Golf von Persien.
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hier sind die Preise fast um die Hälfte niedriger als in Basrah. Steinkohlen
aber werden nur am letztgenannten Orte vorräthig gehalten und sind zu dem
enorm hohen Preise von 2 Lstrl. 6 sh. die Tonne zu kaufen.
In den Charterpartien, die in Java für eine Reise nach dem Golf von
Persien abgeschlossen werden, spielt die Klausel: „Das Schiff ist frei von allen
Unkosten“, oder wie es wörtlich heilst: „all pilotages, light-, tonnage- and har-
bour-dues are to be paid by the charteren“ eine grofse Rolle, indem der Be
frachter vermittelst derselben einen niedrigeren Frachtsatz zu erzielen sucht.
Am Euphrat wie auch an der ganzen Küste von Persien sind aber keine
Feuer vorhanden, und es wird deshalb auch kein Feuergeld von den Schiffen
erhoben. Dasselbe ist auch meistens in Bezug auf Tonnen- und Hafengelder
der Fall, und so bleibt für den Befrachter weiter nichts zu zahlen als
höchstens das Lotsgeld, das aber für ein Schifit von 4,2 m (14 Fufs) Tiefgang
nach Buschehr eingehend und von dort wieder ausgehend nur 20—24 Rupees
beträgt. Nach und von Basrah freilich ist das Lotsgeld höher und beläuft sich
auf 4 Rupees für jeden Fufs des Tiefganges des Schiffes. Nach meiner Ansicht
sollte ein Frachtabschlufs nach Persien nur gegen eine aufserordentlich hohe
Fracht erfolgen, weil eine Reise mit einem Segelschiffe dorthin meistens sehr
viel Zeit in Anspruch nimmt. Die Segelschiffahrt nach Basrah wird indessen
wohl bald ganz aufhören und der Dampfschiffahrt weichen müssen.
Ich möchte noch hervorheben, dafs ich die meisten Angaben in der „Sailing
Directory“ von Findlay über Wind, Wetter u. s. w. während meines Aufent
halts in Persien nicht bestätigt gefunden habe. Auch die eigentlichen Segel
anweisungen enthalten manches, was offenbar falsch ist. So wird z. B. für die
Reise nach dem Golf von Persien zur Zeit des NE-Monsuns empfohlen, sich in
der Nähe der Malabar-Küste zu halten, bis der Parallel von 20° Nord erreicht
ist, und dann die Küste zu verlassen und NO zu steuern. Letzteres mufs
natürlich NW heifsen. Ferner wird gesagt: „Im März, April und Mai mag
man von irgend einem Hafen an der Malabar-Küste nach Maskat den direkten
Kurs nehmen, denn in dieser Jahreszeit sind die Land- und Seebriesen unzuver
lässig, und es ist sehr schwierig nach Norden zu gelangen. Deshalb sollte
man vom Lande ab stehen, wenn man sich nördlich von den Laccadiven be
findet, oder wenn der Abfahrtsort weiter südlich liegt, durch irgend einen passenden
Kanal gehen. Landabwärts wird die See ruhiger als in der Nähe des Landes
sein und der Wind zwischen N und WNW, häufiger aber noch zwischen NNW
und NW schwanken. Man sollte mit dem nördlichen Winde auf Backbordhalsen
(port tack) gehen und auf die anderen Halsen, wenn der Wind westlich geht,
um auf diese Weise Ras al Had so rasch als möglich zu erreichen u. s. w.“
Hier ist das gerade Entgegengesetzte richtig. Man mufs bei nördlichem Winde
Steuerbordhalsen und bei westlichem Winde Backbordhalsen nehmen.“ 1 )
Die aus den meteorologischen Beobachtungen, welche Kapitän C. Pein
im Golf von Persien und an den verschiedenen Hafenplätzen desselben anstellte,
abgeleiteten Resultate sind folgende:
In Bender Abbas vom 26. Februar bis zum 7. März 1882 war an den
Beobaehtungsstundeu 8 Uhr Morgens, 12 Uhr Mittags, 4 Uhr Nachmittags und
8 Uhr Abends die vorherrschende Windrichtung südwestlich und nordöstlich,
aus den beiden Richtungen fast mit gleicher Häufigkeit. Doch waren im Allge
meinen Winde aus dem westlichen Halbkreise überwiegend über die aus dem
östlichen. Am Morgen wehte gewöhnlich nordöstlicher Wind. (Landbriese.)
Im Laufe des Tages holte der Wind dann durch E und S, bis er am Nachmittago
eine westliche Richtung erlaugte. Dieser Verlauf stellte sich meist an jedem
Tage regelmäfsig ein. Die mittlere Stärke aller beobachteten Winde war 2.
Der mittlere Luftdruck betrug, aus 87 Beobachtungen berechnet und
imreducirt für den Meeresspiegel, 763,8 mm, der höchste Luftdruck war 767,3 mm,
der niedrigste 760,0mm. So regelmäfsig wie die tägliche Aenderung des Windes
sich vollzog, zeigte sich auch die Aenderung im Luftdruck. Derselbe war ge-
') Die Irrthümer in der „Sailing Directory for the Indian Ocean“ von A. G. Findlay,
auf welche Kapt. Pein hier aufmerksam macht, finden sich nicht allein in der von ihm wahrscheinlich
benutzten Ausgabe von 1870, sondern ebenfalls wörtlich abgedruckt in den neueren Ausgaben jenes
Werkes, 1876 und 1882. (S. die Seite 171 resp. 173 und 175 derselben.)