Hafenplatz Barrow. Westküste von England.
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abermals gewendet. Der Wind war steif bis stürmisch, die Schneeböen
folgten rasch aufeinander, und wir waren genöthigt, die Marssegel zu reffen.
Gerade als die Mannschaft dabei beschäftigt war, das gereffte Yormarssegel
wieder zu setzen, rief der Mann vom Ausguck: „Land und Brandung voraus!“
Das Schiff lag, wie es bei dem Setzen des Vormnrssegels geboten war, mit
klappernden Segeln ganz dicht am Winde und hatte nicht die genügende Fahrt,
um über Stag gebracht werden zu können. Es mufste also der Versuch gemacht
werden, herumzuhalsen. Das Ruder wurde hart St-B. gelegt, Besahn auf-
gegeit und die Schoten der Vorsegel luvwärts aufgeholt. Das Schiff fiel zwar
ab, aber es war kein Raum genug vorhanden, um ganz herumzukommen, und
die Strandung erfolgte gleich darauf. Nach Verlauf von einigen Stunden war
der Raum des Schiffes voll Wasser. Wir liefsen unsere Boote herunter — was
bekanntlich auf einem Walfänger leicht und rasch ausgeführt werden kann —
kamen mit einiger Schwierigkeit mit denselben aufseihalb der Brandung und
lagen die Nacht über auf den Riemen. Am nächsten Morgen gelang es uns
eine Stelle zu finden, an welcher die Brandung nicht zu hoch war, und wir
landeten unweit der Strandungsstelle bei dem japanesischen Orte Smofro,
ungefähr 8 Sm östlich vom Kap Toriwisaki.
Das Schiff war also in 4Va Stunden ungefähr 15 Sm nach SO versetzt.
Als wir einige Wochen später in unsern Booten nach Hakodate ruderten,
fanden wir am Kap Toriwisaki, der Nordspitze von Nipon, zwischen demselben
und der eine Kabellänge entfernt liegenden Insel Omaskisima einen so stark
nach Osten setzenden Strom, dafs wir denselben kaum bewältigen konnten.“
Aus den Reiseberichten des Kapitän C. Scheibe, Führers der
deutschen Bark „Oberbürgermeister von Winter“.
Mittheilung von der Deutschen Seewarte.
1. Ueher den Hafenplatz ßarrow (Westküste Englands).’)
Die Stadt und der Hafen von Barrow befinden sich zwar noch im
Entwickelungsstadium — der Ort wurde erst 1868 zur Stadt erhoben —, aber
die Tiefe des Fahrwassers, die unmittelbare Nähe unerschöpflicher Eisonminen,
die bedeutenden Eisen-, Stahl- und Jutefabriken, die grofsartigen Dockanlagen,
sowie der aufserordentliche Fortschritt im Schiffbau — es wurde hier unter
anderen bekanntlich der Dampfer „City of Rome“ gebaut — berechtigen zu der
Annahme, dafs Barrow eine grofse Zukunft hat. Die Stadt, welche im Jahre
1848 nur ein von 50 Familien bewohntes Dorf war und noch im Jahre 1868,
als ihr, wie schon bemerkt, der Rang einer Stadt verliehen wurde, nur
18 000 Einwohner zählte, hat deren jetzt 50 000.
Die Docks sind mit hydraulischen Krähnen ausgerüstet. Sie bieten für
mehr als tausend Fahrzeuge Raum und ihre Wassertiefe ist genügend für die
gröfsten Schiffe. Der Vorhafen von Barrow — Piel-1lafen — ist ebenfalls sehr
geräumig und gegen alle Winde geschützt, dient aber hauptsächlich nur, um
einkommende Schiffe so lange aufzunehmen, bis sie in’s Dock geholt werden
können. Ausgehend gelangen die Segelschiffe gewöhnlich direkt vom Dock aus
in See. Biel-Hafen wird aufserdem bei westlichen Stürmen oft als Nothhafen
aufgesucht, doch beträgt die Tiefe auf der Barre vor diesem Hafen bei Niedrig
wasser nur 3,6m (12Fufs).
Der Lotsendienst wird von 10 privilegirten Lotsen versehen, welche
drei Logger besitzen. Es besteht unter den Lotsen eine Vereinbarung, nach
welcher immer nur ein Lotsenfahrzeug auf der äufseren Station bei Morecamhe-
Feuerschiff sein darf und der Nachfolger erst dann auf diese Station geht, wenn
der Vorgänger alle seine Lotsen abgegeben hat. Eine Konkurrenz ist also
durch diese Mafsregel ausgeschlossen und man trifft die Lotsen auch deshalb
l; Vgl. „Sail. Dir. for the West Coast of England“ (1876), pag. 189.