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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

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Eingänge von meteorologischen Journalen etc., Februar 1883. 
1. Reise des Bremer Vollschiffes „Hedwig“, Kapt. Th. Minssen. 
Am 10. Oktober 1882, dem 23. Tage einer Reise von Triest nach New 
York, passirte das Vollschiff „Hedwig“ die Strafse von Gibraltar. Der in der 
selben wehende stürmische Ostwiud endete eine kurze Strecke westwärts von 
derselben in Windstille, und auf diese folgte bald nachher ein roäfsiger, sich 
allmählich von SW nach NW verändernder, Westwind. Indem der Wind später 
seine Drehung nach rechts weiter fortsetzte, entstand aus ihm ein NE-Wind, 
der für längere Zeit frisch und beständig wehte und anscheinend zum Passat 
werden wollte. Nachdem 31° N-Br überschritten worden war, wurde der 
NE-Wind jedoch schwächer, und schliefslich trat unweit 29° N-Br in 19° W-Lg 
ganz leichte westliche und südliche Mallung, die zwei Tage lang anhielt, an dessen 
Stelle. Indem der stärker gewordene Wind sich von W durch N nach NE 
veränderte, entstand aus ihm endlich am 20. Oktober, in der Nähe von 27° N-Br 
in 20,8 W-Lg, der eigentliche Passat. Das Barometer erreichte unweit dieses 
Punktes einen höchsten Stand von 767,7mm. Nachdem der Passat sich ein 
gestellt hatte, nahm die Reise für längere Zeit einen befriedigenden Verlauf. 
Westlich von 44° W-Lg sank der Passat zur ganz leichten Briese herab, und 
am 4. November veränderte sich unweit 20,3° N-Br in 55° W-Lg der Wind 
durch S nach SW, um sich uun länger im westlichen Halbkreise zu halten. 
Erst am 9. November veränderte er sich wieder durch N nach NE. Am 14. No 
vember endete unweit 28,3° N-Br in 73,5° W-Lg der Ostwind, bei einem Baro 
meterstände von 766,0mm in Stille. Die Zurüeklegung des letzten Theils der 
Beise erforderte, infolge der angetroffenen, meist aus nordwestlicher oder nord 
östlicher Richtung kommenden Winde, noch eine verhältnifsmäfsig lange Zeit, 
so dafs hier die Rei8e noch ganz bedeutend verlängert wurde. Man überstand 
dort auch den einzigen netmenswertheu Sturm, durch welchen die Fahrt über 
den Ocean beunruhigt wurde. Derselbe wehte am 20. uud 21. November un 
weit 33° N-Br in 76,5° W-Lg. Er begann aus nordöstlicher Richtung und 
wehte später aus EXE in orkanartiger Stärke. Als der Luftdruck am 21. No 
vember bis auf seinen niedrigsten Stand von 745,6mm gefallen war, mäfsigte 
sich der Sturm, gleich nach einer furchtbaren Böe, ganz plötzlich, die Luft 
klarte oben ab, und für kurze Zeit herrschte Windstille. Auf diese folgte 
wieder leichte Briese aus SW, und nachdem diese ca 6 Stunden lang geherrscht 
hatte, brach aus NNE, begleitet von ungemein starkem Regen, Wirbelwinden 
und Wasserhosen, der Sturm wieder mit voller Kraft herein. Um etwa 5 h p. m. 
wurde der Sturm uoch einmal wieder für eine halbe Stunde durch leichten SW-Wind 
unterbrochen, auf den später abermals wieder NE-Sturm folgte. Der Sturm 
mäfsigte sich, indem der Wind sich bei zunehmendem Luftdrucke langsam durch 
N nach NW veränderte. Am 1. Dezember, nach 51 tägiger Reise von Gibraltar 
ab, erreichte „Hedwig“ den Hafen von New- York. Während derselben war: 
30° N-Br in 15,5° W-Lg am 16. Oktober und zum zweiten Male 30° N-Br in 
73,1° W-Lg am 15. November, wie 30° W-Lg in 21,9° N-Br am 24. Oktober, 
50° W-Lg in 20,3° N-Br am 1. November, 60° W-Lg in 20,2° N-Br am 
6. November und 70° W-Lg in 25,6° N-Br am 12. November überschritten worden. 
Mitsegler, die zu der Zeit, in welcher „Hedwig“ ihre Reise auf der 
Passatroutc nasführte, vom Kanäle aus der kürzesten Route folgten, trafen dort 
günstigere Verhältnisse und vollendeten daher die Fahrt über deu Ocean in 
kürzerer Zeit. Unter jenen befand sich die vom Kapt. L. Haesloop geführte 
Bremer Bark „Diamant“. Dieselbe hatte am 13. Oktober von Bremen ans eine 
Reise nach New-York angetreten und war bis zum 17. Oktober in die Nähe 
von Lizard gelangt. Im offenen Ocean wurden anfangs fast nur Gegenwinde 
angetroffen, bei denen der Fortgang nur ein langsamer sein konnte. Nach dem 
7. November, von 43,5° N-Br in 30® W-Lg ab, traten jedoch Ostwinde der 
art häufig auf, dafs in der kurzen Zeit von zwölf Tagen der ganze noch vor 
liegende Theil der Reise vollendet werden konnte. Die hoch nördlichen Winde, 
bei welchen „Hedwig“ keine Breite gut machen konnte, waren für „Diamant“ 
sehr erwünscht, und konnte dieses Schiff deshalb nach 37tägiger Reise den 
Bestimmungshafen erreichen. 
Am 26. Dezember verliefs „Hedwig“ New-York wieder, um nach Bremen 
zurückzukehren. Drei Tage früher hatte die Bark „Diamant“ dieselbe Reise
	        
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