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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

Orkan im indischen Ocean. Mai 3881. 
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Bericht über einen im Mai 1881 im Indischen Ocean 
beobachteten Orkan. 
Von H. Ilaltermaiin. 
Mit einer Tafel Ko. 2. 
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.) 
Das Vorkommen tropischer Orkane scheint überall in naher Beziehung 
zu den innerhalb der Tropen wehenden periodischen Westwinden zu stehen. 
Denn in den Meeren, wo diese nicht auftreten, werden auch jene nicht beob 
achtet. Und ferner scheinen Orkane dann am häufigsten zu entstehen, weun 
jene westlichen Winde — Monsune — ihre gröfste Ausdehnung nach den Polen 
zu erreicht haben, wenn sie beginnen, ihr Gebiet nach dem Aequator hin zurück 
zu ziehen. An der polaren Grenze desselben sind dann wahrscheinlich die Ver 
hältnisse der Bildung von Wirbelstürmen sehr günstig. Dort liegt zur Zeit 
zwischen Linie und Wendekreis die Rinne niedrigsten Luftdrucks, Passat und 
Monsun wehen dort oft in geringer Entfernung von einander mit beträchtlicher 
Stärke, und die örtliche Breite, entsprechend welcher die Ablenkung der Wind 
richtung von der Richtung des Gradienten ja zuuimmt, ist schon grofs genug, 
um für einen entstehenden Wirbel eine längere Dauer zu ermöglichen, um eine 
rasche Ausgleichung des Luftdruckuuterschieds zu verhindern. Im Atlantischen 
Ocean sind an der polaren Grenze des dortigen SW-Monsuns, wie es die bei 
der Seewarte eingelieferten meteorologischen Journale aus weisen, wiederholt 
Cyklonen beobachtet worden. Doch hat es bis soweit noch in keinem Palle 
gelingen wollen, dieselben für mehrere Tage nach einander auf ihrer Bahn zu 
verfolgen. Und noch viel weniger hat ein sicherer Zusammenhang zwischen 
einem dieser Wirbelstürme und einem vielleicht einige Zeit später in Westindien 
äuftretenden Orkane sich nnchweisen lassen. Aehnlich wie für den Atlantischen 
Ocean hat die See warte in ihren Wetterbüchern auch Beispiele für im Indischen 
Ocean an der polaren Grenze des dortigen Westmonsuns entstandene Orkane. 
Unter denselben befindet sich einer, von welchem im Anfänge des Mai 1881 
eine Anzahl deutscher, für die Seewarte arbeitender, Schiffe betroffen wurde, 
dessen an und für sich merkwürdige Bahn sich mehrere Tage nach einander 
verfolgen läfst und dessen genauere Untersuchung daher von doppeltem Interesse 
erscheint. 
Die deutschen Schiffe, deren Beobachtungen im Nachfolgenden gegeben 
werden, waren sämmtlich mit von der Seewarte geprüften Instrumenten versehen, 
und scheinen die Beobachtungen, einzelne Ausnahmen abgerechnet, auch völlig ver- 
trauenswerth zu sein. Aufsor diesen deutschen Schiffen überstand auch das 
französische, von Kapt. Le Querhic geführte, Schiff „Valparaiso“ diesen Orkan, 
und sandte der Vorsteher der Hauptagentur der Seewarte in Bremerhaven einen 
kurzen darauf bezüglichen Auszug aus dem Tagebuche jenes Schiffes. Mehrere 
der Schiffe waren auf der Heimreise von den Reishäfen Birma’s begriffen, und 
hatten diese schon vorher im Gebiete des NW-Monsuns, welches sich ja 
fast immer durch einen verhältnifsmäfsig sehr niedrigen Luftdruck auszeichnet, 
höchst unbeständige und stürmische Winde gefunden. Ein Vorkommen, welches, 
mit Rücksicht auf die Dauer dieses Zustandes und die sehr geringe Entfernung 
vom Aequator, auffallend erscheint. 
Bemerkungen aus den meteorologischen Journalen. 
Am 29. April 1881. 
1. Bremer Vollschiff „Deike Rickmers“, Kapt. J. Gennerich. Dieses 
Schiff hatte schon am 27. und 28. April stürmischen Westwind, welcher von 
heftigem Regen und Gewitter begleitet war, beobachtet. Am 28. April zerrissen 
in einer schweren, aus SSE einfallenden Böe dem Schiffe das Voruntermars- 
und das Vorstengestagsegel. Die Kraft des Windes war in dieser Böe so grofs, 
dafs trotz der kleinen Segel, die das grofse Schiff nur führte, es sich in Gefahr 
drohender Weise auf die Seite legte. Als später der Wind nach SW umsprang, 
zerrifs auch noch das Kreuzuntermarssegel. Am Mittage des 29. April war der 
Schiffsort 5,4° S-Br und 93,2° O-Lg. Die, heftigen Regen mit sich führenden, 
Aun. d. Hy4»\ «t<\» 1883, lieft f. 2
	        
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