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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

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Durchsegelung der Tsugar-Strafse im Winter. 
dieser Küste gefährlich, weil man daselbst gegen nördliche Winde völlig un 
geschützt liegt. Zu diesem Zweck mufs ein Schiff die Küste von Yesso zu 
gewinnen suchen. Um letzteres ausfuhren zu können, sollte man bei westlichem 
oder nordwestlichem Winde nicht zu früh von Nipon nach Yesso hinüber halten 
und wenigstens 3 Sm östliche Stromversetzung in Rechnung ziehen. Allgemein 
wird befürwortet, unter der Küste von Nipon bis Low Island — Omaskisima 
•— am Kap Toriwisaki aufzuarbeiten und dann nach Yesso hinüber zu liegen. 
Die Si'n^aporr-Klippe, NzO l /sO 2‘/2 Sm von Low Island entfernt, liegt zur Spring 
zeit bei Niedrigwasser 4,8m (16 Fufs) unter Wasser. 
Die zahlreichen Buchten an der Küste von Yesso gewähren dem Schiffe 
bei stürmischen westlichen und nördlichen Winden, oder um die Nacht vorüber 
gehen zu lassen, sichere und leicht zugängliche Ankerplätze. In den meisten 
Fällen dürfte es gerathen sein, für die Dauer der Nacht zu ankern, weil, wie 
schon bemerkt, man nur ganz nahe der Küste von Nipon aufkreuzen kann, 
was doch in der Nacht immer gefährlich ist. In der Mitte der Strafse 
würde ein Schiff durch die starke östliche Strömung wieder zurückgetrieben 
werden. Häufig ist es sogar schwierig, mit frischem günstigen Winde bei dem 
Kap Siwokubi vorbeizukommen, denn die Strömung setzt hier, selbst in unmittel 
barer Nähe der Küste, so stark nach Osten, dafs wir zum Beispiel mit 5 Sm 
Fahrt nicht von der Stelle kamen. Die Bucht zwischen Kap Siwokubi und 
Uakodate Bluff gewährt einen ziemlich guten Ankerplatz bei nördlichen Winden, 
doch besteht der Grund aus losem Kies und ist deshalb nicht besonders 
haltbar. 
Schiffe, welche von Hakodate nach China bestimmt sind, sollten, wenn 
sie mit westlichen Winden den Hafen verlassen, zunächst die Luvküste zu halten 
suchen, um nicht von der Strömung nach Osten und gar durch die Strafse 
hindurchgetrieben zu werden. Bei Anzeichen eines westlichen Sturmes ist es 
besser, gleich in einer der Buchten, zwischen Kap Saraki, Kap Tsiuka und Kap 
Sirakami zu ankern, als noch länger zu versuchen, aufzukreuzen. Im Monat 
Dezember 1882 trieb eine russische Brigg, welche von Hakodate nach Shanghai 
bestimmt war, ostwärts durch die TW^w-Strafse, mufste den Weg um Nipon 
herum nehmen und hatte infolge dessen eine Reisedauer von 33 Tagen, während 
wir in demselben Monat auf der Route durch das Japanische Meer die Reise 
in 11 Tagen ausführten. 
Schliefslich mag noch erwähnt werden, dafs die Karten von Imray für 
diese Gegend sehr unzuverlässig sind. So ist z. B. in der Imray’schen Karte 
N0. 186 das Kap Yerimo auf der Insel Yesso auf ungefähr 42° 1' N-Br und 
142° 52' O-Lg niedergelegt, während nach der englischen Admiralitäts-Karte 
N0. 2405 die Lage desselben 41° 55' N-Br und 143° 16' O-Lg ist. Nach den 
von uns bei ruhigem, klarem Wetter gemachten Beobachtungen ist die Angabe der 
Karte von Imray entschieden falsch. 
Nachschrift von Fr. negemann, Ilülfsarbeiter bei der Seewarte: „Der 
Oldenburger Südseewalfänger „German 11 , Kapt. E. Lübbers, auf welchem ich 
als Steuermann diente, strandete infolge der starken östlichen Strömung in der 
I'sugar-Stvai'se an der Nordküste der Insel Nipon. 
An einem Tage Ende März 1862 liefen wir, nach Hakodate bestimmt, bei 
steifem Südwinde und regnerischem Wetter in die Tsugar-Stvaise ein und 
passirten etwa um 12 Uhr Mittags das Kap Siriyasaki. Der Wind lief all 
mählich westlicher, das Wetter w r ar den ganzen Tag über böig, und als wir uns 
gegen 6 Uhr Abends Hakodate Bluff ziemlich genähert hatten, so dafs die im 
Hafen liegenden Schiffe über den schmalen Isthmus, östlich von Hakodate, hin 
weg zu sehen waren, wehte es bereits steif aus NW und es wurde unmöglich 
für uns, den Hafen zu erreichen. Zwischen den Böen war das Wetter klar. 
Mit den Verhältnissen in der Strafse fast ganz unbekannt, entschlossen wir 
uns, die Nacht über unter Segel zu halten. Um 8 Uhr abends stand das 
Schiff nahe unter der Küste von Yesso, worauf mit dem Winde W—NW nach 
SW gewendet wurde. Wir liefsen bis 10 Uhr unter wenig Segeln, dicht am 
Winde steuernd, über B - B. liegen und wendeten dann, in der Annahme, 
ungefähr in der Mitte der Strafse zu sein, nach St - B. Als das Schiff 
wieder zwei Stunden über diesen Bug gelegen hatte und wir nach unserer 
Rechnung nahe der Küste von Yesso sein mufsten, wurde um 12 Uhr
	        
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