Bericht der deutschen Brigg .Atlantic*.
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Strom beobachtet und dieser war die Ursache, dafs die Schiffe quer gegen die
aus Südwest kommende See schwaieten und heftig schlingerten. Das Landen
an der Brücke war während dieser Zeit fast unmöglich. Ueborliaupt erfordert
das Landen mit dem Sclnffsboote, um es mit Sicherheit zu bewerkstelligen, zu
jeder Zeit Gewandtheit und Vorsicht seitens der Besatzung. Die Boote ge-
rathen leicht mit der niedergehenden See unter die Brücke und kentern alsdann.
Ich habe auf diese Weise zwei Wasserfässer, die zum Auffüllen ans Land
gebracht werden sollten, einbüfsen müssen.
Brennholz ist in Champerico billig. Palmblätter, welche ebenfalls zum
Garnieren bei einer Kaffeeladung benutzt werden, kosten 5 Cts. das Stück.
„Atlantic“ benöthigte davon für 53 Doll. Trinkwasser kostet, je nach Ueber-
einkommen, das Fafs 5 bis 6 Doll., jedoch mufs man die Fässer selbst au das
Land bringen und wieder abholen. Frisches Fleisch war fast täglich zu dem
Preise von 3 Doll. 50 Cts. für 25 Pfd. zu haben; Gemüse war dahingegen
wenig vorhanden und sehr theuer.
Das Zollwesen wird milde gehandhabt. Die Visite fordert die Muster
rolle und ein Manifest über die Anzahl der geladenen Colli und über dereu
Inhalt; letzterer wird hier jedoch immer nur als Kaufmannsgut angegeben.
Die Hafenunkosten beliefen sieh für „Atlantic“, eine Brigg von 291 Register
tonnen, auf 76 Doll. 75 Cts. Die Ageneia, welche den Verkehr zwischen den
Schiffen und den Kaufleuten vermittelt und beherrscht, berechnet jedem Schiffe
eine Kommission von 36 Doll, und für die Benutzung der Brücke 16 Doll. Das
Schlimmste ist, dafs wenn ein Schiff hier einen Theil seiner Stückgutladung
gelöscht hat und nach der Entlöschung sofort versegeln mufs, dem Kapitän bei
Einkassirung der Fracht von der Ageneia ein Abzug von 2'/a 0 /o gemacht wird.
Will sich der Kapitän einen solchen Abzug nicht gefallen lassen, so mufs er
warten, bis der Empfänger, der oben in der GordiUere, in Qnenzaltenango u. s. w.
wohnt, zu Maulthier nach der Küste herunter kommt, und darüber können
sieben bis acht, ja zehn Tage hingehen. Das Geld hat hier einen sehr hohen
Werth. Wie mir der Agent mittheilte, warf die Brücke seit ihrem Bestehen
einen jährlichen durchschnittlichen Gewinn von 28% ab. Ich glaube dieses
wohl, denn die Kaufleute klagten, dafs die Verschiffung und der Transport der
Ladung hier ein enormes Geld kosten. Von der Seerhede bis Quenzaltenango,
eine Entfernung von etwa 21 Leguas, sind die Transportkosten gröfser, als die
ganze Fracht per Segelschiff von Europa nach Champerico.
Dos Morgens früh am 1. April 1882 verliefsen wir mit der Landbriese
die Rhede von Champerico und traten unsere Reise naeh Falmouth für Order
an. Am 2. April hatten wir ein schweres Gewitter mit starkem Regen, das
erste während unserer Anwesenheit an dieser Küste, und veränderliche Winde.
Am 3. April wehte eine leichte westliche Briese; in der Nacht hatten wir
wieder ein schweres Gewitter mit starkem Regen, wobei der Wind plötzlich
nach SE lief, ohne indessen eine bedeutende Stärke zu gewinnen. Nach 8 Uhr
Morgens wehte er leicht aus nördlicher Richtung bei bedeckter Luft und
ruhiger See.
Am Mittage des 4. April standen wir in 12° 40' N-Br und 93° 8'W-Lg.
Von hier bis zur Linie war der leichte veränderliche Wind meistens aus öst
licher uud südlicher Richtung. Die See war gewöhnlich ganz glatt. Wir fingen
in diesen Tagen 32 Schildkröten, welche in diesem Meeresstriche in grofsen
Mengen Vorkommen. Bis nach 4° N-Br bemerkten wir nur eine sehr geringe
westliche Strömung, Von hier an wurden die Versetzungen jedoeh bedeutender;
wir beobachteten: vom 13. zum 14. April (in 3° 23' N-ßr und 94® 27' W-Lg)
rw. SWzW 22 Sm, vom 14. zum 15. April West 65 Sm, vom 15. zum 16. April
WNW%W 64 Sm, vom 16. zum 17. April West 34 Sm, vom 17. zum 18. April
SWzW’LW 16 Sm. Am 18. April, 17 Tage später als Champerico verlassen
worden war, überschritten wir in 100° 38' W-Lg den Aequator.
Von hier steuerten wir mit leichtem SE-Passat voll und bei dem Winde
auf B. B.-Halsen bis nach 21°11'S-Br und 108° 39'W-Lg, wo am 2. Mai der
Wind nördlich holte. Am 5. Mai wehte es frisch aus Nord mit steifen Böen
und bei einer hohen See aus Westen. Im Allgemeinen blieb der Wind jedoch
ziemlich veränderlich bis nach 37° 39'S-Br und 98° 53'W-Lg, welche Position