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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

Besteckrechmmg auf niederen Breiten. 
33!) 
Divergenzwinkel beider Linien vom Kurswinkel subtrahirt werden, um das 
Azimuth zu erhalten, ausgenommen wenige Fälle bei ganz niedriger Breite und 
grofser ungleichnamiger Deklination, wo die Korrektion zum Kurswinkcl addirt 
wird. Den Kurswinkel kann man aus einer Koppeltafel entnehmen, da eine 
Genauigkeit von einem halben Grad hierfür übermäfsig ausreicht. 
Die Anwendung der Methode beschränkt sich nach dem bisher Gesagten 
auf den Tropengürtcl, auch die Deklination darf diesen Bereich Dicht über 
schreiten. Dehnt man die Tafeln weiter aus, so werden dieselben unverhältnifs- 
mäfsig viel voluminöser, und das Interpoliren schwieriger. Besondere Vortheile 
sind bei dieser Methode verknüpft mit der Anwendung kleiner Zenitdistanzen. 
Dieselben empfehlen sieh überhaupt zur Längenbestimmung, wenn der Unter 
schied zwischen Breite und Dekliuatiou nicht grofs ist, wegen der kürzeren 
Zwischenzeit bis zur Mittagsbreite, denn die langsamere Höhenänderung tritt 
hier erst sehr nahe der Kulmination ein, und das Gestirn bleibt auch ziemlich 
lange in der Nähe des Ersten Yertikals. Beispielsweise ist bei einem Breiten 
unterschied von 20° (zwischen Breite und Deklination) das Gestirn um 10” a. m. 
resp. 2 h p. m. nur 30—36° vom Ersten Vertikal entfernt, so dafs der Schnitt 
punkt der Sumner’schen Linie mit der der Mittagsbreite noch sehr scharf 
gegeben ist. Die Zenitdistanzeu würden in diesem Fall etwa 33—36° betragen. 
Die Ausführung der Rechnung kann auf verschiedene Art geschehen: 
1. Führt man die Rechnung logarithmisch aus, so bieten die Tafeln von 
Prof. Ligowski den grofsen Vortheil, dafs man nicht gezwungen ist, Zenit 
distanz und Breitenunterschied erst noch in Minuten auszudrücken und dafs man 
den Stundenwinkel auch gleich in Graden und Minuten erhält, weil diese 
Logarithmentafeln direkt Grade, Minuten und Sekunden neben deu einfachen 
Zahlen gehen. Man benutzt die erste oder zweite Kolumne, je nachdem man 
kleine oder grofse Bogen hat, und setzt im letzteren Falle die Einheit der 
zweiten Kolumne gleich 10' anstatt 10". — Die wahre Greenwicher Zeit, resp. 
bei Sternen der Gm»tei<$-Stundeuwinkel wird ebenfalls in Bogenmafs um 
gewandelt, und man erhält dann die Länge durch Addition resp. Subtraktion 
der beiden Stundenwinkel wie gewöhnlich. Zu dieser Rechnung werden nur 
drei Logarithmen aufgesehlageu. Ilat man die Abweichungsbreite auf Minuten 
genau interpolirt, so beträgt der gröfstmögliche Fehler im Stundenwinkel eine 
halbe Bogenminute. 
Um dann die Sumner-Linie zu ziehen, entnimmt man das Azimut aus 
einer Azimuttafel und zieht die Linie senkrecht zu demselben, oder man benutzt 
hierzu den Kurswinkel, wenn die Zenitdistanz kleiner ist als 30°. Es genügt 
hierfür, die loxodromische Distanz und den Breitenunterschied auf Zehutel-Grado 
abzukürzen, oder, wenn beide bereits in Minuten ausgedrückt sind, eine oder 
selbst zwei Stellen wegzustreichen und mit den so gewonnenen Zahlen den 
Kurswinkel auf */s° genau aus der Koppeltafel zu entnehmen. Zählt dieser 
Kurswiukel vom unteren Pol aus, so subtrahirt mau ihn von 180°; dann bringt 
man die Korrektion aus Tafel III an und erhält damit das Azimut, zu dem 
senkrecht die Sumner-Linie gezogen wird. 
Beispiel No. 1. Am 11. April 1881 wurde auf 16° 50' N-Br der Mond 
auf der Ostseite des Meridians beobachtet: ■€• h = 66° 43,0'; die Deklination 
war: € 4 = 0° 50,6' N u. s. w, 
(p ■— 4- 16° 50,0' \ Mittelbreite = 8° 50'. Kurswinkel — S 46,5° 0 
4 = + 0° 50,6' I Korr.-Tafel II — + 71'. oder = N 133,5° 0. 
b — 15° 59,4' Abweichungsbreite = 10° 1'. Korr.-Tafel III = — 1,5° 
z “ 23° 17,0' Azimut = N 132DM). 
Korr.-T.IRichtung der Sumner-Linie — N 42,0° O. 
c — 23° FHT' 
c + h=39° 16D' log - 3,37229 
c—b= 7° 17,8' log = 2,64128 
log a* = 6,01357 
loga = 3,00678 
y* — 10° 1' log sec = 0,00667 
log t = 3,01345; t = 17° 11,4' 0. 
Die sphärische Rechnung ergiebt: t— 17° 11,4'; Az. — N 131,6° G. 
Aus. 0. Hjcär. rtc., 1888, Hfift VI. 2
	        
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