íleitbestíminnng an» CimimmeridfanhShen,
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Geschichtliche Bemerkungen zur Littrow’sehen Methode
der Zeitbestimmung aus Circummeridianhöhen.
Von Eugen Gelclcll, Professor in Lnmii/MCCitlu.
Auf Seite 160—161 meiner „Studien über die Eutwickelnngsgeschiehte
der Schiffahrt mit besonderer Berücksichtigung der nautischen Wissenschaften“
(Laibach 1882) schrieb ich:
„Der Vice-Admiral von Wüllerstorf, damals Kommandant der öster
reichischen Fregatte „Nowra“, welche die Weltumsegelung ausgeführt hatte,
berichtete über eine neue, von Littrow zuerst angegebene und durch Wüllers
torf häufig praktisch angeweudete und für empfehlenswerth erachtete neue Art
der Längenbestimmung aus Röheuäudcrungen der Sonne in der Nähe des
Meridians, Circummeridianhöhen genannt. In der Sitzung der Wiener Akademie
der Wissenschaften vom S. Januar 1863 referirte Littrow über diese Methode
und über die durch Wüllerstorf ausgeführten praktischen Beobachtungen.
Durch die Bemerkung eines bedeutenden nautischen Fachmannes, „dafs es
doch näher zu untersuchen wäre, ob Littrow der Begründer der fraglichen
Methode gewesen sei“, fand ich mich zur Verfassung der nachfolgenden nautisch-
historischen Studie veranlafst.
* -x-
-*
Im Jahre 1863 erschien in H'tV» eine Abhandlung des jüngeren Littrow
„Ueber die Methode der Jjfmgenbestimmung durch Differenzen von Circnmmeridian-
höhen und deren Anwendung während der Weltumsegelung S. M. Fregatte „Novara*.
lieber diesen Titel machte Prof. G. I). E. Wever die Bemerkung, „dafs die
Bezeichnung durch Differenzen von CircumuieridiaDhöhen nicht ganz passend
sei, da die Höhen eben nicht zu entbehren siud und ihr etwaiger Fehler wirksam
genug im Resultate werden kanD, wenn die Höhen nicht in korrespoudirende
übergehen“. 1 ) Im Jahre darauf (1864) referirte der Astronom Professor Fnye
in der Pariser Akademie der Wissenschaften über denselben Gegenstand. Die
bezügliche Abhaudlung ist iu den „Comptes rendas“ vom 7. März 1864 enthalten:
„Sur une méthode nouvelle proposée par M. de Littrow, pour determiner en wer
¡’/teure et la longitude, par M. Paye“. W. von Freeden hatte sein Handbuch
der Nautik (Oldenburg 1864) gerade abgeschlossen, als ihm die Schrift Littrow’s
zugänglich wurde. Er nahm die Methode noch in den letzten Blättern seines
Werkes (Seite 383) auf, doeh sagte er hierüber: „diese sogenannte neue
Methode etc. . . .“ Später sagt Freeden, dafs die dieser Längenbestimimmg
zum Grunde liegende Formel:
. s-4-si . li—h' h + h' » s J — s
sin —^— = sm —g— cos —g— see <¡p sec d cosec —^—
keineswegs neu sei. Diese Thatsache ist unbestritten; denn wir brauchen nur
die Douwes’sche Methode der Brcitenbestimmung anzuführen, um sofort in
Erinnerung zu bringen, dafs obige Grundgleichung daselbst zur Anwendung
kommt. Aber auch abgesehen davon, hat Freeden diese Grundgleiehung wirk
lich zur Längenbeatimmung benutzt, wie dies aus den Beispielen Seite 303 ff.
seines Handbuches zu ersehen ist.
Derselbe Herr v. Freeden drückt sieb im späteren Verlaufe seiner Dis
kussion noch, wie folgt, aus: „Au der Methode Littrow-Wüllerstorf ist uní
ais neu anzuerkennen, dafs sie für die Längenreehnung die Beobachtungen der
Höhen ausdrücklich in die Nähe des Meridians verlegt und nur eine kurze
Zwischenzeit von ’/* bis '¡2 Stunde beansprucht und noch immor eine hinlänglich
sichere Berechnung der Mittelzcit garantirt. Man soll daun die Breite durch
eine Meridianhöhe und die Länge durch Höhenänderungen kurz vor oder nach
der Meridianpassage sich verschaffen, wodurch man den großen Vortheil erreicht,
die beiden wichtigsten Rechnungen an Bord in dieselbe Stunde hineinzubringen,
was allerdings aus vielen naheliegenden Gründen ein großer Vorzug ist. Ist also
b Prof. Weyer: »Vorlesungen fiber nautische Astronomie*.
Au». 4 Hydr. etc., J88S, Heft V.
J.