Eingänge von meteorologischen Journalen etc., September 1882.
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Am 14. B'ebruar, dem 22. bis dahin in östlicher Länge erlebten Tage, kreuzte
n Charles Lüling“ in 37,8° S-Br den Meridian von 80° Ost. Beim Aufsteuern
nach Norden wurde zunächst nördlicher Wind von mäfsiger Stärke angetroffen.
Indem derselbe später auffrischte und seine Richtung nach links veränderte,
entstand aus ihm schliefslich, ohne dafs vorher Störung beobachtet wurde, der
Passat. Die südliche Grenze desselben schien am 16. Februar unweit 24° S-Br
in 86,5° O-Lg zu liegen. Der dort beobachtete Luftdruck war 767,0 mm. Der
zunächst für längere Zeit sehr kräftig wehende SE-Passat wurde nördlich von
11° S-Br flauer und endete am 24. Februar in etwa 8,8° S-Br und 91° O-Lg.
Indem der Wind dort ganz schwach wurde und gleichzeitig seine Richtung von
SE nach NW veränderte, ging derselbe in den westlichen, ziemlich frisch auf
tretenden Monsuu über. Als 1° S-Br überschritten worden war, sank auch
dieser Wind zum leisen unbeständigen Zuge herab, und bei solchem gelangte
„Charles Lüling“ am 1. März zu der in 93,5° O-Lg überschrittenen Linie. Auf
dem Wege zu derselben war: 30° S-Br in 90,8° O-Lg am 18. Februar, 20° S-Br
in 91,6° O-Lg am 20. Februar und 10° S-Br in 91° O-Lg am 23. Februar
geschnitten worden.
In nördlicher Breite, wo zwischen 0,2° und 2,5° N-Br noch wieder mäfsiger
Westwind beobachtet worden war, stellte sich am 3. März in etwa 3,8° N-Br
und 92,8° O-Lg der NE-Monsun ein. Als man von diesem, ziemlich beständig
auftretenden, Winde bis zum 8. März nach 13° N-Br in 88,7° O-Lg geführt
worden war, wurde dort bei ganz leichtem NE-Winde gewendet. Am 15. März
gelangte „Charles Lüling“ in Sicht von Landfall Island, und am 19. März
gelangte die Bark zur Mündung des Rangoon-Flusses. Die Dauer der Reise
betrug 102 Tage. In der Bai von Bengalen war 10° N-Br in 90,6° O-Lg am
6. März gekreuzt worden.
Am 12. April erreichte der direkt nach Hamburg bestimmte „Charles
Lüling“ wieder die offene See. Hier wehten in der Nähe des Landes leichte
westliche Winde, auf die am 15. April unweit 15° N-Br in 95,3° O-Lg eine
leichte, jedoch ziemlich beständige, südöstliche Briese folgte. Bei derselben
passirte man am 18. April den Zehngradkanal. Nachdem dieser östliche Wind
das Schiff bis zum 21. April nach 7,8° N-Br in 91° O-Lg geführt hatte, endete
er dort in Stille, und auf diese folgte bald der für längere Zeit in mäfsiger
Stärke auftretende SW-Monsun. Als die Bark bei demselben am 24. April
3,9° N-Br in 93,4° O-Lg erreicht hatte, wurde Windstille augetroffen. Bei
leichter westlicher Briese, die nach der Windstille noch wieder herrschte, über
schritt „Charles Lüling“ auch am 2. Mai in 92,8° O-Lg den Aequator.
In südlicher Breite wurde man bis nach 4° S-Br in 94,3° O-Lg von
leichtem Westwinde begleitet. Und nachdem derselbe unweit dieses Punktes
am 5. Mai ein Ende genommen hatte, später an zwei Tagen Windstille und
leichte Mallung beobachtet worden war, erreichte die Bark in etwa 4,2° S-Br
und 94,5° O-Lg die äquatoriale Passatgrenze. Südlich von derselben wurde
zunächst nur flaue Briese, nachdem 6° S-Br überschritten worden war, aber
kräftiger Wind, bei dem die Reise einen befriedigend raschen Verlauf nahm,
angetroffen. Die polare Passatgrenze läfst sich, weil das Schiff bis nach 30°
S-Br nur östliche Winde antraf, mit Sicherheit nicht aDgeben. Ein höchster
Luftdruck von 768,7 mm wurde unweit 26,5° S-Br in 50° O-Lg beobachtet.
Nachdem die Bark südlich von 30° S-Br gekommen war, konnte sie bei den
dort aus westlicher Richtung vorherrschenden, sich nicht in Drehungen nach
links bewegenden, Winden nur einen langsamen Fortschritt erzielen. Nennens
werte Stürme wurden nicht Überstunden. Man gelangte am 21. Juni in Sicht
der Kapstadt, und am 25. Juni zu dem in 9,4° O-Lg überschrittenen Parallel von
30° Süd. Die Bark hatte auf ihrer Fahrt über den Indischen Ocean: 10° S-Br
in 87,8° O-Lg am 11. Mai, 20° S-Br in 69° O-Lg am 17. Mai und 30° S-Br in
41,5° O-Lg am 27. Mai; wie 90° O-Lg in 8,5° S-Br am 10. Mai, 60° O-Lg in
23,5° S-Br am 21. Mai und 30° O-Lg in 33,2° S-Br am 9. Juni geschnitten.
Südlich von 30° S-Br waren 29 Tage verbracht worden.
Unter verschiedenen anderen Schiffen, welche nahezu gleichzeitig mit
„Charles Lüling“ den Parallel von 30° Süd wieder überschritten, befand sich
auch das Bremer Vollschiff „Heike RickmersBeide Schiffe legten später unter
nahezu gleichen Verhältnissen einen grofsen Theil ihrer noch vorliegenden Reise