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Reise der Danziger Brigg »Betty“.
versehenes Fahrzeug, das früher auf den nordamerikanischen Binnenseen benutzt
worden war; für seichte Gewässer und zum Tragen grofser [.asten ausge
zeichnet, als Segler aber und besonders mit dem Patentkiel in Unordnung, von
sehr geringer Tauglichkeit. Indessen blieb die Expedition von weiteren Un
fällen verschont. Der „Samosa“ erreichte glücklich den Eingang der Magellan
Straße und wurde von hier von dem Dampfer nach Mine Martha Rhede
geschleppt.
Bald nach Ankunft der Expedition wurde die Zutageförderung der Kohle
in Angriff genommen; auch baute man gröfsere Baracken zur besseren Beher
bergung der Kolouisten, eine Sagemühle, sowie unweit der Kohlenmiue eine
Landuugsbrücke zum Verladen der Kohlen. Bereits nach vier Wochen verliefs
der „Samosa* wieder die Rhede mit einer vollen für Buenos Ayres bestimmten
Kohlenladung.
Inzwischen war die Kompagnie in Buenos Ayres bemüht, mehr Schiffe
für Mine Martha zu chartern. Es gelang ihr noch, zwei, einen Schoner und
eine Bark, letztere von 800 Tonneu Tragfähigkeit, in monatsweiser Befrachtung,
frei von Lotsgeld und Schlcpplohn in der Magellan Straße, zu gewinnen, und
beide Schiffe brachten denn auch je eine volle Ladung her. Da trat eine
Stockung in den Verschiffungsarbeiten der schnell aufgeblühten Kolonie ein.
Der „Samosa* war vou Buenos Ayres zurückgekehrt und im Begriff, eine zweite
Ladung an der bereits ausgebauteu Mole einzunehmen, als am Abend eine
hereiübrechende Böe ihn von seinen ganz nothdürftig befestigten leichten Ver
täuungen rifs — es befand sich nur ein Knabe an Bord, die ganze Besatzung
war am Lande — und ihn auf einen Stein trieb, woselbst er so zugerichtet
wurde, dafs er als Wrack aufgegeben werden mufste. Der Schleppdampfer,
welcher ausgesandt worden war, um die oben erwähnte Bark, welche bereits
wieder von Buenos Ayres kommend auf Punta Arenas Rhede geankert hatte,
von dort nach der Mine zu schleppen, ankerte bei einbreehender Nacht vor der
Mündung des Fitzroy Kanals in Skyriny Water, und würde, ebenfalls ohne
Ankerwache liegend, von dem unerwartet in der Nacht hereinbrechenden WSW-
Wind gleichfalls auf den Strand getrieben, woselbst wir ihn noch sitzen sahen,
als wir beinahe ein Jahr später mit der „Betty* die Stelle passirten. Die Bark
wagte es aber nicht, die Reise von Punta Arenas ohne Hülfe eines Schlepp
dampfers fortzusetzen, und segelte nach mehrwöchentlichem Aufenthalte wieder
ostwärts.
Nach Verlust des Schleppdampfers konnte die Kompagnie trotz gebotener
vortheilhafter Bedingungen keine Schiffe für die Reise nach der Mme gechartert
bekommen. Die vorhandenen Segelanweisungen enthalten auch wenig Ein
ladendes für Segelschiffe. Die Bewohner von Punta Arenas, vielleicht be
fürchtend, dafs ihnen von Mine Martha aus Konkurrenz im Robbenfang gemacht
werden würde, der bereits nnfängt, unergiebig zu werden, riethen jedem ab, die
Reise zu machen, die sie für ein Raasegelschiff geradezu für unausführbar er
klärten, und als nun noch der Verlust der beiden Schiffe bekannt wurde,
gerietb die Navigirung jeuer Gewässer durch Segelschiffe total in Verruf.
Indessen hätte man in der Niederlassung, wenn auch die Verschiffung
bis zur Ankunft der „Betty* für viele Monate unterbrochen worden war, doch
die Zeit nicht unbenutzt gelassen. Es waren Schuppen zur Aufnahme der
Kohlen erbaut und ein ansehnlicher Vorrath darin aufgespeichert worden. Mau
hatte eine neue Mine gegraben, Wege gebaut, die Sägemühle vergröfsert und
eine bedeutende Anzahl Stämme zum Zerschneiden aus dem Walde heran
gebracht. Eine Cisterne mit ausgezeichnetem Trinkwasser war ebenfalls ange
legt worden. Kurz Alles war fertig zum Verladen, und es fehlte nur an Schiffen,
um den Betrieb in der Niederlassung zur weiteren Entwickelung zu bringen.
Zum Verladen hatte man drei Leichter, jeden von etwa 10Tonnen Gehalt; „Betty*
brachte den vierten. Alle sind offen und werden durch Ruder fortbewegt.
Die Einwohnerschaft der Kolonie Mine Martha ist ebenso wie die von
Punta Arenas aus Angehörigen der verschiedensten Nationen zusammengesetzt.
Der Direktor wie ebenso der Administrador sind Spanier, die Ingenieure
Engländer, die Mineure Spanier, Franzosen und Portugiesen, während sich das
Handwerker- und Arbeiterpersoual aus Deutschen, Chilenen, Rassen und Portu
giesen zusammensetzt. Sowohl in Mine Martha als in Punta Arenas findet man