Kleine hydrographische Notizen. —• Litera risches. 329
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den Aussagen des bekannten Lotsen Oliver Smith soll in der Akashi Straße
der Fluthstrom nicht nach Osten, wie auf der Karte verzeichnet ist, soudern nach
Westen setzen; die Fluth tritt durch die Isumi Straße in den Golf von Osaka,
geht an der Ost- und Nordseite des Golfes entlang, biegt bei Wada misaka
nach Osten und ergiefst sich durch die Akashi Straße in die Inland See', der
andere Arm der Fluth tritt durch die Naruto Passage direkt in die Harimo
Nada. Ferner soll in der Akashi Straße zur Zeit des Vollmondes Stillwasser
nicht um 6 k 27“, wie in der Karte angegeben, sondern gegen 10 h sein, d. b.
die Fluth ca 4 Stunden länger laufen. Diese Angaben beziehen sich auf die
Zeit des Vollmondes, da nur zu dieser Zeit hier, sowohl wie auch sonst in der
ganzen Inland See, mit Sicherheit über die Stromverhältuisse ein Urtheil
abgegeben werden kann, ln der 1 Akashi Strafst soll z. ß. nur ein Hoch- und
Niedrigwasser iu 24 Stunden Vorkommen, und soll daun die Niveau-Differenz
häufig nur 0,3 ui betragen.
Bei dem Leuchtthurm von Nabae Sima nimmt der Lotse Stillwasser zur
Zeit des Vollmondes um 10 h an, während bei dem etwas südlich gelegenen
Sakaule eine Hafenzeit von 0 1 * 16“ verzeichnet ist; es tritt also auch hier wie
in der Akashi- und Simonoseki Straße der Fall ein, dafs ein sehr erheblicher
Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser zu bemerken ist.
In der Bingo nada treffen sich die beiden Fluthströme und soll hier
Stillwassor um 11" 15sein.
Bei Miwara uud iu der Aogi Scto wurden die Beobachtungen mit den
errechneten Resultaten übereinstimmend befunden. Zu bemerken ist hier noch,
dafs die Passage durch die Aogi Seto früher die am meisten benutzte war uud
auch jetzt noch häufig vom Lotsen iu schlechtem uud dickem Wetter genommen
wird, weil hier der Strom nicht so stark läuft. Die nördlich von Kodono Sima
in der Karte verzeichncte schwarz-weifse Tonne lag wieder an ihrem Platz.
ln Simonoseki dagegen soll zur Zeit des Vollmondes, entgegen der,
Notizen der Karte und des „China Sea Directory“, die Fluth 7 Stunden laufen
und die Ebbe nur 5 und zwar die Fluth 3V* Stunden vor Hochwasser einsetzen.
so dafs zur Zeit des Hochwassers annähernd der stärkste Strom läuft. Nach
den angestelltcn Beobachtungen lief am 6. Dezember 1882 die Ebbe nur
5 Stunden, und stieg das Wasser noch, trotzdem Ebbe lief, ca 2‘/s Stunden
laDg. Nach Aussagen des Lotsen lassen sich für Simonoseki nach obigen Regeln
die Stillwasserzciten für 3 Tage vor und nach dem Vollmond auf 15 Minuten
genau vorausberechnen, da der Wind zu dieser Zeit keinen merklichen Eiuflufs
haben soll.
Mit Bezug auf die Uirado Straße sei schließlich noch bemerkt, dafs
gerade hier speeiell nordöstliche uud südwestliche Winde die Strömung sein
beeinflussen sollen und deren Stärke auf 4 bis 5 Sm die Stunde auch in dem
südlicheren Theil anwachscn lassen, während für diesen in den Karten nur
2 Sm als Maximum angegeben sind.“
Literarisches.
Gezeitentafelu für das Jahr 1884. Hydrographisches Amt der
Kaiserlichen Admiralität. Mit 14 Blättern in Steindruck, enthaltend Darstellungen
der Gezeitenströmungen in der Nordsee, im englischen Kanal und in der
irischen See. Berlin 1883. E. S. Mittler & Sohn, Königliche Hofbuchhandlung.
Preis Ji 1,50.
Die Gezeitentafelu, welche in ihrem jetzigen Umfange zum ersten Male
im Jahre 1880 erschienen, haben in dem vorliegenden Jahrgänge einige nicht
unwesentliche Bereicherungen und Verbesserungen erfahren.
Ein Vergleich mit dem Vorjahre zeigt im I. Theil. welcher Kalendarium.
Gezeitentafelu, Fluthkonstauten und Hafenzeiten umfafst. als neu aufgeuommes.