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Reise der Danziger Brigg „Betty“.
Von der Boje, die vor Triton Bank liegen soll, habe ich, trotzdem ich auf der
Hin- wie Rückreise danach suchte, nichts gesehen.
Hat man Second Narrows hinter sich und ist die Gelegenheit günstig, so
nehme man die Route an der Ostseite der Elisabeth-Insel und trachte danach,
dicht unter die westlich gelegene Küste zu kommen. Unter ungünstigen
Umständen suche man Royal Road auf und ankere dort. Beim Verlassen dieses
Ankerplatzes benutzt man die Pdican Passage. Man halte dicht um Kap Porpesse
und Kap Negro herum, um dann in der Nähe der Küste nach Punta Arena* zu
steuern. Der Wind nimmt hier, wenn er über das gebirgige Land weht, einen
böenhaften, unbeständigen Charakter an. Die Windstöße — in der Magellan
Straße „Williwaws“ genannt — wechseln fortwährend zwischen NW und WSW
und fallen nicht selten mit der Stärke 9 ein. Mufs gekreuzt werden, bei Tage
oder bei Nacht, so hat mau darauf zu aehteu, dafs man sich stets nahe dem
ankerbaren Grunde der Küste hält und wendet, wenn der Wind in einer Böe
schral kommt. Indessen kommt es oft genug vor, dafs der Wind nordöstlich
oder östlich ist ohne Böen, und dafs man ohne alle Arbeit in einem einzigen
Zuge nach Punta Arena* gelangt.
Punta Arena* Rhede mufs mau von SO her anlaufen, um das bei Dungeness
Point liegende, mit einer grofsen rothen Boje bezeiebnete Riff zu vermeiden.
Auf der Rhede mufs das Wrack des „Doterel“ vermieden werden, ln Punta
Arenas ist fast alles zu bekommen, was zur Schiffsausrüstung gehört. Auch
bietet sieh hier meistens Gelegenheit, die Mannschaft zu ergänzen, denn Punta
Arena* ist der Sammelplatz der vielen Fahrzeuge, welche im Feuerlandarchipel
auf den Seehundsfang ausgehen. Die Lotsen, welche mau hier ebenfalls
bekommen kann, sind mit den eigenthümliehen Verhältnissen der Straße gut
bekannt; ob ihre Dienste aber den aufserordentlich hohen Lohn, den sie fordern,
werth sind, ist eine andere Frage.
Von Punta Arenas nach Kap Froward kann man ziemlich leicht gelangen.
Bis Freshwater Bai hat man an der Küste noch überall Ankergrund und
weiterhin findet man Ankerplätze in Port Famine, Gun Bai, Indian Bai,
St. Nicolas Bai und anderen Häfen. Die einzige Schwierigkeit ist die Unbe
ständigkeit des Windes, sowohl in Richtung als Stärke, wenn derselbe über
das Land hin weht. Die „Williwaws“ werden um so heftiger, je weiter mau
nach Süden kommt, und sind am stärksten jenseits Kap Isidro bei Kap Froward.
Dies letztere gilt besonders, wenn der Wind aus nördlicher bis nordöstlicher
Richtung ist. Unter gerefften Obermarssegeln und gerefften Untersegeln kann
man indessen dem stärksten Williwaw ruhig entgegen sehen. Das Herannahen
der Windstöfse ist deutlich auf der Oberfläche des Meeres zu erkennen und
geschieht verhältnißmäßig langsam, so dafs man selbst bei etwas starker Segel
führung noch hinreichend Zeit hat, dieselbe zu kürzen. Und selbst wenn man
unversehens überrascht wird, ist die Gefahr noch nicht so grofs. Man hat nur
nöthig, die Segel lebendig zu erhalten; in einer halben Minute spätestens ist
die Böe passirt. Von allen Williwaws, die „Betty“ zwischen Port Famine und
Kap Froward trafen, hielt keine, selbst bei stürmischem Wetter, länger als
20 Sek. an. Die gewöhnliche Dauer war 8—10 Sek.; darauf folgte meistens
totale Stille oder eine gleichmäßige Briese von der Stärke 3—4.
Bei der Fahrt in diesen Gewässern wird der Schiffsführer, der mit der
gehörigen Energie auch die erforderliche Vorsicht verbindet, sein Schiff natürlich
so einrichten, dafs es bequem zu handhaben und auf alle Zufälligkeiten vor
bereitet ist. Bramstengen, Bramraacn und Leescgelspieren sollten herunter
genommen werden; die Anker müssen klar zum Fallenlassen und beide volle
Ankerkettea an Deek sein, ferner Wurfünker mit Tau bereit und das Boot
fertig zum Aussetzern Die beste Segelführung ist ein Reff in den Obermars-
segeln und den Untersegeln. Ist dies bei eintretender mäßiger Briese auch
nicht der Windstärke angemessen, so genügt es bei dem vorhandenen schlichten
Wasser doch, um dem Schiffe Fortgang zu verschaffen. Ist man erst mit den
Witterungsverhältnissen vertraut geworden, so kann man unter Umständen auch
eine stärkere Segclführung riskiren. Die Williwaws wehen nicht immer mit
großer Heftigkeit. Im Gegentheil, es komme» Tage vor, an welchen sie sehr
bescheiden oder auch gar nicht auftreteu. ln der Nacht sind sic selten, und
auch der gewöhnliche Wind flaut meistens gegen Abend ab.