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Strömlings- und Schiffahrt«-Verhältnisse an der Congo-Miindung etc.
und nach meiner Karte 5,0m (2 8 /* Fad.) Wasser stehen sollen, zu ver
meiden, über Stag gehen wollte, versagte das Schiff die Wendung und war in
keiner Weise auf seinen Kurs zu bringen. Es blieb uns deshalb nichts anderes
übrig, als den Anker fallen zu lassen. Um 3 Uhr Nachmittags konnte bei einer
frischen südwestlichen Briese der Anker wieder gelichtet werden. Der Strom
setzte mit einor Geschwindigkeit von 3 Sm die Stunde nach NNW. Da es nicht
möglich war, das Schiff über St. B. unter Segel zu bekommen, so liefs ich erst
über ß. B. weg liegen. Bei einer Fahrt von 6 Kn durchs Wasser steuerte das
Schiff gut; als es aber beim Weuden bereits 37* Strich durch den Wind
gekommen war, wollte es nicht weiter abfallen, obwohl wir den Klüver back
liegen liefseo und den Besan herunter holten. Da das Schiff mit den backen
Segeln und quer im Strom sich dem Lande näherte, so mufste abermals geankert
werden und zwar für die Dauer der ganzen Nacht. Da mein Schiff im Allge
meinen gut steuert, so nehme ich an, dafs der eben geschilderte Vorfall durch
die schon erwähnte Unterströmung, welche der oberen Strömung entgegensetzt,
veranlafst wurde.
Am Morgen des 12. Oktober war der Wind SW. Wegen der geringen
Entfernung vom Laude war es nicht möglich, das Schiff in der gewöhnlichen
Weise unter Segel zu bringen; ich liefs deshalb einen Wurfanker mit einer
guten Trosse fertig machen, setzte alle Segel bis auf den Besan und lichtete
den Buganker. Als das Schiff quer im Strom dem Lande zu lag, liefs ich vom
Heck den Wurfanker fallen. Das Schiff kam indesseu nicht weiter als bis Nord
auf und trieb, indem die Leine am Wurfanker nach SEzS zeigte, auf flacheres
Wasser. Als wir uns der Bank, die bei Vista (Shipping place) sich heraus
streckt, bis 6,8 m (3 3 /* Fad.) Wassertiefe genähert hatten und die hohe
Brandung in Lee nur 7* Sm von uns entfernt war, nahm ich deshalb den
Augenblick, als das Schiff bis NzW anluvte, wahr, um die Wurfleine zu kappen.
Das Schiff luvte dann bis NW auf, uud es gelang uus, frei zu kommen. Um
12 Uhr Mittags stand „General Bnalmont“ bei leichtem Westwind frei vom
Lande in 5° 52' S-Br und 12° 4' O-Lg.
Durch das lange Stilleliegen auf dem Conga war der Kupferbeschlag
meines Schiffes gänzlich bewachsen, ähnlich wie dieses bei den Böden der
eisernen Schiffe der Fall ist. Die Segelfähigkeit des Schiffes war infolge davon
auch nur gering, so dafs alle Schiffe an uns vorbeiliefen.“
Reise der Danziger Brigg „Betty“, Kapt. A. Bend rat,
von Buenos Ayres nach Mine Martha (Skyring Water) und zurück. 1 )
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.)
(Schlafs von pag. 100.)
Kapt. Bendrat knüpft an seinen Reisebericht die folgenden Bemerkungen
über die Navigation der von ihm besuchten Gewässer:
„Wenn es möglich war, mit den unbeholfenen Segelschiffen früherer
Jahrhunderte die Schwierigkeiten der Magellan Straße zu überwinden, so dürfte
ein Seemann jetziger Zeit, der ein mit doppelten Marsraaen, Pateutaukerwinde,
Ankerketten statt der Taue und sonstigen modernen Verbesserungen versehenes
Schiff' unter den Füfsen hat, und dem die Erfahrungen seiner Vorgänger in
Karten uud Büchern zur Seite stehen, dazu doch erst recht im Stande sein.
Dies sagte ich mir, als ich in Buenos Ayres die Fracht nach Mine Martha annahm.
Es war nach keiner Richtung hin eine nur einigermafsen lohnende Beschäftigung
für „Betty“ zu finden. Die Frachten nach Europa, soweit solche überhaupt
vorhanden, waren so niedrig, dafs sie kaum die Unkosten deckten. So blieb
nur die Wahl zwischen direktem Verlust und lohnendem Verdienst, uud ich
blieb bei derselben um so weniger lauge unschlüssig, als das Schiff zur Hälfte
Alle Kurse, Peilungen und Windrichtungen sind rechtweisend.