Beschreibung der Westküste von Borneo.
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Küste zwischen Pontianak und der Spitze Padang Tikar. Südlich dei'
Mündung des Flusses „Kleine Kapoeas“, au welchem Pontianak liegt, münden
noch mehrere grofse und kleine Flüsse, von welchen die bedeutendsten Poengoer,
Sepoh gosong, Sepoh laoet, Sanggau und Alembawang heifsen. Vor den Mün
dungen dieser Flüsse, welches alles Abzweigungen des Flusses Groote Katjoeas
sind, ist das Wasser sehr flach, so dafs sie für die Schiffahrt keinen Werth
haben. Die Küste ist niedrig und sumpfig; ungefähr 8Sm Ost von der Mündung
des Flusses Membawang liegt der Berg Ambawang, welcher bei klarer’ Luft
36 bis 40 Sm weit, mithin auch von der Rhede von Pontianak gesehen werden
kann. Die Aufsenkante der sich längs der Küste erstreckenden Schlammbank
ist bis anfserhalb der 5m-Linie sehr flach, so dafs man überall wenigstens 4 Sm
von der niedrigen Küste, wo sieh nur wenige erkennbare Stellen befinden, mit
Hülfe des Lothes abbleiben muls. In den Flu Fs „Kleine Kapoeas“, in welchem
das Fahrwasser betount ist, und in den Flufs Membawang können Schiffe mit
geringem Tiefgang einlaufen. Nahe dem Membawang findet man das tiefste
Wasser, wenn man OzS auf die Südhuk dieses Flusses zusteuert. Auf der
Barre dieser beiden Flüsse befinden sich bei gewöhnlichem Niedrigwasser 1.4
bis 1,7m Wasser; die Flutbböhe beträgt hier 0,7 bis 0,8m und bei Springzeit
1,3 bis 1,4m. Vor den übrigen liier aufgeführten Flüssen sind bei Niedrigwasser
nur 0,5 bis 0,8 m. Kleine Küstenfahrzeuge, welche daselbst einlaufen wollen,
können sich durch dio an der Küste wohnenden Fischer einlotseu lassen, welche
daselbst bekanut siud. Der höchste Gipfel des Borges Ambawang liegt in
0° 23' 10" S-Br und 109° 17' 43" O-Lg.
Av/senrhede von Pontianak. Aut' der Aufsenrhedo von Pontianak, vor
der Mündung des Flusses „Kleine Kapoeas“, liegen auf 5,9tu Wasser zwei
Tonnen, eine schwarze Tonne mit Ball an der Nordkante und eine weifse Tonne
mit Ball an der Südkante des nach dem Flusse führenden Fahrwassers. Weiter
nach innen ist das Fahrwasser durch Baken mit schwarzen Körben au der
Nordseite und durch Baken mit weifsen Körben an der Südseite bezeichnet.
Innerhalb der beiden Tonnen flacht das Wasser sehr rasch ab. Die geringste
Wassertiefe findet man gegenwärtig zwischen der 3. und 4. Bake von See aus,
woselbst bei gewöhnlichem Niedrigwasser nur 1,4 bis 1.7 m Wasser ist. An der
Nordseite des Fahrwassers ist es etwas tiefer, so dafs man sich immer dicht
an der schwarzen Bakenlinie halten mufs. Schiffe, welche nicht einlaufen können
oder wollen, ankern gewöhnlich in der Nähe der Tonnen auf 8,5m Wasser.
Durch das aus dem Flusse strömende Wasser liegen die Schiffe gewöhnlich
quer auf den Wind, und rollen die Schiffe bedeutend stärker, welche auf flacherem
Wasser, als diejenigen welche auf tieferem Wasser ankern. Während des West-
Monsuns ist der Verkehr zeitweilig unmöglich oder doch sehr gefährlich. Nördlich
der Aufsenrhede von Pontianak wird die Küste sehr bald hügelig, hinter welcher
hohe Berge sichtbar siud, die gute Landmarken abgeben, um dio Rhede von Süden
anzusteuern. Die Richtung „Berg Api und höchster Baum des an der Küste
liegenden Berges Peniraman in NNO“ führt nach den Tonnen auf die Rhede. Von
Westen kommend kann man mit einem Ost-Kurse die Tonnen in Sicht laufen, sobald
man die Insel Dato (Datu) West peilt. Da aufserhalb der Tonnen allenthalben
Schlammgrund ist, so kann man auch, wenn man die Insel Dato in Sicht gehabt bat,
des Nachts die Rhede bei Benutzung des Lothes ansteuern. Die Insel Dato
ist 307 m hoch und erscheint aus gröfserer Entfernung wie ein kegelförmiger
Berg. Der Flaggenmast auf dem Regiernngsgebäude zu Pontianak liegt in
0° 1' 20" S-Br und 109° 19' 38" O-Lg.