Reise der Daniiger Brigg „Betty*.
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mein Eigenthum ist. Der Erfolg hat bewiesen, dafs mein Vertrauen berechtigt
war und dafs es keiuenfalls unmöglich ist, mit einem Raasegelschiff Skyring
Water zu erreichen. Allerdings ist aber die Navigation der Magellan Straße
und der angrenzenden Gewässer mit besonderen Schwierigkeiten verknüpft und
erfordert die volle Umsicht und Energie des Schi Anführers.
Natorgemäfs bildet die Magellan Straße den passendsten Zufluchtsort für
alle auf der Reise nach West oder nach Ost um das Kap Horn seeuntüchtig
gewordenen Schiffe. Es sind geschlossene Häfen am Ostoingang der Strafse
vorhanden, in denen ein Schiff auf weichem Grund mit der Ebbe trocken fallend
selbst den Boden repariren kann. In Punta Arena* ist fast alles zu bekommen,
was ein Schiff zur Reparatur nöthig hat, und was dort nicht vorhanden ist,
kann vermittelst der vielen Dampferlinien, von deren Schiffen fast täglich eines
Punta Arenas anläuft oder passirt, in kurzer Zeit von einem chilenischen Hafen
bezogen werden. Manches Segelschiff könnte gerettet worden sein, wenn der
Führer mit der Navigation der Strafse vertraut gewesen wäre. Dies voraus
gesetzt glaube ich, dafs es für viele meiner Kollegen, die ihre Reise um das
Kap Harn herum zu machen oder vielleicht in der Strafse eine Ladung einzu-
uehmen haben, von Interesse sein wird, wenn ich hier auf Grund meiner
Erfahrung noch einige Bemerkungen und Rathschläge bezüglich der Segelschiff-
fahrt in der Magellan Straße und den angrenzenden Gewässern folgen lasse.
Au der Ostküste von Patagonien kommt das stürmische Wetter gewöhnlich
mit SW-Wind. Derselbe hält ein bis drei Tage an. Nachdem or abgeflaut und
das vorher trübe und regnerische Wetter abgeklart ist, holt der Wind nord
westlich oder nördlich und es bleibt meistens für einige Tage gutes Wetter.
Eine solche Zeit warte man ab, bevor mau den Versuch macht, in die Magellan-
Straße zu gelangen. Beim Änsegeln ist es am besten, Kap Fairweather in
Sicht zu laufen und dann längs der Küste nach Kap Virgin* zu steuern, denn auf
diese Weise erhält man Schutz bei den südwestlichen Winden, mit denen in der
Strafse doch nichts anzufangeu ist; man kann beidrehen und eine Regelung des
Wetters ab warten.
Mit nördlichem oder nordwestlichem Winde einsegelnd, steuere man auf
Kap Virgins und von dort, dicht an der Küste haltend, um Point Dungeness herum.
Wenn diese Spitze passirt ist, sollte mau seine Segelftihrung so einriebten, dafs
man Böen von der Stärke 8 oder 9, die weiter in die Strafse hinein von den
nördlich gelegenen Bergen kommen, ertragen kaüu. Das Wasser ist glatt, und
das Schiff kann daher die etwa entgegen kommende Ebbe, die entlang der
Küste wohl nicht mehr als 2'/-> oder 3 Sin läuft, leicht überwinden.
Point Dungeness, welches mit einer Bake versehen ist, ist die erste
unverkennbare Landmarke. Von dieser ausgehend suche mau in der Karte die
Peilung von Mount Diner» und Daniel Point, um diese Punkte nach dem Kompafs
finden zu können. Hat man dieselben ausgemacht, so ist es ein Leichtes,
weitere Anhaltspunkte für die Ortsbestimmung zu gewinnen. Kap Posstssion hat
eine auf dem Gipfel des Berges stehende Bake, und weiterhin gewahrt man
bereits von Possession Bai aus die Bake auf Direction Hill. Mit Hülfe dieser
Landmarko wird man dann leicht Orange HM am jenseitigen Ufer finden.
Kann man First Norrows nicht mehr erreichen, so suche man Possession Bai
auf und ankere dort. Das Loth ist dabei in der Nacht ein guter Führer Die
vorhandenen Seekarten sind durchaus zuverlässig. Gestatten Wind und Strom,
First Narrows noch bei Tage zn durchsegeln, so halte man recht die Mitte des
Fahrwassers bis Delgada Point; von hier an empfiehlt es sich, etwas näher an
das südliche Ufer zu gehen. Da der Strom zeitweise mehr als 7 Sin läuft,
passirt man die Enge in kurzer Zeit. „Betty* gebrauchte bei leichtem südöst
lichen Winde eine Stunde. Die Ufer vorlaufen fast parallel und sind rein von
Untiefen, so dafs ein Unklartreiben bei eintretender Stille nicht zu befürchten
ist. Auf Bauu Point befindet sich eine Balte, die den Eingang kennzeichnen
soll, wenn man vou Westen kommt, ln der Enge ist dieselbe als Peilungs
objekt nicht zu verwenden. Das Becken zwischen First und Second Narrows
ist gut ausgelothet und hat fast überall Ankergrund. Man thut indessen gut,
seinen Kurs so zu wählen, dafs man auf seiner etwaigen Rückzugslinie stets
Ankerplätze hat, die hauptsächlich Schutz gegen südwestliche Winde gewähren,
denn diese sind es, die eine wirklich erregte Sec in diesem Becken hervorrufen.