accessibility__skip_menu__jump_to_main

Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

318

Orkane  im  nor<iliehen  Stillen.  OofWfr»

Orkane  im  östlichen  Theile  des  nördlichen  Stillen  Oceans,
(Mittbiilmig  von  der  Deuhcken  Serv'arte.)
Die  der  Seewarte  in  letzter  Zeit  zugegangenen  Journale  enthalten  Berichte
über  zwei  Orkane  im  nordöstlichen  Theile  des  Greisen  Oceans,  welche  der
geringen  Kcnntnifs  wegen,  die  wir  über  den  Verlaut  derartiger  Erscheinungen
in  jenem  Meere  haben,  und  wegen  der  ungewöhnlichen  Nähe  des  Acquators,
in  welcher  der  eine  derselben  auftrat,  einer  genaueren  Beschreibung  werth
erscheinen.
Der  erste,  ein  nur  kurzer,  aber  äufserst  heftiger  Orkan  wurde  von  dem
unter  der  Führung  des  Kapt.  J.  Barber  stehenden  Bremer  Vollschiff  »Adelaide*,
welches  im  August  1882  auf  einer  Reise  nach  San  Francisco  begriffen  war,
überstanden.  Die  »Adelaide“,  welche  am‘26.  Juli  in  121,5°  W-Lg  von  südlicher
in  nördliche  Breite  überging,  wurde  bis  nach  9,8°  N-Br  in  123,2°  W-Lg  vom
SE-Passat  begleitet.  In  geringer  Entfernung  von  diesem  Punkte  nahm  der
Passat  am  30.  Juli  ein  Ende.  Er  ging  nicht,  wie  es  sonst  gewöhnlich  geschieht,
durch  eine  Drehung  nach  rechts  unmittelbar  in  den  SW-Monsun  über,  sondern
es  folgte  zunächst  ganz  leichte,  wiederholt  von  kurzer  Stille  unterbrochene
Mallung.  Am  Nachmittage  des  31.  Juli  kam  leichte  Briese  aus  NNE  durch,  die
bei  reguerischem,  böigem  Wetter  allmählich  frischer  wurde.  Aus  Nordosten
lief  gleichzeitig  eine  nach  und  nach  höher  werdende  Dünung.  Am  Morgen  des
1,  August  hatte  dieselbe  eine  solch  ungewöhnliche  Höhe  erreicht,  dafs  die
Wellen  über  den  Bug  dos  Schiffes  brachen.  Der  frische  Wind  veränderte  sich
bis  zum  Mittag  dieses  letzteren  Tages,  zu  welcher  Zeit  der  Schiffsort  11,3°  N-Br
in  123,9°  W-Lg  war,  durch  N  nach  NW.  ln  letzterer  Richtung  wurde  das
Aussehen  der  Luft  nun  ein  sehr  drohendes.  Von  10**  a.  in,  au  hatte  auch  der
Luftdruck  rasch  abzunchmeu  begonnen.  Am  Nachmittage  blitzte  es  rings  um
den  ganzen  Horizont,  und  um  etwa  2 h  p.  m.  nahm  der  nordwestliche  Wind
plötzlich  bis  zum  Sturme  zu.  Man  bemühte  sich  dann,  so  rasch  wie  möglich
alle  Segel  zu  bergen.  Die  Zunahme  der  Windstärke  war  jedoch  eine  solch
rasche,  dafs  dieses  nicht  gelang,  sondern  mehrere  Segel  gänzlich  zerrissen.
Um  5 h  p.  m.  wehte  ein  voller  Orkan  aus  NWzW.  Kapt.  Barber  versuchte  es
eine  Zeit  lang,  vor  demselben  zu  lenzen.  Während  dasselbe  geschah,  stürzte
aber  die  aus  nordöstlicher  und  nordwestlicher  Richtung  laufende  See  unaufhörlich
in  solch  gefahrdrohender  Weise  über  das  Schiff,  dafs  cs  unbedingt  noth  wendig
erschien,  beizudrohen.  Nachdem  dies  um  6 h  p.  m.  ohne  Unfall  bewerkstelligt
worden  war,  lag  das  über  St.  B.-Bug  liegende  Schiff  von  der  Gewalt  des  Windes
fast  platt  auf  Seite  niedergedrückt  da.  Der  Luftdruck,  welcher  in  sechs  Stunden
um  17  mm  abgenorainen  hatte,  erreichte  um  &'  p.  in.  mit  740,8  mm  seinen
niedrigsten  Stand.  Von  3 h  p.  in.  au  war  die  Luft  angefüllt  von  uinherfliegenden
Schaummassen  und  heftigem  Regen.  Um  6‘/A  p.  m.,  nur  eine  halbe  Stunde
später  als  beigedreht  worden  war,  begann  das  Barometer  zu  steigen.  Es  veränderte ­
  sich  dann  gleichzeitig  auch  der  Wind  in  rascher  Drehung,  jedoch  ohne
an  Stärke  im  Geringsten  nachzulassen,  durch  W  und  S  nach  ESE.  Um  8 11  p.  m.
wehte  der  Orkan  in  voller  Stärke  aus  letzterer  Richtung,  obgleich  das  ganz
ungewöhnlich  rasch  steigende  Barometer  schon  wieder  auf  757,5  mm  zeigte.  Um
9 h  p.  m.  mäfsigte  sielt  auch  der  Wind,  die  dunkele  Wolkendecke  zertheilte  sich,
und  um  lCH'p.  m.  konnte  vor  stürmischem  SE-Winde  wieder  abgehalten  werden.
Während  des  2.  August  nahm  die  Stärke  des  südöstlichen  Windes  so  weit  ab,
dafs  am  Ende  dieses  Tages  nur  noch  ein  leiser  Zug  wehte.  Am  3.  August
herrschte  schwache  Mallung,  und  am  4.  August  erreichte  „Adelaide“  iu  etwa
15°  N-Br  und  124.5°  W-Lg  die  äquatoriale  Grenze  des  NE-Passats.
Die  Bahn  dieses  Orkans,  der,  nach  der  raschen  Ab-  und  Zunahme  des
Luftdruckes  zu  urtheilen,  nur  eine  geringe  Ausdehnung  hatte,  scheint  eine  südlich
von  West  liegende  gewesen  zu  sein.  Die  von  NW  durch  W  und  S  nach  ESE
erfolgende  Veränderung  der  Windrichtung  erlaubt  keine  andere  Erklärung.
Nach  6 h  p.  m.  machte  das  beigedreht  liegende  Schiff  nach  nördlicher  Richtung
hin  keine  Breite  mehr  gut,  und  wenn  dieses  nicht  geschah,  so  mufste,  sollte
das  Schiff  vom  südwestlichen  in  den  nordöstlichen  Quadranten  gelangen,
die  Fortbewegung  des  Orkans  nach  südwestlicher  Richtung  hin  geschehen.
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.