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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

Regeln für Behandlung von Chronometern. 
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inan ein gehendes Chronometer 360° um seine Vertikalaxe in weniger als 
10 Sekunden oder eine geringere Anzahl von Graden in entsprechend kürzerer 
Zeit drehen. 
Die Unruhe eines richtig konstruirten Chronometers schwingt, wenn das 
Instrument gereinigt und frisch geölt ist, l l /z Umdrehung (450°), oder 5 /* Um 
drehung (225°) nach jeder Seite ihres Ruhepunktos. Der von der Feder aus 
gehende Antrieb wird durch das Räderwerk auf das Hemmungsrad übertragen 
und bei jeder Doppelschwingung einmal auf die Unruhe ausgeübt, also jede 
halbe Sekunde, wie das je einer Hin- und Rückbewegung entsprechende 
Vorwärtsspringen des Sekundenzeigers auf dem Zifferblatt angiebt. Wenn nun 
das Chronometer eine schnelle Drehung erfährt von nur wenig mehr als drei 
Achtel Kreis nach rechts, während die Unruhe etwa eben ihre Schwingung nach 
links vollendet oder umgekehrt, so wird der Effekt sein, dafs nicht nur wie 
sonst in der Mitte jeder Vorwärtsschwingung die Ruhepalette zurück- 
gestofsen wird und das Hemmungsrad um einen Zahn vorwärts springt, 1 ) 
sondern dafs ein solches Zurückstofsen auch zu Anfang und Ende jeder Vor 
wärtsschwingung erfolgt, also drei Impulse auf jede Doppelschwingung kommen 
in Stelle von einer. Auf dem Zifferblatt liest man also eine Aenderung von 
IV* Sekunden ab, statt von V* Sekunde. Da nun die Unruhe nicht sogleich 
wieder auf eine Vibration von weniger als eine volle Drehung nach jeder Seite 
zurückgeht (wegen der vermehrten Impulse durch das Hemmungsrad), so wird 
der unmittelbare Effekt in einer Aenderung des Chronometerstandes bestehen, 
im Betrage von ein bis zu fünfzig Sekunden. 
Als Nachwirkung tritt in der Regel eine tägliche Verlangsamung des 
Ganges um einige Zehntel bis zu einer Sekunde ein, vermuthlich infolge der 
erhöhten Spannung, durch welche die Elasticität der Spirale vermindert oder 
doch zeitweise geändert worden ist. Im Allgemeinen nimmt das Chronometer 
nach ein oder zwei Wochen seinen früheren Gang wieder auf, vorausgesetzt, 
dafs die Spirale gut gehärtet ist. Diese Folgen ergeben sich indosseu selten, — und 
sie sind überhaupt nicht zu befürchten, wenn das Chronometer mit gewöhnlicher 
Sorgfalt behandelt und eine schnelle Drehung um die vertikale Axe 2 3 ) vermieden 
wird. Eine schnelle Bewegung vorwärts oder seitwärts ohne Stöfse oder Er 
schütterungen wird den Stand oder Gang eines Chronometers nicht beeinflussen. 
Viel häufiger als auf irgend eine andere Weise wird vermuthlich eine Chrono 
meterunruhe dadurch überanstrengt, dafs das Chronometer beim Herabnehmeu 
am Tragrieinon von einem hohen Standpunkt, wie von einem Regal oder Tisch 
zum Tragen an der Seite, oder beim Hinaufsetzen auf einen höheren Standort, 
plötzlich gedreht wird. 
3. An Bord sollten die Chronometer stets in ihren Transportkästen 
aufbewahrt und diese an einem gut ventilirten, jedoch vor Zugluft geschützten 
Raume mittschiffs festgeschraubt werden; auf jeden Fall ist ein Placiren in der 
Nähe von Holz, welches mit Seewasser in Berührung kommt, zu vermeiden. 
Die Transportkasten müssen aufser beim Notiren der Zeit und beim Aufziehen 
stets geschlossen bleiben, um das Chronometer so viel als möglich vor plötzlichen 
Temperaturwechseln und dem nachtheiligen Einflufs von Salzluft zu schützen. 
Zu weiterem Schutz ist es rathsam, in nebeligen oder feuchten Klimaten eine 
trockene dicke wollene Decke um den Tränsportkasten zu legen und diese so 
oft als nothwendig mit einer anderen trockenen auszuwechseln. Niemals darf 
ein Chronometer aus seinem Transportkasten genommen werden, um es zu 
Beobachtungen auf Deck zu benutzen; man hat sich hierzu vielmehr eines aus- 
rangirten Chronometers oder einer Beobachtungsuhr zu bedienen. 
Alle diese Vorsichtsmafsregeln haben ihren Grund darin, dafs Rost an 
den Stahltheilen eines Chronometers stets schädlich ist und, wenn er sich an 
der Spirale bildet, sofort auf den Gang einwirkt. Ein kleiner, kaum bemerk 
barer Rostflecken auf der Spirale verursacht, dafs das Chronometer an seinem 
Gange ein bis fünf Sekunden täglich verliert; der Fehler wird in dem Mafse 
l ) Vgl. „Handbuch der Navigation*, § 56, pag. 174. 
Z) Wer Gelegenheit hat, Gangtabellen von Chronometern vor und nach dem Transport an 
Bord zu vergleichen, wird finden, dafs die besprochenen Störungen keineswegs selten sind. 
(Пег Cebersetzer.) 
3 
An», à, HytJr. eie., B>fi I.
	        
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