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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

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Iquique. 
Firmen hier etablirt, welche den Handel vermitteln, während auch einige neue 
Salpeterminen entstanden und viele alte bedeutend vergröfsert sind, so dafs eine 
gröfsere Menge Salpeter gewonnen und ausgeführt wird. Die südlichen Häfen 
Taltal und Antofagasta erleiden hierdurch freilich einen grofsen Schaden und 
viele der Geschäfte daselbst haben entweder die Arbeit ganz eingestellt oder 
arbeiten doch nur wenig, weil sie wegen der niedrigen Salpeterpreise nicht mit 
den nördlicheren Häfen koukurriren können. Während meines Hierseins lagen 
manchmal 70 gröfsere Segelschiffe von durchschnittlich 1000 Tonnen Tragfähig 
keit im Hafen. Dio Eisenbahn konnte mit ihrem jetzigen Betriebsmaterial nicht 
so viel Salpeter herbeischaffen als verladen werden mufste, und viele Schiffe 
kamen deshalb auf Liegegeld. 
Die Ansegelung von Iquique ist genügend bekannt. Seit zwei Jahren ist 
auf der Mitte der Insel ein eiserner Leuchtthurm errichtet, welcher eine Höhe 
von 21,6 m hat. Derselbe ist weifs angestrichen und mit einer grünen Kuppel 
versehen. Das Feuer, ein festes, mit einem alle 30 Sekunden wiederkehrenden 
Blink, ist 20 Sm weit sichtbar. Der Thurm liegt auf 20° 12' S-Br und 
70° 11' W-Lg. 
Schiffe, welche sehen, dafs sie vor Sonnenuntergang den Ankerplatz nicht 
mehr erreichen können, thun am besten, sich während der Nacht in südwest 
licher oder westsüdwestlicher Richtung in Sicht vom Feuer zu halten, da es 
am Abend gewöhnlich unter Land windstill wird. Wenn ein Schiff es dennoch 
unternimmt, einzusegeln, läuft es Gefahr, durch die herrschende Strömung nach 
Norden bei dem Hafen vorbeigetrieben zu werden, worauf es oft mehrere Tage 
gebraucht, um nach hier zurückzukommen. Die Schiffe liegen im Hafen in 
mehreren Reihen, welche von Süd nach Nord aufeinander folgen, und sind vorn 
mit einem Buganker und 108m (60Fad.) Kette, hinten mit dem Täuauker nebst 
108m (60 Fad.) Täukette vertäut, und zwar mit dem Kopf nach Westen. Den 
einsegelnden Schiffen kommt der Hafenlotse gewöhnlich schon aufserhalb der 
Insel in einem Whaleboot entgegen, bringt aber selten, auch nicht wenn Wind 
genug vorhanden ist, das Schiff an seinen eigentlichen Ankerplatz, sondern 
ankert erst aufserhalb der Reihe der Schiffe und vertäut das Schiff, je nach 
Umständen, am nächsten Tage oder auch wohl noch später. Beim Verlassen 
des Hafens segeln die Schiffe meistens direkt von ihrem Ankerplatz fort. 
Nachdem die Anker gelichtet sind, wird das Schiff so lange mit Leinen fest 
gehalten, bis die Abfahrt erfolgt. Das Schiff wird gewöhnlich durch den Hafen 
lotsen, der gleichzeitig der Eigenthümer der Anker- und Ballastlanschen ist 
oder doch nur allein solche liefert, in See gebracht. 
Der Ballast mufs jetzt in Lanschen gelöscht und darf nicht mehr wie 
früher über Bord geworfen werden. Man hat hierfür nach Uebereinkommen, 
doch meistens nicht weniger als 75 Cts. für die Tonne, zu entrichten. Benöthigt 
ein Schiff Ballast, so wird derselbe vom Hafenlotsen, der, wie schon angedeutet, 
der alleinige Lieferant ist, mit 2 bis 3 Doll, die Tonne berechnet. Auch das 
Trinkwasser ist bedeutend theuerer als früher. Aufser kondensirtem Wasser 
kann man jetzt auch zu dem Preise von 4 Cts. für die spanische Gallone Wasser 
aus Arica bekommen. Von den Fabriken, welche früher das kondensirte 
Wasser zu 2 Cts. die Gallone verkauften, wird nichts mehr an die Schiffe ver 
abfolgt. Es scheint, dafs die betreffenden Herren sich dahin gegenseitig ver 
pflichtet haben, wahrscheinlich um die Sache besser ausbeuten zu können. 
Die Lanschen, welche zum Laden und Löschen gebraucht werden, sind 
nicht Eigenthum der Regierungsbeamten, sondern gehören verschiedenen Privat 
personen an. Für an Bordbringen von 1000 Quintal zahlt man je nach 
Umständen 17 bis 20 Doll. Jedes Salpeter ladende Schiff erhält einen Stauer, 
der vom Hafenmeister ernannt wird. Es hat demselben für die Verstauung von 
1000 Quintal Salpeter 7 Doll, zu zahlen. Der Taglohn für den gewöhnlichen 
Arbeiter beträgt mit Beköstigung */3 Doll. Die Lanschen sind ähnlich wie die 
in Valparaiso und halten 25 bis 30 Tonnen. Schiffe mit Kohlenladungen haben 
meistens einen längeren Aufenthalt, da beim Löschen die Kohlen vorher an 
Bord in Säcke gefüllt und diese zugenäht werden müssen. Infolge davon wird 
einem Schiffe auch selten ein gröfseres Quantum als 50 bis 60 Tonnen den Tag 
abgenommen. Säcke, Garn und Nadeln werden geliefert.
	        
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