Kleins hydrographische Notizen.
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Korallenriffes zuriickzuführeu. Ein Beobachten der Zunahme eines solchen in
relativ kurzen Zeitabschnitten ist sehr schwer, weil dieses Wachsthum langsam
vor sich geht, ferner die einzelnen sich vcrgröfscrnden Korallenstellen un-
regelmäfsig vertheilt liegen, und endlich weil bei dem in der Nähe des Riffes
stärker laufenden Seegang es schwierig ist, gerade die spcciell in Betracht
kommenden Stellen in 5 bis 7 m Tiefe zu messen. Starker Seegang und
schwere Dünung brechen aber andererseits auch viel von den Korallenriffen alt
und tragen die Trümmer entweder wieder auf das Riff zurück, oder führen sie
hei dem Ablaufen der See in die grofsen Tiefen außerhalb des Hafens; auf
diese Weise sorgen die oft schweren, nördlichen Winde in den Sommermonaten
an der Nordküste der Sawwa-lnselo für einen längeren, unveränderten Stand
der Einfahrt in die Häfen an dieser Küste. —
Die auf dem Westriffe von Saluafata liegenden zwei kleinen Inseln be
stehen nur aus Koralleugeröll, welches von der See aufgeworfen ist, und
scheinen, wie aus den gut zu verfolgenden höheren Kämmen zu folgern ist,
seewärts etwas zngenomtnen zu haben. Auf der grösseren östlichen Insel sind
von S. M. S. „Bismarck 44 Kokospalmen in künstliche Sandbettungen ge
pflanzt worden, die aber für ein weiteres Wachsen der Palmen nicht aus
reichen dürften. Zur Ermöglichung fernerer Beobachtungen über das Wachs-
tlmm der Korallenriffe hat Korv.-Kapt. Karcher eine eiserne Stange von 4cm
Stärke und 0,6m Höhe auf einer Korallenstelle errichtet, welche von der Mitte
der gröfseren der beiden Riff-Inseln rnw. N52° 0 ca 250 m entfernt liegt und
bei Niedrigwosser-Spi ingzeit im Meeresspiegel liegt.
11. (D. S.) Wind und Wetter in den Monaten Juli und August 1882
zu Bahia und die daselbst herrschenden Mifsstände beim Entlöschen
der Segelschiffe. Kapitän J. G. Nichelson, Führer der deutschen Schoner
brigg „FWm,;“, berichtet hierüber in seinem meteorologischen Journal, wie folgt:
„Im Monat Juli war die vorherrschende Windrichtung zwischen SSE und SW,
stark böig und von anhaltendem Regen begleitet. Dabei lief im Hafen eine
sehr unruhige See, so zwar, dafs an mehreren Tagen nicht gelöscht werden
konnte. In der ersten Hälfte des Monats August besserte sich das Wetter und
es fiel weniger Regen; während die letzte Hälfte des Monats als schön be
zeichnet werden muß. Unter den Seeleuten scheint vielfach die Ansicht ver
breitet zu sein, dafs der SW-Wind an der Küste von Brasilien immer mit dem
Mondwechsel einsetzt. Ich habe darauf hin das Wetter hier beobachtet und
gefunden, dafs wir bei jedem Mondwechsel das schönste Wetter und die
ruhigste See hatten. Erst mehrere Tage, mitunter drei, mitunter fünf bis sechs,
nach Neu- oder Vollmond kam SW-Wind durch, wobei zu bemerken ist, dafs
die See aus dieser Richtung sich früher als der Wind einstellte. Während mit
dem SW-Winde der Luftdruck etwas zunahm, ging die Temperatur der Luft
herunter.
Es ist wohl kaum ein zweiter Platz auf der Erde zu finden, wo das Ent
löschen der Segelschiffe mit so vielen Schwierigkeiten verknüpft ist, als in
Bahia. Schiffe von 290 Reg.-T. Gröfso und mit Stückgütern von Liverpool be
laden, benöthigten volle drei Monate zu ihrer Entlöschung. Die deutsche Brigg
„Albert“ löschte vom 22. Mai bis zum 25. August und ein schwedischer Schoner
gebrauchte eine noch längere Zeit dazu. Stückgüter, die von Hamburg an
gebracht sind, werden zwar rascher gelöscht, doch sind sechs Wochen, die zur
Entlöschung von 20000 Kubikfufs solcher Güter nöthig waren, ein viel zu
langer Zeitraum. Forscht man nach den Ursachen, die solche Mifsstände hervor-
rufen, so findet sich, dafs es zur Zeit, wenn Dampfer im Hafen anwesend sind,
an Zollbeamten und Leichtern mangelt, und dafs die Segolschiffe stets gegen
die Dampfer zuriieksteheu müssen. Aufserdew ist der Landungsplatz der Leichter
beim Zollhanse sehr klein, infolge dessen dieselben manchmal mehrere Tage
warten müssen, bevor au sie die Reihe zum Löschen herautritt. Dazu kommt
noch die Verzögerung, die durch das anhaltend schlechte Wetter der Monate
Mai bis August veranlagst wird. Das Schlimmste aber von Allem ist, dafs
einige Kaußeute die angeführten Mifsstäude m ihrem Vortheil anszubeuten
suehen, indem sie die Segelschiffe förmlich als Lagerräume für ihre Waaren
betrachten. Der Leichterlohn ist den Verhältnissen entsprechend sehr hoch.
Ich habe für die Entlöschung meiner Ladung vermittelst 14 Leichter 500 Milreis