankert erst aufserhalb der Reihe der Schiffe und vertäut das Schiff, je nach
Umständen, am nächsten Tage oder auch wohl noch später. Beim Verlassen
des Hafens segeln die Schiffe meistens direkt von ihrem Ankerplatz fort.
Nachdem die Anker gelichtet sind, wird das Schiff so lange mit Leinen fest
gehalten, bis die Abfahrt erfolgt. Das Schiff wird gewöhnlich durch den Hafen
lotsen, der gleichzeitig der Eigenthümer der Anker- und Ballastlanschen ist
oder doch nur allein solche liefert, in See gebracht.
Der Ballast mufs jetzt in Lanschen gelöscht und darf nicht mehr wie
früher über Bord geworfen werden. Man hat hierfür nach Uebereinkommen,
doch meistens nicht weniger als 75 Cts. für die Tonne, zu entrichten. Benöthigt
ein Schiff Ballast, so wird derselbe vom Hafenlotsen, der, wie schon angedeutet,
der alleinige Lieferant ist, mit 2 bis 3 Doll, die Tonne berechnet. Auch das
Trinkwasser ist bedeutend theuerer als früher. Aufser kondensirtem Wasser
kann man jetzt auch zu dem Preise von 4 Cts. für die spanische Gallone Wasser
aus Arica bekommen. Von den Fabriken, welche früher das kondensirte
Wasser zu 2 Cts. die Gallone verkauften, wird nichts mehr an die Schiffe ver
abfolgt. Es scheint, dafs die betreffenden Herren sich dahin gegenseitig ver
pflichtet haben, wahrscheinlich um die Sache besser ausbeuten zu können.
Die Lanschen, welche zum Laden und Löschen gebraucht werden, sind
nicht Eigenthum der Regierungsbeamten, sondern gehören verschiedenen Privat
personen an. Für an Bordbringen von 1000 Quintal zahlt man je nach
Umständen 17 bis 20 Doll. Jedes Salpeter ladende Schiff erhält einen Stauer,
der vom Hafenmeister ernannt wird. Es hat demselben für die Verstauung von
1000 Quintal Salpeter 7 Doll, zu zahlen. Der Taglohn für den gewöhnlichen
Arbeiter beträgt mit Beköstigung */3 Doll. Die Lanschen sind ähnlich wie die
in Valparaiso und halten 25 bis 30 Tonnen. Schiffe mit Kohlenladungen haben
meistens einen längeren Aufenthalt, da beim Löschen die Kohlen vorher an
Bord in Säcke gefüllt und diese zugenäht werden müssen. Infolge davon wird
einem Schiffe auch selten ein gröfseres Quantum als 50 bis 60 Tonnen den Tag
abgenommen. Säcke, Garn und Nadeln werden geliefert.