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Weyer: Bestimmung des Beobachtnngsortes eie.
zwischen de» Beobachtungen verflossene Sternzcit zu ändern sei, wodurch die
Aufgabe auf den Fall der gleichzeitigen Beobachtung zurückgeführt wurde.
Aber dies einfache Verfahren, welches Gauss ebenso wieder vorschlägt, war
schon zur Zeit des jüngeren (W. L.) Krafft uicht mehr allgemein bekannt,
ebeusowenig fand es sich bei manchen späteren Autoren, wie mehrere Stellcu
ihrer Schriften® 3 ) zeigen, wo sie sich auf eine andere, viel unbequemere Weise
mit der Reduktion der Höhe zu helfen suchten, und selbst in neuester Zeit sind
noch wieder Beispiele der Art vorgekommen. Die Bemerkung von Gauss war
also wieder eine sehr zeitgemäfse und daokenswerthe. Auch ist es nach dem
Studium des Gegenstandes ersichtlich geworden, dafs Gauss eben auf diese
Vorschläge als zweckmäfsige Neuerungen im Interesse der Sache einen Werth
legte, während ihm die Form der Auflösung gleichgültig geworden war, nachdem
er sich wohl überzeugt hatte, dafs an der einfachen Berechnung der 3 sphärischeu
Dreiecke eigentlich nichts zu kürzen sei, indem auch die zweckmäfsigste Elimi
nation zu keinen andern Endgleichungen führte. Ausgehend von den beiden
Grundgleichungen
sin h ~ sin d sin q cos ä cos q> cos X
sin h' = sin 6' sin q -f- cos <J' cos q cos Q. — ©)
bemerkt Gauss, dafs die Eliminirung von q oder X alleiu, welches der von
Krafft cingeschlagene Weg sei, letzteren nur zu einer Auflösung geführt habe,
die nach Gauss’ Meinung „ungleich weitläufiger und mühsamer ist, als diejenige,
welche unmittelbar aus der Betrachtung dreier Dreiecke her vorgeht, obgleich
sie sich blos auf die Bestimmung von q einsehränkt und sich auf die Bestimmung
derZeit nicht einläfst“. Es wurde daher von Gauss vorgezogen, beide Gröfscu,
<p und X, mit Hülfe einer neuen unbekannten Gröfso zu olimiuiren. Diese neue
uubekannte Gröfso u = v — w wird aber nach den Formelu gefunden:
, cosdsind'—sin d cos d'cos©
1) ootgv = C0~s j'aine
sin v (sin h' — sin h sin d sin d' sinh cos d cos d' cos &)
2) COS W — J
' cos h cos d' sin 0
Damit ist dann v-
3) tg X s=
4) tg q —
-W :
und
cos h siu u
cos d sin h — sin d cos u cos h
sin X (sin d sin h -f- cos d cos h cos u)
cos h sin u
Zur Prüfung der Formeln (3) und (4) dient noch: cos q sin X =s. cos h sin u.
Der Hülfswiukel u ist also der sogenannte
parallaktische Winkel für die Höhe h, wo
nach nämlich
sin u cos h
cos q — •• —r—
sin X
sin q = sin h sin d -f- COS ll COS d OOS U
mithin tg q als Quotient die Formel (4)
ergiebt.
Ferner ist im Dreiecke S'SP:
sin @ cotg v = tg d' cos d — sin d' cos ©,
woraus die Formel (1) folgt. Ebenso im
Dreiecke ZSP ist nach derselben Grund*
— sin d cos u in Beziehung auf die Formel (3)
¡in h — cos SS' siu h + sin SS' cos h cos w oder
gleichnng sin u cotg X — tg h cos d
und endlich im Dreiecke S'SZ noch
sinh'—cos SS'sinh
cos w — r-Hs: r aber
sin SS' cos h
cos SS' = sin d sin d' -|- cos d cos d' cos 0
®) Mau vergl. z. B. die Bemerkungen dea jüngeren Krafft (pag. 4№j) gegen Bezout,
welcher die erforderliche gleichzeitige Beobachtung als einen Uebelstand bezeichnet hatte, da hierzu
2 Beobachter nöthig wären. Krafft sehliefst zwar damit, dafs er sieh hierbei nicht weiter aufhalten
wolle, indem Bezout selbst ein Mittel angegeben habe, diesem l’ebelstaude abzuhelfen. Aber dies
Mittel ist nicht das einfache, von dem älteren Krafft und von (Jaus* vorgeschlagene, sondern es
besteht darin, rasch hinterher noch eine (3te) Höhe zu nehmen und damit die beiden Beobachtungen
auf ein Zeitmoment zu reduziren. (Bezout, Cours de Math. Vol. VI. Traute de Navig., pag. 212.)
— Ebenso ist der Vorschlag van Beeck Calkoen’s (Berlin. Astrott. Jahrh. f. 1812, pag. 178) u. s.\v.