404
A. d. Reiseber. S. M. Kbt. „Cyelop“. Bucht von Tobruk.
Fundamente und den umhergestreuten behauenen Stoinen mit verwitterten
griechischen Inschriften zu urtheilen; viele dieser Steine sind zu den dort
in der Nähe befindlichen gröfseren arabischen Gräbern verwandt worden.
Die Regierung von Benghazi (Cyreuaika) thäte ein gutes Werk, die
behauenen Steine wieder auf einander zu schichten, damit eine bessere, nicht
zu verwechselnde Landmarke wiederhergestellt wird und auch bei dieser
Gelegenheit aus den Inschriften der Steine das Alter des umgestürzten Thurms
zu erfahren.
Die Segelanweisung für Tobruk ist folgende: „Man hält nicht südlicher
als SWzS steuernd, recht auf den „Tumulus“ zu, bis man sich auf 2 bis 3 Sm der
Küste genähert hat, alsdann sieht man westlich die Bucht von Tobruk mit der
sie nordwärts umschliefsenden Landzunge liegen. Längs der Küste westlich
steuernd in nicht mehr als 1 Sm Entfernung verliert man kurz vor der Einfahrt
den „Tumulus“ aus Sicht, da derselbe alsdann durch eine vorspringende Ecke
verdeckt wird. Von der Einfahrt ab hält man sich in der Mitte der Bucht,
das Kastell einen Strich an St.-B. in Sicht behaltend, bis man den Ankerplatz
erreicht hat. — Zu bemerken ist, dafs östlich von Ras el Ghain sich auch
mehrere „Tumuli“ auf den Bergen befinden; diese sind jedoch kaum mit dem
einzelnstehenden von Tobruk zu verwechseln.
Das in NW der Bucht liegende alte verfallene Saramten-Kastell ist das
einzige überhaupt vorhandene Gebäude und dient einem kleinen Trupp irre
gulärer Gendarmerie oder besser Beduinen-Saptieh als Aufenthalt. In der Nähe
des Kastells wie auf der südlichen Seite der Bucht waren z. Z. noch einige
Beduinenzelte (Wohnorte der nomadisirenden Hirten, Nissa Beduinen) sichtbar;
auf der nördlichen Landzunge weideten gröfsere Heerden von Ziegen und
Schafen sowie kleine Kameelheerden, auf der Südseite sah mau in einem Thale
nahe dem Meere einen Trupp brauner Rinder weiden; im Ganzen wurden gegen
1000 Stück Vieh gezählt.
Der Verkehr in Tobruk ist sonst gleich Null zu rechnen; ab und zu
kommt ein Fahrzeug oder eine kleine Karawane mit den wenigen Bedürfnissen
für die anwesenden Beduinen und tauscht sie mit Vieh ein.
Infolge der geringen Regenmenge dieses Winters waren die gesummten
Thäler und Schluchten trocken geblieben und der sonst gut angelegte Pflanzen-
wuchs war in diesem Frühjahr sehr zurückgeblieben; nur zwei kümmerliche
Gerstenfelder wurden bemerkt. — Hervorgehoben zu werden verdient, dafs
unter den augenblicklich Vorgefundenen Pflanzen der Seidelbast (Thymelea
hirsuta) als Strauch bis zur Mannshöhe üppig fortkam. Es ist dieses eine
Pflanze, welche ihres festen Bastes und ihrer grofsen Häufigkeit im gesammten
Mittelmeergebiete wegen noch berufen zu sein scheint, in der Industrie eine
Rolle zu spielen.
In vielen der Thäler und Schluchten wurden interessante, zahlreiche,
bisher unbekannte Versteinerungen vorgefunden. 1 ) Die wichtigsten bekannten
waren Seeigel von der Gattung Clypeaster und Seutella; auch fand sich die
bekannte Schiffsmuschel Baranus vor. Es weisen diese Versteinerungen darauf
hin, dafs die Formation des Tobruker Gebirges eine mitteltertiäre, mioeäne ist.
Das ganze Gebirge scheint unterirdische Hohlräume zu enthalten; einige der
selben waren Höhlen, die im Winter jedenfalls zu Wohnorten dienen, wie die
rauchgeschwärzten Wände und der in ihnen angehäufte Mist vermuthen lassen;
andere hingegen wieder waren cementirt und dienten wohl in früherer Zeit wie
noch jetzt als Cisternen. Die an der Südseite befindlichen gröfseren und
kleineren tiefen Buchten sind Ausläufer der Thäler und haben annähernd einen
Fjord-Charakter; ihre sie einrahmenden Felswände sind stark von der Brandung
unterwühlt. Eigenthümlich sind sämmtlichen Einbuchtungen die an den inneren
Seiten vorhandenen brakigen Lagunen. — Von Thierleben war nicht viel sicht
bar: Felstauben, kleinere Zugvögelarten und eine entsprechende Anzahl von
Raubvögeln war Alles, was die öden mit Geröll bedeckten Berge belebte.
*) Der Afrikareisende Prof. Dr. S e.h w e i n fu r th ans Cairo hat an Bord des „Oyclop“
diese Fahrt nach Tobruk mitgemacht und dazu benutzt, in naturhistorischer Beziehung diese für die
Wissenschaft bisher noch „terra incognita“ gebliebene Gegend zu durchforschen.