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Weyer: Bestimmung des Beobachtungsortes etc.
Schrift wirklich so allgemein empfohlen. Da sich die trigonometrische Auf
lösung, die ich auch mit einigen Zeilen erwähne, sogleich von selbst darbietet,
so hätte jener Vorschlag allein noch keine zwei Bogen füllen können, und da
ich ex officio etwas schreiben mufsfce, wozu ich doch absichtlich nur etwas
Unbedeutendes wählen wollte, so machte ich mir den Spafs, zu zeigen, wie man
eben das Resultat eben so leicht durch eine geschickte Behandlung der blofseu
zwei Öleichungen erhalten könne; der Vorschlag war mir die Hauptsache, die
Ausführung der Rechnung ist dabei etwas so Gleichgültiges wie der Unterschied,
ob man mit Dinte oder mit Graphit schreibt. Delambre aber behauptet, der
Vorschlag selbst sei schon sehr lange bekannt (obgleich ich bis diese Stunde
noch nicht weifs, durch wen?), er bezieht also meine Methodus nova blofs
auf die eigene Behandlung der trigonometrischen Aufgabe, was mir nie ein
gefallen ist.“* 6 )
Einen bleibenden Werth aber hat das Programm von Gauss auch noch
für die Differentialformeln der Aufgabe, worauf weiter unten zurückzukommen
ist. Aus derselben Zeit findet sich eine originelle, von Regiomontan’s
Berechnungsplan der drei Dreiecke abweichende Behandlung, welche der Direktor
van Beeck Calkoen (Berl. Astr. Jahrb. f. 1812, pag. 175) angab, indem er
den Distanzbogen zwischen beiden bekannten Sternörtern bis zum Aequator ver
längerte, dessen Winkel mit dem Aequator bestimmte und schliefslich den
Winkel zwischen Aequator und Horizont als Breitenkomplement suchte. Aber
die Auflösung wurde damit bedeutend länger als nach dem gewöhnlichen Ver
fahren. Letzteres läfst sich leider auch von der eigenthümlichen analytischen
Methode sagen, die Mollweide (Mon. Corr. 1809, Juni, Bd. 19, pag. 545—551)
producirte, indem er aus den beiden Grundgleichungen des Problems, mittelst
J —- jp2 2 2
der Substitution tg (45 — V* v) = z, wodurch sin <p — =—r—^ und cos y = ?
wurde, die Elimination ausführte, und schliefslich alle gesuchten Gröfsen loga-
rithmi80h durch Tangenten bestimmte. Eine dabei am Schlüsse gemachte
Voraussetzung (pag. 549), dafs <f> in jedem Palle positiv werden müsse, sollte
ein Kennzeichen abgeben für die Wahl der gesuchten Auflösung unter zwei
gefundenen Werthen, welches wohl bald nachher von Mollweide selbst
als ein Irrthum erkannt sein wird, obgleich Delambre hierbei in Uebereilung
rühmend zustimmte.* 7 )
Es ist nun noch übrig, jenes in Kap. 11 besprochene Formelsystcm auch
auf die Lösung dieser Aufgabe mit zwei ganz verschiedenen Deklinationen
*>) Neben diesen vertraulichen Aeufserungen liest man auch Folgendes darüber in den Gott,
gel. Anz. v. 14.Dec. 1811: „Herr Delambre kommt noch einmal auf die kleine Abb. von Gauss
zurück, worin die Beob. zweier Höhen zweier bekannten Sterne zur Zeit- und Breitenbestimmung
vorgesehlagen war, und wovon er in dem vorhergehenden Bde. der C. d. X. gesprochen hatte. Wir
linden in dem, was er darüber und über den Vorzug der Synthese vor der Analyse sagt, einen neuen
Beweis unser« bei Anzeige jenes Bandes geäufserten U«heile, dafs Hr. D. den Zweck jener Schrift
ganz unrichtig aufgefafst habe. Dieser an seinem Orte ganz deutlich ausgesprochene Zweck war,
eine Combination von Beobb. zur Bestimmung der Polhöhe zu empfehlen, die dazu unter manchen
Umständen sehr brauchbar ist und, soviel der Verf. wütete und bis diese Stunde weifs, dazu in der
Allgemeinheit noch nicht vorgeschlagen war, daher er sie eine neue Methode nannte. Die Be
rechnung solcher Beobb. gründet sich dann, wie Gauss damals gleichfalls zeigte, auf ein Problem,
dessen geometrische Auflösung seit Tycho’s Zeiten bekannt ist; wenn daher der Verf., nachdem er
diese mit wenig Worten vollständig angedeutet hatte, noch zwei Seiten verwandte, zu zeigen, dafs
sich dieselbe Auflösung kurz und elegant auch auf rein analytischem Wege linden lasse, so geschah
dies nur, weil er glaubte, dafs Freunden der Analyse eine solche sich gerade nicht von selbst dar
bietende und einige Kunst erfordernde Entwickelung angenehm sein könnte, ohne sich träumen zu
lassen, dafs Jemand dies so auslegen könnte, als oh damit alle geometrische Behandlung, deren Werth
bekannt und entschieden genug ist, verdrängt werden sollte. Hm. Delambre’* Bemerkungen über
die gegenseitigen Vorzüge des analytischen und geometrischen Verfahrens vor einander sind daher,
wenn auch meistens völlig gegründet, doch durchaus nicht an ihrem Platze.“
St) Gauss änfserte sich hierüber in den Götting. gel. Anz. v. 24. Sept. 1810, bei der Be
sprechung der Erscheinung der Conn. d. T. 1811: . . . „Auch die in der Mon. Corr. von Moll
weide mitgetheilte Auflösung desselben Problems führt Delambre an und rühmt an ihr, obwohl
er sie aus andern Rücksichten der trigonometrischen nachsetzt, die Leichtigkeit, womit bei derselben
von den beiden Wurzeln der Gleichung die rechte ausgewählt werden könne. Diesem Urtheil können
wir nicht beipflichten: denn das von Molt weide angeführte Kriterium ist zwar einfach, aber
unstatthaft und der Aufgabe fremd."