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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

Bericht der deutschen Brigg .Atlantic*. 
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Strom beobachtet und dieser war die Ursache, dafs die Schiffe quer gegen die 
aus Südwest kommende See schwaieten und heftig schlingerten. Das Landen 
an der Brücke war während dieser Zeit fast unmöglich. Ueborliaupt erfordert 
das Landen mit dem Sclnffsboote, um es mit Sicherheit zu bewerkstelligen, zu 
jeder Zeit Gewandtheit und Vorsicht seitens der Besatzung. Die Boote ge- 
rathen leicht mit der niedergehenden See unter die Brücke und kentern alsdann. 
Ich habe auf diese Weise zwei Wasserfässer, die zum Auffüllen ans Land 
gebracht werden sollten, einbüfsen müssen. 
Brennholz ist in Champerico billig. Palmblätter, welche ebenfalls zum 
Garnieren bei einer Kaffeeladung benutzt werden, kosten 5 Cts. das Stück. 
„Atlantic“ benöthigte davon für 53 Doll. Trinkwasser kostet, je nach Ueber- 
einkommen, das Fafs 5 bis 6 Doll., jedoch mufs man die Fässer selbst au das 
Land bringen und wieder abholen. Frisches Fleisch war fast täglich zu dem 
Preise von 3 Doll. 50 Cts. für 25 Pfd. zu haben; Gemüse war dahingegen 
wenig vorhanden und sehr theuer. 
Das Zollwesen wird milde gehandhabt. Die Visite fordert die Muster 
rolle und ein Manifest über die Anzahl der geladenen Colli und über dereu 
Inhalt; letzterer wird hier jedoch immer nur als Kaufmannsgut angegeben. 
Die Hafenunkosten beliefen sieh für „Atlantic“, eine Brigg von 291 Register 
tonnen, auf 76 Doll. 75 Cts. Die Ageneia, welche den Verkehr zwischen den 
Schiffen und den Kaufleuten vermittelt und beherrscht, berechnet jedem Schiffe 
eine Kommission von 36 Doll, und für die Benutzung der Brücke 16 Doll. Das 
Schlimmste ist, dafs wenn ein Schiff hier einen Theil seiner Stückgutladung 
gelöscht hat und nach der Entlöschung sofort versegeln mufs, dem Kapitän bei 
Einkassirung der Fracht von der Ageneia ein Abzug von 2'/a 0 /o gemacht wird. 
Will sich der Kapitän einen solchen Abzug nicht gefallen lassen, so mufs er 
warten, bis der Empfänger, der oben in der GordiUere, in Qnenzaltenango u. s. w. 
wohnt, zu Maulthier nach der Küste herunter kommt, und darüber können 
sieben bis acht, ja zehn Tage hingehen. Das Geld hat hier einen sehr hohen 
Werth. Wie mir der Agent mittheilte, warf die Brücke seit ihrem Bestehen 
einen jährlichen durchschnittlichen Gewinn von 28% ab. Ich glaube dieses 
wohl, denn die Kaufleute klagten, dafs die Verschiffung und der Transport der 
Ladung hier ein enormes Geld kosten. Von der Seerhede bis Quenzaltenango, 
eine Entfernung von etwa 21 Leguas, sind die Transportkosten gröfser, als die 
ganze Fracht per Segelschiff von Europa nach Champerico. 
Dos Morgens früh am 1. April 1882 verliefsen wir mit der Landbriese 
die Rhede von Champerico und traten unsere Reise naeh Falmouth für Order 
an. Am 2. April hatten wir ein schweres Gewitter mit starkem Regen, das 
erste während unserer Anwesenheit an dieser Küste, und veränderliche Winde. 
Am 3. April wehte eine leichte westliche Briese; in der Nacht hatten wir 
wieder ein schweres Gewitter mit starkem Regen, wobei der Wind plötzlich 
nach SE lief, ohne indessen eine bedeutende Stärke zu gewinnen. Nach 8 Uhr 
Morgens wehte er leicht aus nördlicher Richtung bei bedeckter Luft und 
ruhiger See. 
Am Mittage des 4. April standen wir in 12° 40' N-Br und 93° 8'W-Lg. 
Von hier bis zur Linie war der leichte veränderliche Wind meistens aus öst 
licher uud südlicher Richtung. Die See war gewöhnlich ganz glatt. Wir fingen 
in diesen Tagen 32 Schildkröten, welche in diesem Meeresstriche in grofsen 
Mengen Vorkommen. Bis nach 4° N-Br bemerkten wir nur eine sehr geringe 
westliche Strömung, Von hier an wurden die Versetzungen jedoeh bedeutender; 
wir beobachteten: vom 13. zum 14. April (in 3° 23' N-ßr und 94® 27' W-Lg) 
rw. SWzW 22 Sm, vom 14. zum 15. April West 65 Sm, vom 15. zum 16. April 
WNW%W 64 Sm, vom 16. zum 17. April West 34 Sm, vom 17. zum 18. April 
SWzW’LW 16 Sm. Am 18. April, 17 Tage später als Champerico verlassen 
worden war, überschritten wir in 100° 38' W-Lg den Aequator. 
Von hier steuerten wir mit leichtem SE-Passat voll und bei dem Winde 
auf B. B.-Halsen bis nach 21°11'S-Br und 108° 39'W-Lg, wo am 2. Mai der 
Wind nördlich holte. Am 5. Mai wehte es frisch aus Nord mit steifen Böen 
und bei einer hohen See aus Westen. Im Allgemeinen blieb der Wind jedoch 
ziemlich veränderlich bis nach 37° 39'S-Br und 98° 53'W-Lg, welche Position
	        
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