<'222 Weyer; Bestimmung des Beobachtungsortes etc,
1) Mittagsdeklination = +22° 58' 19" dy — +42,4" dt = —1' 17,4" = _5,16* *
2) ^±-= 22 57 20 .... +45,1 .... -2,1 =—0,14
H) “ d = 22 57 20,37 . . . +45,1 .... —2,5 =-0,17
4) #= 22 57 19,63 . . . +45,1 .... —1,6 =-0,11
Da nun die obige Rechnung mit der als konstant angenommenen mittleren
Deklination aus geführt worden ist, so werden die verbesserten Wcrthe:
y = 53° 22' 22.9" + 45,1" = 53° 23' 8,0" N.
t = 69 16 52,5 — 2,1 = 69 16 50,4
t' = 70 9 45,2 — 2,1 = 70 9 43,1
und die strenge direkte Berechnung, mit der zu jeder Höhe gehörenden Dekli
nation, giebt:
<p = 53° 23' 7,9", t = 69° 16' 50,5" und t' = 70° 9' 43,0"
also in Uebereingtimmung mit dem Ergebnifs aus den Differentialformeln. Bei
Anwendung der sieben Formeln am Sehlufs des Kapitels 12, für die strenge
Rechnung, hatte man dabei F = 67° 2' 31,6", v = 89° 50' 33,2", w = 130° 1V 7,3",
v—w = p = 40° 20' 34,1", p' = 40° 21' 33,5" nebst den Azimuthen A =
88° 4' 48,6", A' = 88° 47' 44,6", also A'—A = 0° 42' 56,0", welches die
Koeffizienten der Differentialformeln daher nicht ändern würde. — Dr. Prestel
fand in einer ersten Näherung <f» = 53° 23' 24", „ein Resultat, mit welchem der
Seemann schon zufrieden sein könnte“, wie er hinzufügt und weiter bemerkt:
„Die Sonne stand aber zur Zeit der Beobachtung uiclit genau im ersten Vertikal,
sondern das Azimuth war = 88° 20'.“ Damit wurde nun in zweiter Näherung
gefunden: <p = 53° 22' 16". „Dies Ergebnifs“, sagt Dr. Prestel, „weicht nur
noch 6" von der absoluten Genauigkeit ab“, woraus sich ergiebt, dafs
Dr. Prestel unter „absolute Genauigkeit“ diejenige verstanden hat, welche mit
der mittleren Deklination als Konstante zu erreichen war, während das genaue
Beclmungsresultat fUr die wahre Breite hier tun 45" gröfser wurde und zufällig
die erste Näherung damit besser stimmt als die zweite. Die grofse Unsicherheit
des gewählten Falles, welcher doch praktisch so gut wie völlig unbrauchbar ist,
ergiebt sich aber nicht nur aus den grofsen Koeffizienten der Differentialformeln,
sondern der Beobachter hätte auch bei seiner Näherungsreolimmg durch eine
kleine Aenderuug der Beobachtungsangaben sich überzeugen können, wie stark
vergröfsert sich jeder kleine Fehler der Beobachtung auf das Resultat über
trägt. Setzt man die eine Höhe z. B. um 10" falsch, oder die verflossene Zeit
um 1,1® (da 211,5® Zeitunterschied = 1872" Höhenunterschied), so erhält man
aus der Differentialformel sowohl wie auch durch direkte Substitution in der
Näherungsrechnung eine Breitenänderuug von 13 Minuten, also beinahe V* Grad,
und überhaupt, wenn die Breite durch eiue solche Beobachtung auf eine Minute
genau herauskommen soll, so müfste die eine der Höhen nicht um 0' 0,8" un
richtig seiD, wenn die andere absolut richtig ist, oder die verflossene Zeit
dürfte nicht um 0,1* von der Wahrheit abweichen. Daher wohl der Wunsch
von Dr. Prestel, mittelst einer Terzienuhr solche Beobachtungen anzustellen;
aber wenn letztere auch das Gehoffte leisten sollte, so bliebe doch immer noch
eine Genauigkeit der Differenzen der Höhenmessung erforderlich, die schon
wegen der geringen Vergröfserung des Fernrohrs unerreichbar ist.
Der einzige brauchbare Fall dieser Art für die Breitenbestimmung bleibt
somit, die beiden benachbarten Höhen in der Nähe des Meridians zu beobachten,
wobei dann im Zähler der Differentialformeln die Sinus der Azimuthe wieder
hinreichend klein werden. 48 ) Dabei empfiehlt sich auch eine leichte praktische
Näherungsmethode für die Berechnung, welche bei der allgemeinen Behandlung
der genäherten Auflösungen für die Aufgabe zu begründen ist.
Scbliefslich ist es noch bemerk eng werth, dafs der Plan von Gauss, 48 )
die Sternpaare so auszuwählen, dafs die unmittelbar nach einander zu beob-
•**) In diesem Falle bewegt sieh das Zenith bei geringer Höhenänderung senkrecht zum
Meridian und ändert die Breite wenig, während im rorigen Falle, am ersten Vertikal, das Zenith
sich bei geringer Höhen- oder Deklmatioiisänderutig parallel zu in Meridian bewegt und die Breite
also sehr stark verändern mufs, je näher die beiden Gestirnsörter einander sind.
*9 Gauss, Meth. pecnh, Göttingen 1808, pag. 14, wo als Beispiel a Aqttila und « Andrem,
gewählt ist, welche in 6 bis 7 Minuten Zwischenzeit dieselbe Höbe von 45 bis 46 Grad erreichten.