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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

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Kleine  hydrographische  Notizen.

lü.  Vorläufige  Notiz  über  die  Tiefsee-Expedition  des  französischen ­
  Rekoguosciruugs-Sehiffes  „Talisman“  im  Sommer  1883.
Ju  den  Jahren  1880,  1881  und  1882  hatte  bekanntlich  eine  wissenschaftliche
Kommission  von  Naturforschern  unter  der  Leitung  von  Prof.  Alpli.  Milne-Edwards
  auf  dem  ihr  vou  der  französischen  Regierung  zur  Verfügung  gestellten
Aviso  „Tramilleur“,  Lieut.  Richard,  sehr  erfolgreiche  Untersuchungen  über
die  Tiefseefauna  und  die  Tiefen-  und  Bodenverhältnisse  des  Meerbusens  vou
Bitcaya,  der  atlantischen  Küste  Spaniens  und  Portugals,  des  westlichen  Theils
des  Mittelländischen  Meeres  bis  Corttea,  der  Küste  von  AJarocco  und  des  Meerestheils
  bis  Madeira  und  den  Kanarischen  Inseln  angestellt  (vgl.  „Ann.  d.
Hydr.  etc.“  1882,  png.  519—-523  und  pag.  705).  Nach  einer  Notiz  von  Prof.
Alph.  Milue-Edwards  in  den  „Compt.  Rend.“  vom  21.  Mai  1883  werden
diese  Tiefseo-Untersuchungen  noch  in  diesem  Sommer  fortgesetzt  werden  auf
dem  für  die  Zwecke  derselben  mehr  geeigneten  Rekognoscirungs  •  Schiff
„  Talisman“;  sie  werden  iin  Laufe  des  Monats  Juni  an  der  Küste  vou  Marocco
beginnen  und  sich  zunächst  bis  zu  der  Nachbarschaft  der  (Jan»riechen  und  Kap
kVde’schen  Inseln  erstrecken.  Prof.  Milnc-Edwards  will  bei  den  letzteren
die  den  Naturforschern  noch  wenig  bekannte  Korallenfischerei  von  St.  Jayo
untersuchen  und  einige  wüste  Inseln,  wie  Branca  und  Ra  za,  auf  denen  grofse
Saurier  leben,  deren  Species  auf  dieses  enge  Gebiet  beschränkt  zu  sein  scheint.
Alsdann  wird  sich  der  „Talisman“  nach  dem  Sargano-Meere  begeben,  um  dessen
Bodengestaltung  zu  untersuchen  und  Proben  der  dort  lebenden  verschiedenen
Thiere  zu  sammeln  und  das  nöthige  Material  zu  einer  Publikation  über  die
Fauna  der  Sargosso-SeQ  zu  erhalten.  Nach  einem  Besuche  der  Azoren  will
Milne-Edwards  mit  dem  „Talisman“  im  Monat  September  nach  Frankreich
zurückkehren.
11.  (D.  S.)  Eigeuthümliche  Polarlichterscheinungen  iu  verschiedenen ­
  Theilen  der  Oceane.  Kapitän  C.  Undütsch,  vom  Dampfer  des
Norddeutschen  Lloyd  „Oder“,  berichtet:  „Am  5.  März  1883  um  3  Uhr  Morgens
in  48°  N-Br  und  43°  W-Lg  sahen  wir  bei  völlig  klarer  Luft  einen  Lichtstreifen
von  wcifsgclber  Farbe.  Vom  Horizonte  in  nv.  WzS  ausgehend,  erstreckte  sicli
derselbe  mit  oiner  überall  gleichen  Breite  von  etwa  3°  in  einem  Bogen  von
etwa  120°  über  dcu  Himmel  bis  nach  SO.  Er  bildete  mit  dem  Horizont  einen
Winkel  von  50°.  Das  Licht  war  ähnlich  wie  beim  Noi’dlicht,  bald  stärker,  bald
schwächer.  Um  4 h  45"’  a.  m.  verschwand  die  Erscheinung  fast  plötzlich.“
Eine  ähnliche  Erscheinung  beobachtete  Kapt.  J.  Köhne,  von  der
deutschen  Bark  „Louise“  im  südlichen  Indischen  Ocean  auf  der  Reise  von
Hamburg  nach  Matupi.  Er  berichtet:  „Am  22.  April  1882  in  45°  S-Br  und
119°  O-Lg.  Von  7Vs  bis  8*/-'  Uhr  Abends  zeigte  sich  am  nördlichen  Himmel
eine  merkwürdig  hell  leuchtende  Erscheinung  in  Form  eines  unterbrochenen
(zerstückelten)  Bogens,  der  von  Ost  nach  West  reichte  und  dessen  Mitte  ungefähr ­
  45°  über  dem  nördlichen  Horizonte  war.  Der  Bogen  hatte  eine  Breite
vou  etwa  5°.  Mitunter  erschieu  er  doppelt,  zwei  Bogen  neben  einander,  wobei
denn  der  eine  aufserordentlich  hell  war.  Das  Licht  war  gelblich  weifs.  Die
Erscheinung  hatte  Aehulichkeit  mit  dem  aufstrahlenden  Nord-  oder  Süd  licht,
nur  dafs  hier  das  Aufstrahleu  anstatt  aus  Nord  oder  Süd  von  Ost  nach  West
erfolgte.  Während  der  Erscheinung  war  es  fast  Tageshelle,  da  zu  gleicher  Zeit
auch  der  Mond  schien.“
Einige  Tage  vorher,  am  20.  April  um  8 k  Abends  in  44°  S-Br  und
111°  O-Lg,  berichtet  Kapt.  Köhne:  „Eine  auffallende  Helle  war  am  südlichen
Himmel  bemerkbar.  Obgleich  der  Himmel  bedeckt,  war  cs  fast  so  holl,  wie
bei  hellem  Mondschein.“
Kapitän  Köhne’s  Beobachtungen  fallen  in  die  Epoche  ungemein  heller
Polarlichter,  über  die  bereits  im  vorigen  Jahrgang  dieser  Annalen  Seite  512  ff.
berichtet  worden  ist.  Als  dieser  Epoche  angehörig  sind  ferner  noch  die  folgenden, ­
  nachträglich  cingegangcnen  Berichte  zu  verzeichnen.
Schiff'  „Triton“,  Kapt.  G.  Reinicke,  in  der  Nacht  vom  16.  zum  17.  April
in  41°  S-Br  und  134°  W-Lg:  „Sahen  gegen  Mitternacht  feuerrothe,  besonders
an  den  Rändern  leuchtende  Wolken  in  SW.  Au  Stellen,  wo  der  Himmel  klar
war,  war  keine  aufsergewöhnliehe  Helligkeit  zu  sehen.  Nach  Mitternacht  Blitzen
in  derselben  Richtung.“
            
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