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Weyer: Bestimmung des Beobachtungsortes etc.
mufs, da die Basis eines gleichschenkligen sphärischen Dreiecks, wie es hier
vorkommt, sich nur äufserst wenig ändern kann, wenn man den einen Schenkel
um eine geringe Gröfse verkürzt und den andern um ebensoviel verlängert. Da
also bei Anwendung der mittleren Deklination, der Abstand der beiden Sonnen
örter von einander sehr nahe konstant bleibt, von diesem Abstande und den
gegebenen Höhen aber die Azimuthdifferenz in der Zwischenzeit abhängt, so
bleibt demnach auch diese Azimuthdifferenz konstant, und damit kann die
Differcntialformel (7) auch hier zur Anwendung kommen, mit Beschränkung auf
die gemachte Voraussetzung, dafs dd negativ und gleich dem positiv gesetzten
dd' ist. Dann folgt aber schon in Uebereinstimmung mit der Formel (7*):
10) dy =
sin Va (t'-f-t) _ sin ‘/2 (t'-{-t) d'—d
sin ‘/2 (t'—t) ‘ ~ sin '/2 (t'—t) * 2
indem dd hier wieder die Deklinationsänderung in der halben Zwischenzeit be
zeichnet. 42 ) Eine kaum erforderliche Hülfstafel für den Quotienten S ?~
' sin ‘/a (t'—t)
hat Pilaar dazu in seiner Tafel XXI gegeben. Sie zeigt übrigens, wie unter
ungünstigen Umständen sich die geringe Deklinationsänderung vergröfsert auf
die Breiteukorrektion übertragen kann. — Mit der aus Formel (10) gefundenen
verbesserten Breite (f -f- d<p könnte man nun auch, mittelst einer der Höhen und
der zugehörigen genauen Deklination, einen korrekten Zeitwinkel berechnen. Eine
direkte Bestimmung dieser Zeitkorrektion, wegen derDeklinationsänderung, ergiebt
sich aber, in der obigen Voraussetzung, dafs mit einer mittleren Deklination
gerechnet wurde, auf folgende Art. Zunächst hat man aus der Differenzirung
der Grundgleichung
sin h = sin (p sin d cos <p cos d cos t,
wobei h konstant ist:
0 = (cos y sin d — sin (p cos d cos t) dtp -j- (sin (p cos d — cos <p sin d cos t) dd
— cos <p cos d sin t. dt
worin aber dd negativ zu setzen ist für die erste Beobachtung bei dem Stuuden-
winkel t, der obigen Bedeutung von dd gemäfs, daher:
“0
dt= (Mi _*Xï) d»-p£
\8in t tg t ) V.81I
aber nach Formel (10) ist:
sin t tg t,
dd;
A sin ’A(t'+t) AS
diP = -arwtÄ)-" =
sin m
sin V
. dd
zur Abkürzung, so dafs t= 'A(t'-f-t) — l A(t'—t) = m—v, also:
dt
dd
sin m
sin v
( tgd tgy
\sin (m—v) tg (m—v)J
tg <f
(sin (m—v) tg (c
oder anders geordnet nach <p und d:
+ ;
tgd
)) sin (m—v) ' tg (m—v)
dt
f sin m
sin V \
tg d } sin m
sin v 1
dd
sin v 1
l ^ (m-v)
sin (m—v) J
sin v [ sin (in—v)
tg (m—v) j
Für die Ausdrücke in
(Î
ergiebt sich die weitere Reduktion:
sin m
tg (m—v)
sin in
siu(n
sin v sin m cos (m—v) — sin v cos m sin (in—v)
—c = — —V = - . —,———cosm
sm (di—v) sin (m—v) sin (m—v)
sin v sin m — sin v cos (m—v) cos v sin (in—v)
—— N —-rJL •— ——.——„ . _ ■— COS V
v) tg(m—v) sin(m—v) sin (m—v)
42 ) Diese schöne Forme), welche die Breitenkorrektion wegen der Deklinationsänderung so
kurz ausdrückt, finde ich zuerst in der „Handleiding tot de Stmmnannskunst door J. C. Pilaar,
Lieutenant ter Zee*, Bd. I, Leiden 1837, pag. 441. Auch die neueren niederländischen Navigations
bücher von Brouwer und van der Aa haben diese Formel aufgenommen, mit der Herleitung aus
einer etwas umständlichen Elimination, welche auf dem dort eingeschlagenen Wege sich freilich nicht
kürzer durchführen läfst. — In P. W. Tcgners Naut. Astr., Iiiöbenhavn 1840—44, pag. 129, sind,
wahrscheinlich durch ein Versehen in der Substitution des dortigen dP statt d (P—o), sowohl die
Formel, als such die entsprechenden Regeln für diesen Fall unrichtig geworden.