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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

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Euphrat. 
Aus den Reiseberichten des Kapitän C. Pein von der deutschen 
Bark „Ella“. 
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.) 
„Auf einer Reise von Batavia nach dem Golf von Persien erreichten wir 
nach einer durch leichte und ungünstige Winde besonders auf dem letzten 
Theile des Weges sehr verzögerten Fahrt von 105 Tagen am 24. Februar 1882 
die Rhede von Bender Abbas an der Omws-Strafse und gingen bei Niedrig 
wasser auf 6,8 m (3 3 /T Fad.) Tiefe, weichem Schlickgrund, zu Anker. Wir lagen 
hier bis zum 8. März. In der folgenden Nacht setzten wir die Reise nach 
Buschehr fort, woselbst wir am 18. März um 5 Uhr Nachmittags auf 7,2 m 
(4 Fad.) Tiefe zu Anker kamen. Nachdem wir auch diesen Platz nach einem 
Aufenthalt von 14 Tagen am 1. April um 6 Uhr Morgens wieder verlassen 
hatten, gelangten wir am 11. April um 6 Uhr Nachmittags nach unserem letzten 
Bestimmungsplatz, der Stadt Basrah am Euphrat. 
Unser Aufenthalt auf der Rhede von Basrah, den wir dazu benutzten, 
uusern Ballast zu löschen und eine hauptsächlich aus Datteln bestehende 
Ladung wieder einzunehmen, dauerte bis zum 29. April. Nachdem wir den 
Flufs hinunter gekommen, wurden wir jedoch innerhalb der Barre des Euphrat, 
bei der englischen Telegraphenstation Fao oder Fau noch einige Zeit durch 
Gegenwinde aufgehalten und konnten infolge dessen erst am 8. Mai unsere Reise 
nach Port Elisabeth (Kapland) antreten. 
Für Segelschiffe ist der Euphrat ein sehr schlechtes Fahrwasser. Schon 
die Einsegelung des Flusses über die vorhandene Barre, die nur bei Hochwasser 
passirt werden kann, ist umständlich. Die Ansegelung der Barre rnufs unter 
fortwährendem Gebrauche des Lothes geschehen. Der Lotse sucht zunächst 
die Bank Meidan Ali, auf welcher 5,4 bis 7,2 m (3—4 Fad.) Wasser über 
hartem Grunde stehen, zu gewinnen. Von hier hat man einige Seemeilen nach 
West zu segeln, bis die Wassertiefe auf 9—10,8 m (5—6 Fad.) über weichem 
Schlickgrunde zugeuommen hat, und befindet sich dann in der Nähe einer von 
der englischen Dampfergesollschaft ausgelegten Boje mitten im Fahrwasser. 
Leider ist nicht immer mit Sicherheit auf das Vorhandensein dieser Boje zu 
rechnen, was um so nachtheiliger ist, als keine anderen Seezeichen da sind und 
das Land auch nicht in Sicht ist. Erst nachdem die gefährlichste Stelle der 
Barre passirt ist, tauchen die Bäume und zugleich auch die Häuser der englischen 
Telegraphenstation Fao auf. 
Bei dieser Station ist der eigentliche Flufs erreicht, dessen tiefe Fahr 
rinne sich ungefähr in seiner Mitte entlang zieht. Dieselbe ist einigermafsen 
durch die verschiedene Färbung des Wassers gekennzeichnet, kann sonst aber 
nur vermittelst der Peilung von Landobjekten, die aber nur den Lotsen bekannt 
sind, innegehalten werden. Das Fahrwasser gewährt einem Segelschiffe nicht 
Raum genug zum Kreuzen. Dieses mufs daher, um bei einem Gegenwinde den 
Flufs hinauf zu kommen, versuchen mit der Fluth aufzutreiben, welche jedoch 
je weiter hinauf desto schwächer und von desto kürzei-er Dauer ist. Bei einem 
auf einen SE-Wind folgenden NW-Wind läuft während mehrerer Tage kein 
Fluthstrom. Es soll selten der Fall eintreten, dass ein Segelschiff den Euphrat 
hinaufkommt, ohne an Grund zu gerathen, was indefs keine Gefahr für das 
Schiff in sich schliefst, weil der Grund so weich ist, dafs man es kaum fühlen 
kann, wenn das Loth denselben berührt. Auch „Ella“ gerieth nicht weniger als 
vier Mal an Grund. 
Frische Gemüse sind in den drei Plätzen Bender Abbas, Buschehr und 
Basrah stets zu haben; auch frisches, aber kein gesalzenes Fleisch. In Basrah 
fand ich nur einen Araber, der der englischen Sprache mächtig war. Dieser 
Mann besorgt alle Transportgeschäfte für sämmtliche hier ansässige Kaufleute, 
sendet die Leichter nach den Schiffen und nimmt die Ladung der Letzteren in 
Empfang. Ferner versorgt er die Schiffe mit ihren täglichen Bedürfnissen, und 
da er der einzige Mann am Platz ist, der dieses Geschäft betreibt, so kann er 
seine Preise stellen, wie es ihm beliebt. Wenn es daher einem Schiffe möglich 
ist, mit der Beschaffung von Schiffsartikeln so lange zu warten, bis es wieder 
nach Buschehr zurückgekehrt ist, so thut es wohl daran, dieses zu thun; denn
	        
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