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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

n 
Regeln für Behandlung von Chronometern. 
dem sie das Reinigen de« Chronometers zu lauge aussclzteii, Schuld an dessen 
späterem schlechten Verhalten ist. 
l'elier Oele. 
Das Oel für ein Chronometer ist eine sehr wichtige Frage, da die 
Leistungen des bestgebauten und bestadjustirteu Chronometers sohliefslich von 
dem benutzten Oel abhängen. 
Gewöhnlich kaufen die Chronometermaehcr das Oel von den Händlern, 
ohne es gebührend auf seine Beschaffenheit und Tauglichkeit zu dem beabsich 
tigten Zweck zu prüfen; seine Untauglichkeit erkennen sie erst an dem Versagen 
des Chronometers, zu welchem es verwendet wurde. 
Indem wir uns vor dreifsig Jahren vergegenwärtigten, welcher Schaden 
dem Rufe unserer Chronometer durch ungeeignetes Oel erwachsen würde, be 
schlossen wir, nur solches zu verwenden, das von uns selbst aus sorgfältig 
ausgewähltem Rohmaterial zubereitet ist. Wenn man bedenkt, dafs weniger 
als ein Tropfen Oel auf die zehn feinsten oder kleinsten Zapfen und Lager des 
Chronometers vertheilt wird und dafs die Unruhe, welche etwa sieben Penny 
gewichte schwer, jährlich 126144000 Schwingungen, jede von 450°, in Zapfen 
von nur 0,0045 Zoll Durchmesser macht und zu denen nicht mehr als der 
dreifsigste Theil eines Tropfens Oel verwendet werden kann, so ist die Wichtig 
keit des Reinigens und Oelens, wenigstens alle 3V- Jahr, offenbar. Wir ver 
weilen bei diesem Gegenstände umsomehr, da Personen, welche Chronometer 
besitzen oder benutzen, in der Regel geneigt sind, dieselben unbestimmte Zeit 
zu gebrauchen, ohne sie reinigen oder ölen zu lassen, selten der Sache einige 
Beachtung schenken, wenn nicht ihre Aufmerksamkeit darauf gelenkt wird, und 
die Chronometer häufig so lange gehen lassen, bis sie stehen bleiben, weil die 
Zapfen abgeschuitten sind. Das ist unrecht dem Chronometer, seinem Besitzer 
oder dem Ruf des Verfertigers gegenüber. 
Das Oel, welches wir verwenden, ist aus der Kinnlade des Delphins 
(Delphinus Phocanea) gewonnen (die beim Kap Horn gefangene Art liefert das 
beste), das nur mit anderen Oelen gemischt wird, um ihm, wenn es nothwendig, 
mehr Konsistenz zu geben. Wir verschaffen uns dasselbe durch dringende 
Bitten an unsere Freunde zur See, welche den Delphin fangen, das Oel aus 
den Kinnbaken besonders ausziehen, und es uus, bevor es ranzig wird, zustellen, 
worauf wir es dann nach unserer eigenen Methode präpariren. 
Für Chronometer geeignetes Oel mufs folgende Eigenschaften haben: 
1. Es mufs frei von Säuren und Alkalien seiu. 
2. Es mufs so flüssig und schlüpfrig sein, dafs cs den Zapfen freie Be 
wegung in ihren Lagern gestattet, dabei aber genügende Konsistenz besitzen, 
um an seinem Orte zu verbleiben, ohne sich auszubreiten oder abzufliefsen. 
3. Bei einer sehr niedrigen Temperatur darf es nicht gerinnen und bei 
einer hohen nicht zu dünnflüssig werden. 
4. Es mufs unter dem Einilufs der Reibung seine Flüssigkeit und 
Schlüpfrigkeit beibehalten und darf für eine hinlängliche Zeit nicht klebrig 
werden oder eintrocknen, 
Um solche Eigenschaften für gewisse Zapfenlager genügend zu vereinigen, 
müssen wir häufig zu einer besonderen Verbindung von dicken und dünuen Oelen 
unsere Zuflucht nehmen.
	        
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