Strömungs- nud SchifEahrts -Verhältnisse an der Congo-Mfindnng etc.
erstere. Der einzige Lotse, der in Banana ansässig ist, kommt gewöhnlich an
Bord, wenn sich das Schiff French Point nähert. Derselbe hat bei der hollän
dischen Faktorei eine eiuflufsreiche Stellung, indem er die Ein* und Ausschiffung
der Waaren für dieselbe leitet. Das Lotsengeschäfc betreibt er nebenbei. Da
er früher viele Jahre als Kapitän gefahren hat und auch als Lotse sehr tüchtig
ist, so darf jeder Schiffsführer, der hierher kommt, ihm volles Vertrauen
schenken. Das Lotsengeld beträgt für Ein- und Ausbringen des Schiffes
14 Lstrl. Scbiffsführer thun wohl, bei einem Frachtabschluß für Banana, wenn
irgend möglich, in die Chartepartie die Klausel „frei von Kosten in Banana“
aufnehmcu zu lassen, weil sie dann auch von der Zahlung des Lotsengeldes
entbunden sind, welches an ihrer Stelle der Empfänger der Ladung zu zahlen
hat. Alle Schiffe sollten in Banana gut vertäut liegen, da Falle vorgekommen
sind, dafs Schiffe bei ungenügender Wachsamkeit während der Nacht in den
Congo hinausgetrieben sind.
Die bedeutendste Faktorei in Banana ist die schon erwähnte holländische.
Aufserdein sind noch eine französische und eine englische Faktorei vorhanden,
welch letztere früher portugiesisches Eigenthum war. Eine englische Missions-
station, welche auf belgischem Grunde belegen ist, wird in nächster Zeit ein*
gehen müssen, weil die Belgier daselbst eine Handelsniederlassung gründen
wollen.
Schiffsproviaut ist weder in Banana noch in irgend einem andern Platze
am Congo zu bekommen. Frisches Rindfleisch ist nicht vorräthig; höchstens
gelingt es einmal, eine Ziege oder ein Schaf zu erstehen, die aber sehr mager
sind. Der Preis eines Schafes beläuft sich auf 1 Lstrl. 5 sh. Schiffe, die für
die holländische Faktorei geladen haben, können mitunter frisches Rindfleisch
bekommen. Es ist mir iudefs nicht bekannt geworden zu welchem Preise, weil
ich für die Belgisch-afrikanische Expedition beschäftigt und an die französische
Faktorei konsignirt war. Von den Negern kann man junge Hühner, Eier nud
Bananen kaufen, aber zu einem sehr hohen Preise. Am besten lassen sich diese
Artikel gegen leere Flaschen eintauschen. Die aus weifsetn Glase angefertigteu
Flaschen stehen höher im Preise, als die dunkeln Bierflaschen. Von Münzen
kann man am besten englische Schilling- und ZweischilLingstücke verwerthen,
Halbe Kronen nehmen die Leute nicht an, oder doch nur ungern, und da ihnen
der Werth derselben nicht bekannt ist, immer nur zu 2 sh. Goldmünzen kann
man hier weder zum Einkäufen benutzen noch gewechselt erhalten. Der einzige
hier wohnhafte Arzt, ein geborener Mecklenburger, erhält ein Honorar von
10 Lstrl., wenn man ihn für die ganze Zeit der Anwesenheit in Banana
engagirt, ohne die etwa erforderlichen Arzeneimittel, welche besonders zu
zahlen sind. Im andern Fall nimmt der Arzt für jeden Krankenbesuch an Bord
1 Lstrl. Trinkwasser ist im Banana Creek nicht zu bekommen. Dieses hat man
mitten auf dem Congo, quer ab von Boolambemba Point, zu schöpfen, wohin auch
die Faktoreien täglich ihre Leichter zu diesem Zwecke senden.
Am 9. Oktober 1882 traten wir die Heimreise nach Falmouth für Order
an, indem wir bis French Point hinunter trieben. Am Nachmittage des
10. Oktober wurde mit der Seebriese über den Congo gesegelt und darauf
etwas östlich von Viva Creek auf 12,6 in (7 Fad.) Tiefe geankert, um den
nöthigen Vorrath an Triukwasser an Bord zu nehmen. Dieser Ankerplatz ist
kein guter, weil hier ein sehr starker Strom läuft, der das Aufwinden des
Ankers sehr erschwert. Leider waren wir der vorgerückten Tageszeit halber
gezwungen zu ankern. Erst um 4 Uhr Nachmittags war die Briese stark genug
geworden, um von French Point den in den Banana Creek ersetzenden Fluthstrom
sowie die draufsen laufende unregclmäfsige Strömung bewältigen zu können.
Am besten verfährt man beim Wassereinnehmen, indem man eine Zeit lang vor
dem Winde den Congo hinauf steuert und inzwischen so rasch als möglich die
Wassex’fässer füllt. Wenn dieses geschehen ist, läfst man das Schiff hinunter
treiben.
Da es mir nicht gerathen schien, in der Nacht den Versuch zu machen,
aus dem Congo hinauszutreiben, blieben wir vor Anker liegen und gingen am
Morgen des 11. Oktober mit dem Landwinde unter Segel. Alles ging auch
anfänglich gut; als ich aber, um die Lee Patches, anf welche das Schiff gerade
zutrieb und über welchen nach dem „Africa Pilot“, pag. 81, 3,2 m (1 S A Fad.),
Ana. 4 Hjrir. «W-, 1833, Haft Ul. 5