accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

Reise der Daniiger Brigg „Betty*. 
167 
5* 
mein Eigenthum ist. Der Erfolg hat bewiesen, dafs mein Vertrauen berechtigt 
war und dafs es keiuenfalls unmöglich ist, mit einem Raasegelschiff Skyring 
Water zu erreichen. Allerdings ist aber die Navigation der Magellan Straße 
und der angrenzenden Gewässer mit besonderen Schwierigkeiten verknüpft und 
erfordert die volle Umsicht und Energie des Schi Anführers. 
Natorgemäfs bildet die Magellan Straße den passendsten Zufluchtsort für 
alle auf der Reise nach West oder nach Ost um das Kap Horn seeuntüchtig 
gewordenen Schiffe. Es sind geschlossene Häfen am Ostoingang der Strafse 
vorhanden, in denen ein Schiff auf weichem Grund mit der Ebbe trocken fallend 
selbst den Boden repariren kann. In Punta Arena* ist fast alles zu bekommen, 
was ein Schiff zur Reparatur nöthig hat, und was dort nicht vorhanden ist, 
kann vermittelst der vielen Dampferlinien, von deren Schiffen fast täglich eines 
Punta Arenas anläuft oder passirt, in kurzer Zeit von einem chilenischen Hafen 
bezogen werden. Manches Segelschiff könnte gerettet worden sein, wenn der 
Führer mit der Navigation der Strafse vertraut gewesen wäre. Dies voraus 
gesetzt glaube ich, dafs es für viele meiner Kollegen, die ihre Reise um das 
Kap Harn herum zu machen oder vielleicht in der Strafse eine Ladung einzu- 
uehmen haben, von Interesse sein wird, wenn ich hier auf Grund meiner 
Erfahrung noch einige Bemerkungen und Rathschläge bezüglich der Segelschiff- 
fahrt in der Magellan Straße und den angrenzenden Gewässern folgen lasse. 
Au der Ostküste von Patagonien kommt das stürmische Wetter gewöhnlich 
mit SW-Wind. Derselbe hält ein bis drei Tage an. Nachdem or abgeflaut und 
das vorher trübe und regnerische Wetter abgeklart ist, holt der Wind nord 
westlich oder nördlich und es bleibt meistens für einige Tage gutes Wetter. 
Eine solche Zeit warte man ab, bevor mau den Versuch macht, in die Magellan- 
Straße zu gelangen. Beim Änsegeln ist es am besten, Kap Fairweather in 
Sicht zu laufen und dann längs der Küste nach Kap Virgin* zu steuern, denn auf 
diese Weise erhält man Schutz bei den südwestlichen Winden, mit denen in der 
Strafse doch nichts anzufangeu ist; man kann beidrehen und eine Regelung des 
Wetters ab warten. 
Mit nördlichem oder nordwestlichem Winde einsegelnd, steuere man auf 
Kap Virgins und von dort, dicht an der Küste haltend, um Point Dungeness herum. 
Wenn diese Spitze passirt ist, sollte mau seine Segelftihrung so einriebten, dafs 
man Böen von der Stärke 8 oder 9, die weiter in die Strafse hinein von den 
nördlich gelegenen Bergen kommen, ertragen kaüu. Das Wasser ist glatt, und 
das Schiff kann daher die etwa entgegen kommende Ebbe, die entlang der 
Küste wohl nicht mehr als 2'/-> oder 3 Sin läuft, leicht überwinden. 
Point Dungeness, welches mit einer Bake versehen ist, ist die erste 
unverkennbare Landmarke. Von dieser ausgehend suche mau in der Karte die 
Peilung von Mount Diner» und Daniel Point, um diese Punkte nach dem Kompafs 
finden zu können. Hat man dieselben ausgemacht, so ist es ein Leichtes, 
weitere Anhaltspunkte für die Ortsbestimmung zu gewinnen. Kap Posstssion hat 
eine auf dem Gipfel des Berges stehende Bake, und weiterhin gewahrt man 
bereits von Possession Bai aus die Bake auf Direction Hill. Mit Hülfe dieser 
Landmarko wird man dann leicht Orange HM am jenseitigen Ufer finden. 
Kann man First Norrows nicht mehr erreichen, so suche man Possession Bai 
auf und ankere dort. Das Loth ist dabei in der Nacht ein guter Führer Die 
vorhandenen Seekarten sind durchaus zuverlässig. Gestatten Wind und Strom, 
First Narrows noch bei Tage zn durchsegeln, so halte man recht die Mitte des 
Fahrwassers bis Delgada Point; von hier an empfiehlt es sich, etwas näher an 
das südliche Ufer zu gehen. Da der Strom zeitweise mehr als 7 Sin läuft, 
passirt man die Enge in kurzer Zeit. „Betty* gebrauchte bei leichtem südöst 
lichen Winde eine Stunde. Die Ufer vorlaufen fast parallel und sind rein von 
Untiefen, so dafs ein Unklartreiben bei eintretender Stille nicht zu befürchten 
ist. Auf Bauu Point befindet sich eine Balte, die den Eingang kennzeichnen 
soll, wenn man vou Westen kommt, ln der Enge ist dieselbe als Peilungs 
objekt nicht zu verwenden. Das Becken zwischen First und Second Narrows 
ist gut ausgelothet und hat fast überall Ankergrund. Man thut indessen gut, 
seinen Kurs so zu wählen, dafs man auf seiner etwaigen Rückzugslinie stets 
Ankerplätze hat, die hauptsächlich Schutz gegen südwestliche Winde gewähren, 
denn diese sind es, die eine wirklich erregte Sec in diesem Becken hervorrufen.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.