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Zeitbestimmung aus Cireuirtmeridianhöhen.
auch die Grundformel nicht neu, so ist es noch immer Verdienst des Erfinders
dieser Methode, die Art angegeben zu haben, wie man sie zweckmäfsig auf See
zu verwenden hat. Freeden zögert daher keinen Augenblick, ihr den Namen
Littrow-Wüilerstorf beizulegen.
Auf Seite 132 seiner „Vorlesungen über nautische Astronomie“ (Kiel 1871)
äufsert sich Weyer folgendermafscn: „Nach dieser Methode vou Littrow, die
auch aufserhalb der Tropen noch bis 43® Breite und darüber unter günstigen
Umständen mit sehr gutem Erfolge nach den Resultaten des Admirals
von Wüllerstorf angewandt wurde, ist das folgende Beispiel berechnet etc.“.
Um schliefslieh ein ganz neues Werk anzuführen, lesen wir auf Seite 298
des Handbuch dev Navigation, herausgegeben vom Hydrographischen Amt der
Admiralität (II. Aullage, Berlin 1881):
„§ 100. Die Methode Littrow*», aus zwei Höhen nahe am Meridian und
der Zwischenzeit die Länge zu bestimmen etc.“. Was die Verwandtschaft dieser
Rechnungsart mit dem Douvves’schen Breitenproblem anbelangt, sagt genanntes
Handbuch auf Seite 299: „Die Methode ist also nur dann vortheilhaft anzu
wenden, wenn das Gestirn nahe am Meridian den ersten Vertikal passirt, d. h.
nahe am Zenith kulminirt; es wird aber ersichtlich werden, dafs eine Ein-
schliefsung in zu enge Grenzen nicht erforderlich ist. 1 ) Das Verfahren ist somit
hauptsächlich für die Tropen bestimmt. Jede Douwes’sche Breitenbestimmung
giebt zwar zugleich die Gelegenheit, eine Chronometer-Kontrole zu erhalten, die
Reduktion wegen der Ortsveränderung macht das Resultat indessen unsicher.“
Nun wollen wir sehen, ob os nicht unter den zahlreichen mitunter ganz
vergessenen älterem) nautischen Methoden der Ortsbestimmung einige giebt,
aus welchen die Idee zu der hier besprochenen Littrow’sehen Methode abgeleitet
werden könnte.
Zunächst haben wir der Zeitbcstiinmungsmcthodo des Obristen von Tempel-
hof zu gedenken, enthalten im 1. Supplement-Band zu den Berlin, astron.
Jahrbüchern (Seite 214) und in Bohne nbergo-’s Anleitung zur geographischen
Ortsbestimmung vermittelst des Spiegelsextan ten. Göttingen 1795. Wird
nämlich die Beobachtung lcorrespondirender Höhen durch Witterungsumstände
vereitelt, so schlägt Obrist von Tempclhof folgende Art der Mittagsbestimmung
vor. Sind h und h' die zu den Zeiten T und T' beobachteten Höhen der Sonne,
so hat man die bekannten Gleichungen:
sin h — sin cp sin d
ч ~~—‘ • -- - *- .
cos rp cos d
, sin h' — sin <t sin d'
cos s — —
cos <p cos d
Mnltiplicirt mau beide Gleichungen mit cos cp cos d cos d' und zieht die zweite
von der ersten ab, so erhält man:
eos cp> cos d cos d' (eos s — cos si) = sin h cos d' — sin h' cos d -f- sin cp (sin d' cos d
— cos d' sin d).
Nun ist:
sin h cos d' — sin h' eos d = sin h cos d — sin h' cos d — sin h (cos d — cos d')
d-j-d' . d'—<J
2 S,n 2 '
daher:
= cos d (sin h — sin h') — 2 sin h sin — sm
, , . s-f-s' . St—s
2 cos g> cos d cos d' sm sm —g—
z z
— 2 sin
. h—h' h-J-h'
cos
d-j-d' . d'—d
2 V— cog <{ — 2 sin h sin ^ sin h sin 9 sm (4'—d)
und man kann auch ohne merklichen Fehler schreiben:
. h—Ir
2sm - 2
2 cos cp eos d cos d' sin a ~t s - sin 8 —— =
' h+h' , , ,,, - i • d-f-d'\
- cos —2 cos « + (d—d) I sin cp — sm h sm .) )•
l ) Dia Methode kann mit Vortheil bis in ungefähr 40° Breite augewendet werden. Vgl. audi
§ Ü8 ad 7 des Handbuchs der Navigation.