Weyer: Bestimmung des Beobachtungsortes eie.
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achtenden Höhen einander gleich werden, bei zwcckmäfsiger Yertheilung in
ihren verschiedenen Vertikalkreisen, neuerdings im Grofsen für Expeditionen
zur geographischen Ortsbestimmung in Russland 50 ) durch Obrist Zinger vor
bereitet wird, speziell für die 40 bis 50 Breitengrade, welche das Russische
Reich in Breite umfafst. Für etwa 12 von einander successive um 4 Grad ver
schiedene Breiten sollen die geeigneten Kombinationen südlicher und nördlicher
heller Sterne ausgewählt und entsprechende Hülfstafeln dazu berechnet werden.
Vorläufig hat sich schon ergeben, dafs für die mittleren nördlichen Breiten die
Hauptsterne, welche heller als vierter Gröfse sind, im Laufe von 24 Stunden
für jeden einzelnen Beobachtungsort etwa 200 Kombinationen innerhalb 35°
Azimuth gestatten, wo zwei Sterne, der eine im Korden, der andere im Süden,
unmittelbar nach einander die gleiche Höhe von mindestens 15° über dem
Horizont erreichen, so dafs die Unsicherheit der Refraktion dabei nicht mehr
in Betracht kommt. Die gleichen Höhenpaare in kurzer Zwischenzeit, welche
in dem Beispiele von Gauss noch mit einem Sextanten beobachtet wurden,
sind hier um so wichtiger, als die Beobachtungen mit einem aufgestellten
Höhenkreise gemacht werden sollen, weshalb auch besonderer Werth darauf
gelegt wird, „dafs man in der Zwischenzeit die Verbindung von Fernrohr und
Niveau als vollkommen unverändert ansehen könne.“
Zusätze.
1) Zu Seite 78, Anm. 14. Borda sagt über die (wie bei Douwes) an
gewandte Korrektion der verflossenen Uhrzeit wegen der Längenveranderuug
des Schiffes, mit Beziehung auf sein Beispiel: „Cet angle 41° 58' (= 2 fc 47'“ 52 s
verflossene Uhrzeit) est l’angle horaire réel décrit par lo soleil dans l’intervalle
des observations; mais, pendant ce temps-là, le vaisseau a parcouru, dans le
même sens que le soleil, 7' de longitude à l’ouest, ce qui diminue d’autant le
mouvement du soleil par rapport au vaisseau. Ainsi, de l’angle horaire ci-des-
sus, on retranchera 7'. et ou aura l’angle horaire relatif au soleil 41® 51'.“
2) Der auf derselben Seite angeführte ungünstige Fall (mit 7 ’/* Strich =
84° 22,5') ergab die Korrektion der Höhe nach der Reduktionsmothode von
Graham und Delambre als verschwindend, da beide Korrektionstheile ein
ander aufheben, also die erste Höhe unverändert bleibt für den zweiten Schiffsort.
Da nun nach der Reduktionsmethode von Douwes und Nieuwland die Höhe
ebenfalls unverändert bleibt, weil hier keine Breiten Veränderung des Schiffes
stattfand, aber die verflossene Uhrzeit wegen der LängenveränderuDg bei diesem
Verfahren zu verbessern ist, so kann es etwas unklar erscheinen, wie beide
Methoden mit ungeänderten Höhen, aber die eine mit geänderter Zwischenzeit,
doch übereinstimmend richtige Resultate für die Breite und für die wahre Orts
zeit geben sollen. Es erklärt sich indessen daraus, dafs au den beiden
Beobachtungsorten die Abstände der grôfsten Höhe vom Meridian einander
zwar gleich, aber entgegengesetzt sind, daher es am ersten Orte schon Nach
mittag und am zweiten Orte erst Vormittag ist, bei gleicher Gröfse dos Stunden-
wiukels und gleicher Höhe der Sonne. Es sei z. B. beobachtet auf ungefähr
33‘/i® N-Br:
Uhrzeiten Wahre Höhen Deklin.
.... 80“ 0' 23® 28' N Peilung S‘/sW
.... 13 35,7 Kurs West, 118'Fahrt
Verflossene Uhrzeit 6.0.0
so giebt die erste Reduktionsmethode von Graham und Delambre die Breite =
33® 25' N und die wahre Zeit der gröfsten Höhe ll h 55 m 18* Vormittags für
den zweiten Beobachtungsort, während die Reduktion nach Douwes und
Nieuwland, mit der verflossenen Zeit = 6 1 * 0“ 0" — 9“ 25,6’ = 5 k 30“ 34,4’
ebenfalls die Breite 33® 25' N, aber 0* 1 4“ 42* Nachmittags, nämlich für den
ersten Beobachtungsort, ergiebt.
3) C. G. J. Jacobi hat im „Journal für die reine und angewandte
Mathematik“ Bd. 2, Berlin 1827, pag. 345—346 eine Mittheilung veröffentlicht:
„Ueber die Bestimmung der Rektascension und Deklination eines Sterns aus
W) Jahresbericht der Nieolai-Hauptsternwarte, St. Petersburg 1882, pag. 36.
Asm. 4. Hydr. etc.» 1883, Heft IV.
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