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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

Strömungs-  nud  SchifEahrts  -Verhältnisse  an  der  Congo-Mfindnng  etc.
erstere.  Der  einzige  Lotse,  der  in  Banana  ansässig  ist,  kommt  gewöhnlich  an
Bord,  wenn  sich  das  Schiff  French  Point  nähert.  Derselbe  hat  bei  der  holländischen ­
  Faktorei  eine  eiuflufsreiche  Stellung,  indem  er  die  Ein*  und  Ausschiffung
der  Waaren  für  dieselbe  leitet.  Das  Lotsengeschäfc  betreibt  er  nebenbei.  Da
er  früher  viele  Jahre  als  Kapitän  gefahren  hat  und  auch  als  Lotse  sehr  tüchtig
ist,  so  darf  jeder  Schiffsführer,  der  hierher  kommt,  ihm  volles  Vertrauen
schenken.  Das  Lotsengeld  beträgt  für  Ein-  und  Ausbringen  des  Schiffes
14  Lstrl.  Scbiffsführer  thun  wohl,  bei  einem  Frachtabschluß  für  Banana,  wenn
irgend  möglich,  in  die  Chartepartie  die  Klausel  „frei  von  Kosten  in  Banana“
aufnehmcu  zu  lassen,  weil  sie  dann  auch  von  der  Zahlung  des  Lotsengeldes
entbunden  sind,  welches  an  ihrer  Stelle  der  Empfänger  der  Ladung  zu  zahlen
hat.  Alle  Schiffe  sollten  in  Banana  gut  vertäut  liegen,  da  Falle  vorgekommen
sind,  dafs  Schiffe  bei  ungenügender  Wachsamkeit  während  der  Nacht  in  den
Congo  hinausgetrieben  sind.
Die  bedeutendste  Faktorei  in  Banana  ist  die  schon  erwähnte  holländische.
Aufserdein  sind  noch  eine  französische  und  eine  englische  Faktorei  vorhanden,
welch  letztere  früher  portugiesisches  Eigenthum  war.  Eine  englische  Missionsstation,
  welche  auf  belgischem  Grunde  belegen  ist,  wird  in  nächster  Zeit  ein*
gehen  müssen,  weil  die  Belgier  daselbst  eine  Handelsniederlassung  gründen
wollen.
Schiffsproviaut  ist  weder  in  Banana  noch  in  irgend  einem  andern  Platze
am  Congo  zu  bekommen.  Frisches  Rindfleisch  ist  nicht  vorräthig;  höchstens
gelingt  es  einmal,  eine  Ziege  oder  ein  Schaf  zu  erstehen,  die  aber  sehr  mager
sind.  Der  Preis  eines  Schafes  beläuft  sich  auf  1  Lstrl.  5  sh.  Schiffe,  die  für
die  holländische  Faktorei  geladen  haben,  können  mitunter  frisches  Rindfleisch
bekommen.  Es  ist  mir  iudefs  nicht  bekannt  geworden  zu  welchem  Preise,  weil
ich  für  die  Belgisch-afrikanische  Expedition  beschäftigt  und  an  die  französische
Faktorei  konsignirt  war.  Von  den  Negern  kann  man  junge  Hühner,  Eier  nud
Bananen  kaufen,  aber  zu  einem  sehr  hohen  Preise.  Am  besten  lassen  sich  diese
Artikel  gegen  leere  Flaschen  eintauschen.  Die  aus  weifsetn  Glase  angefertigteu
Flaschen  stehen  höher  im  Preise,  als  die  dunkeln  Bierflaschen.  Von  Münzen
kann  man  am  besten  englische  Schilling-  und  ZweischilLingstücke  verwerthen,
Halbe  Kronen  nehmen  die  Leute  nicht  an,  oder  doch  nur  ungern,  und  da  ihnen
der  Werth  derselben  nicht  bekannt  ist,  immer  nur  zu  2  sh.  Goldmünzen  kann
man  hier  weder  zum  Einkäufen  benutzen  noch  gewechselt  erhalten.  Der  einzige
hier  wohnhafte  Arzt,  ein  geborener  Mecklenburger,  erhält  ein  Honorar  von
10  Lstrl.,  wenn  man  ihn  für  die  ganze  Zeit  der  Anwesenheit  in  Banana
engagirt,  ohne  die  etwa  erforderlichen  Arzeneimittel,  welche  besonders  zu
zahlen  sind.  Im  andern  Fall  nimmt  der  Arzt  für  jeden  Krankenbesuch  an  Bord
1  Lstrl.  Trinkwasser  ist  im  Banana  Creek  nicht  zu  bekommen.  Dieses  hat  man
mitten  auf  dem  Congo,  quer  ab  von  Boolambemba  Point,  zu  schöpfen,  wohin  auch
die  Faktoreien  täglich  ihre  Leichter  zu  diesem  Zwecke  senden.
Am  9.  Oktober  1882  traten  wir  die  Heimreise  nach  Falmouth  für  Order
an,  indem  wir  bis  French  Point  hinunter  trieben.  Am  Nachmittage  des
10.  Oktober  wurde  mit  der  Seebriese  über  den  Congo  gesegelt  und  darauf
etwas  östlich  von  Viva  Creek  auf  12,6  in  (7  Fad.)  Tiefe  geankert,  um  den
nöthigen  Vorrath  an  Triukwasser  an  Bord  zu  nehmen.  Dieser  Ankerplatz  ist
kein  guter,  weil  hier  ein  sehr  starker  Strom  läuft,  der  das  Aufwinden  des
Ankers  sehr  erschwert.  Leider  waren  wir  der  vorgerückten  Tageszeit  halber
gezwungen  zu  ankern.  Erst  um  4  Uhr  Nachmittags  war  die  Briese  stark  genug
geworden,  um  von  French  Point  den  in  den  Banana  Creek  ersetzenden  Fluthstrom
sowie  die  draufsen  laufende  unregclmäfsige  Strömung  bewältigen  zu  können.
Am  besten  verfährt  man  beim  Wassereinnehmen,  indem  man  eine  Zeit  lang  vor
dem  Winde  den  Congo  hinauf  steuert  und  inzwischen  so  rasch  als  möglich  die
Wassex’fässer  füllt.  Wenn  dieses  geschehen  ist,  läfst  man  das  Schiff  hinuntertreiben. ­

Da  es  mir  nicht  gerathen  schien,  in  der  Nacht  den  Versuch  zu  machen,
aus  dem  Congo  hinauszutreiben,  blieben  wir  vor  Anker  liegen  und  gingen  am
Morgen  des  11.  Oktober  mit  dem  Landwinde  unter  Segel.  Alles  ging  auch
anfänglich  gut;  als  ich  aber,  um  die  Lee  Patches,  anf  welche  das  Schiff  gerade
zutrieb  und  über  welchen  nach  dem  „Africa  Pilot“,  pag.  81,  3,2  m  (1 S A  Fad.),
Ana.  4  Hjrir.  «W-,  1833,  Haft  Ul.  5
            
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