accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

168 
Reise der Danziger Brigg „Betty“. 
Von der Boje, die vor Triton Bank liegen soll, habe ich, trotzdem ich auf der 
Hin- wie Rückreise danach suchte, nichts gesehen. 
Hat man Second Narrows hinter sich und ist die Gelegenheit günstig, so 
nehme man die Route an der Ostseite der Elisabeth-Insel und trachte danach, 
dicht unter die westlich gelegene Küste zu kommen. Unter ungünstigen 
Umständen suche man Royal Road auf und ankere dort. Beim Verlassen dieses 
Ankerplatzes benutzt man die Pdican Passage. Man halte dicht um Kap Porpesse 
und Kap Negro herum, um dann in der Nähe der Küste nach Punta Arena* zu 
steuern. Der Wind nimmt hier, wenn er über das gebirgige Land weht, einen 
böenhaften, unbeständigen Charakter an. Die Windstöße — in der Magellan 
Straße „Williwaws“ genannt — wechseln fortwährend zwischen NW und WSW 
und fallen nicht selten mit der Stärke 9 ein. Mufs gekreuzt werden, bei Tage 
oder bei Nacht, so hat mau darauf zu aehteu, dafs man sich stets nahe dem 
ankerbaren Grunde der Küste hält und wendet, wenn der Wind in einer Böe 
schral kommt. Indessen kommt es oft genug vor, dafs der Wind nordöstlich 
oder östlich ist ohne Böen, und dafs man ohne alle Arbeit in einem einzigen 
Zuge nach Punta Arena* gelangt. 
Punta Arena* Rhede mufs mau von SO her anlaufen, um das bei Dungeness 
Point liegende, mit einer grofsen rothen Boje bezeiebnete Riff zu vermeiden. 
Auf der Rhede mufs das Wrack des „Doterel“ vermieden werden, ln Punta 
Arenas ist fast alles zu bekommen, was zur Schiffsausrüstung gehört. Auch 
bietet sieh hier meistens Gelegenheit, die Mannschaft zu ergänzen, denn Punta 
Arena* ist der Sammelplatz der vielen Fahrzeuge, welche im Feuerlandarchipel 
auf den Seehundsfang ausgehen. Die Lotsen, welche mau hier ebenfalls 
bekommen kann, sind mit den eigenthümliehen Verhältnissen der Straße gut 
bekannt; ob ihre Dienste aber den aufserordentlich hohen Lohn, den sie fordern, 
werth sind, ist eine andere Frage. 
Von Punta Arenas nach Kap Froward kann man ziemlich leicht gelangen. 
Bis Freshwater Bai hat man an der Küste noch überall Ankergrund und 
weiterhin findet man Ankerplätze in Port Famine, Gun Bai, Indian Bai, 
St. Nicolas Bai und anderen Häfen. Die einzige Schwierigkeit ist die Unbe 
ständigkeit des Windes, sowohl in Richtung als Stärke, wenn derselbe über 
das Land hin weht. Die „Williwaws“ werden um so heftiger, je weiter mau 
nach Süden kommt, und sind am stärksten jenseits Kap Isidro bei Kap Froward. 
Dies letztere gilt besonders, wenn der Wind aus nördlicher bis nordöstlicher 
Richtung ist. Unter gerefften Obermarssegeln und gerefften Untersegeln kann 
man indessen dem stärksten Williwaw ruhig entgegen sehen. Das Herannahen 
der Windstöfse ist deutlich auf der Oberfläche des Meeres zu erkennen und 
geschieht verhältnißmäßig langsam, so dafs man selbst bei etwas starker Segel 
führung noch hinreichend Zeit hat, dieselbe zu kürzen. Und selbst wenn man 
unversehens überrascht wird, ist die Gefahr noch nicht so grofs. Man hat nur 
nöthig, die Segel lebendig zu erhalten; in einer halben Minute spätestens ist 
die Böe passirt. Von allen Williwaws, die „Betty“ zwischen Port Famine und 
Kap Froward trafen, hielt keine, selbst bei stürmischem Wetter, länger als 
20 Sek. an. Die gewöhnliche Dauer war 8—10 Sek.; darauf folgte meistens 
totale Stille oder eine gleichmäßige Briese von der Stärke 3—4. 
Bei der Fahrt in diesen Gewässern wird der Schiffsführer, der mit der 
gehörigen Energie auch die erforderliche Vorsicht verbindet, sein Schiff natürlich 
so einrichten, dafs es bequem zu handhaben und auf alle Zufälligkeiten vor 
bereitet ist. Bramstengen, Bramraacn und Leescgelspieren sollten herunter 
genommen werden; die Anker müssen klar zum Fallenlassen und beide volle 
Ankerkettea an Deek sein, ferner Wurfünker mit Tau bereit und das Boot 
fertig zum Aussetzern Die beste Segelführung ist ein Reff in den Obermars- 
segeln und den Untersegeln. Ist dies bei eintretender mäßiger Briese auch 
nicht der Windstärke angemessen, so genügt es bei dem vorhandenen schlichten 
Wasser doch, um dem Schiffe Fortgang zu verschaffen. Ist man erst mit den 
Witterungsverhältnissen vertraut geworden, so kann man unter Umständen auch 
eine stärkere Segclführung riskiren. Die Williwaws wehen nicht immer mit 
großer Heftigkeit. Im Gegentheil, es komme» Tage vor, an welchen sie sehr 
bescheiden oder auch gar nicht auftreteu. ln der Nacht sind sic selten, und 
auch der gewöhnliche Wind flaut meistens gegen Abend ab.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.