Kleine hydrographische Notizen.
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Kleine hydrographische Notizen. 1 )
1. lieber ilic Einsegclung in den Mariager Fjord (Jütland) berichtet
Kapt. Schwark aus Ilobro (iu der „Ostsee-Zeitung“ No. 257): „Vor kurzem
gcrieth ich mit meinem, mit Steinkohlen beladenen und aus dem Firth of Förth
nach flobro (Jütland) bestimmten Schiffe „Herminebei 2,8 m Tiefgang,
vor der Einfahrt des Mariager Fjord, SO von der Seetonne, in einer Entfernung
von 6—7 Kblg von derselben, fest. In dem „Handbuch für Seefahrende von
J. M. Kundsen“ (1882 in deutscher Uebersetzuug erschienen), iu welchem
alle Seemarken, Kurse. Ankerplätze etc. der dänischen Gewässer angegeben sind,
lieifst es u. A., „dafs 1 Kblg SO vor der Seetonne, auf 3,6 m Wasser, der
beste Ankerplatz iur Schiffe sei, welche nach dem Manager Fjord bestimmt
sind und Windes halber nicht gleich hinein können.“ Ich habe gefunden, dafs
diese Angabe falsch ist, da ich mich mit meinem Schiffe mindestens 6—7 Kblg
SO von der Sectonne befand, als dasselbe plötzlich fest kam, nachdem ich
noch kurz vorher das Eoth geworfen hatte. Nach einer genauen Observation
meinerseits kann ich bestimmt angeben, dafs es in dem Buche statt „SO, 1 Kblg
von der Seetonnc“ heifsen inüfstc: „Ost (und richtiger noch ONO), 4—5 Kblg
von der Seetonue ist der beste Ankerplatz etc.“ Dort ist nicht nur eine
genügende Wassertiefe, sondern es kann auch ein Schiff mit auflandigem Winde
daselbst am bequemsten unter Segel kommen. Diese Angaben sind vom
Lotsenkoiumundeur des Mariager Fjord bestätigt worden. Die Einfahrt in (len
Mariager Fjord hat bei täglichem Wasserstande eine Tiefe von 2,7 m; bei
südlichem und südöstlichem Winde fällt jedoch das Wasser in der Regel
bis auf ca 2,5 m und steigt bei hohen Wiudcn nicht selten bis auf 3 m.
Das geuannte Segelhandbuch ist sonst sehr gut, nur dafs etwaige Ver
legungen bezw. Veränderungen der Tonnen, Marken ctc. dem Buche nicht
beigefügt worden sind. Da der Mariager Fjord von kleineren Schiffen viel
aufgesucht wird, so dürfte die Kenntnifsnahme des Vorstehenden für die
Schiffalirttreibendeu von Bedeutung sein, und mache ich gleichzeitig darauf
aufmerksam, dem genannten Ilandbuche nicht in allen Punkten lediglich zu
trauen. Die „Hermine“ kam nach circa dreistündigem Arbeiten ohne Schaden
wieder Hott.“
2. Ueber die von S. M. S. „Nymphe“ auf der Reise von Athen
(Piräus)—Neapel — Livorno — Genua im April d. J. angetroffonon
Stromverhältniss e berichtet der Kommandant, Korv. - Kapt. Dietert,
Folgendes:
„Die Strömung im Griechischen Archipel war, nachdem zuvor längere Zeit
ein starker westlicher Wind geherrscht hatte, stärker, als solche in den Sogel-
handbüchcrn angegeben ist. Der Strom setzte stündlich 4 Sm und, je nachdem
die Contouren des Landes den Strom becinflufstcu, etwas nach Norden oder
Süden. Im Allgemeinen war der Strom ostnordöstlich. Es dürften diese An
gaben für die Beschreibung der Strömung im Archipel von Wichtigkeit seiu,
um so mehr, als in demselben Leuchtfeuer so gut wie gar nicht existiren und
bei dickem Wetter die Contouron des Landes schlecht zu erkennen sind. Bei
südöstlichem Winde liegt stets ein dichter Schleier über den Inseln.
Starke Wirbelströmungen, die „Scilla“, wurden auch dieses Mal in der
Strafse von Messina bemerkt, jedoch konnten der Kürze der Zeit wegen weitere
genauere Beobachtungen nicht angestollt werden.
Während des Aufenthaltes auf der Innenrhede von Livorno (am 6. April)
wurde ein südlicher Strom, imv. SzW'/iW, in der Stärke von 1,3Sm die Stunde
beobachtet.“
3. (I). S.) Bemerkungen über die Wind- und StrömungsVerhält
nisse im Golf von Mexico und die Häfen von Pensacola und Pasca-
goula, voii Kapt. L. Michaelis, Führer der deutschen Bark „von der Heydt“.
„Nachdem icli mit meinem Schiffe verschiedene Reisen von Europa nach
Pensacola und Pascagoula gemacht habe, gebe ich hiermit einiges aus meinen
Erfahrungen iu Bezug auf die Winde und Strömungen im Golf von Mexico,
sowie die Zustände an den genannten Hafenplätzen.
') Pip mit (T). S.) bezeielmptc-n Notizen sind von der Deutschen Seeicarte eingeaendet.