298
Eingänge von meteorologischen Journalen etc., Januar 1883.
2,7° N-Br in 93,2° O-Lg trat häufig Windstille auf; die dort herrschende
Mallung besafs eine sehr geringe Stärke und kam jetzt meistens aus westlicher
Richtung. Man konnte bei diesen Verhältnissen nur langsam vorschreiten und
den Aequator in 93,8° O-Lg erst am 24. September erreichen. Man überschritt
denselben bei leichter westlicher Briese, und diese, welche von etwa I o S-Br
au herrschte, ging, indem sie in nördlicher Breite auffrischte, in den SW-Monsnn
über. Mit dem Antreffen dieses Windes waren alle Schwierigkeiten der Reise
überwunden. Am 28. September befand sich „Anton Günther“ in der Nähe
der NW-Spitze Sumatra’s, und am 1. Oktober konnte auf der Rhede von Penang
geankert werden. Zur Vollendung der Reise waren 134 Tage erforderlich
gewesen. Auf dem letzten im Indischen Ocean liegenden Rciseabsehuitt war:
30° S-Br in 90,7° O-Lg am 6. September, 20° S-Br in 92° O-Lg am 11. Sep
tember und 10° S-Br in 93° O-Lg am 15. September gekreuzt worden.
10. Reise des Belgischen Dreimastschoners „General Brialmont“,
Kapt A. Ziemann.
Am 26. Mai 1882 befand sich der Dreimastschoner „General Brialmont“,
welcher auf einer Reise von Antwerpen nach Banana begriffen war, in der
Nähe von Lizard. Frische, während der nächsten Zeit angetroffene, SW-Winde
verursachten, dafs man zunächst nur langsam nach Süden hin vorrücken konnte.
Nachdem aber am 30. Mai, in der Nähe vou 49,5° N-Br und 8,5° W-Lg, auf
dort beobachtete Windstille ein östlicher Wind gefolgt war, nahm die Reise
einen befriedigenderen Verlauf. Bei später noch wieder augetroffenem West
winde konute auch eiu guter Fortgang erzielt werden, und ein noch rascherer
wurde derselbe, nachdem aus dem sich nach rechts verändernden Westwinde
der Passat entstanden war. Man überschritt dessen, in etwa 37° N-Br und
14,8° W-Lg liegende, polare Grenze am 6. Juni. Der Luftdruck, welcher dort
766,2 mm betrug, stieg später bis auf einen unweit 35° N-ßr beobachteten
höchsten Stand von 771,1 mm. „General Brialmont“ fand im Gebiete des
Passats keinen sehr kräftigen und beständigen Wiud, und nachdem man am
18. Juni nach 13° N-Br in 25° W-Lg gelangt war, endete der Passat, ln
geringer Entfernung von diesem, für ein nach der Westküste Afrika’» bestimmtes
Schiff wenig geeignet erscheinenden Punkte — vortheilhafter würde es gewesen
sein, diese Breite 6° weiter östlich zu setmeiden — betrat der „General
Brialmont“ den Stillengürtel. Er traf in demselben auch für längere Zeit
nur sehr ungünstige Verhältnisse und konnte erst, nachdem am 26. Juni in
etwa 7° N-Br und 22° W-Lg etwas beständigere südsüdwestliehe Winde ange-
troffeu worden waren, wieder rascher vorrücken. Am 5. Juli konnte in 3,7°
N-Br der Meridian des Kap Palmas überschritten werdeu, und am 11. Juli
ging das Schiff in 1,2° W-Lg von der nördlichen zur südlichen Halbkugel über.
Es waren daun 46 Tage vergangen, seit der Kanal verlassen worden war;
während dieser Zeit batte man: 40° N-Br in 16° W-Lg am 4. Jnui, 30° N-Br
in 20,3° W-Lg am 9. Juni, 20° N-ßr in 25° W-Lg am 15. Juni und 10° N-Br
in 23,4° W-Lg am 21. Juni gekreuzt.
Ausnahmsweise ungünstige Verhältnisse traf „General Brialmont“ zunächst
in südlicher Breite an. An die Stelle der zuletzt herrschenden mäfsigeu Süd
winde trat dort wieder ganz schwache Mallung ein, die oft sogar von Stille
unterbrochen wurde. Das hier zuin zweiten Male in einen Stillengürtel geratheude
Schiff konnte dort gegen die Aequatorialströmung kaum irgend etwas gewinnen
und befand sich am 15. Juli noch in 0,7° S-Br und 0,3° W-Lg. Am nächsten
Tage wurde der Südwiud endlich wieder etwas frischer, und segelte mau dann
über B. B.-Bug ostwärts, dabei nur sehr selten, und zwar nur dann, wenn eine
Windveränderung es besonders wünschenswert!) erscheinen liefs, wendend. Man
näherte sich nun dem Ziele mehr und mehr und gelangte am 30. Juli in Sieht
von Kap Padrón. Am 31. Juli wurde in der Nähe desselben geankert nach
einer Reise, deren Dauer 66 Tage betrug.
Am 12. Oktober verliefs der „General Brialmont“ die Mündung des
Congo wieder, um nach dem Kanal zurückzukehren. Derselbe trat die Reise
bei leichter Briese aus SW an, die, als man etwas gröfseren Abstand von der
Küste gewonnen hatte, frischer wurde, sich langsam nach links veränderte
und schliefslich in den Passat überging. Ohne dafs sieh Störendes ereignete,