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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

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Tiefseclotlmngen des „Faradav* im Nordatlantic. 
betasteten Bodentheil des ganzen offenen Oceans. Doch reicht bei den dortigen 
ganz abnormen Verhältnissen offenbar die vorhandene Zahl von Lothungen auch 
noch nicht aus, um ein einigermafsen klares Bild jenes reich gegliederten 
Terrains mit Hülfe submariner Isohypsen zu konstruiren; die auf der bei 
gegebenen Reduktion (in 1:500 000) eingetragenen Tiefenkurven werden somit 
wohl nur für eine subjektive Deutung der Thatsachen gelten dürfen — ein 
anderer Zeichner würde die Linien vielleicht mit demselben Recht anders ge 
führt haben. 
Dafs wir es hier mit einer ganz abnormen Bildung zu thun haben, zeigen 
anfser der bereits hervorgehobenen felsigen Natur des Meeresbodens auch die 
unglaublich steilen Böschungen des südlichen Theils der Faraday- Hügel (vgl. 
das Kärtchen in 1:1000 000). So haben wir zunächst zwischen den beiden 
Lothungen 1145, der flachsten Stelle des Oceans zwischen der Flämischen Kappe 
und den Aufsengründen vor dem Kanal, und 2225 auf eine Distanz von 3,19 km 
eine Differenz in der Tiefe von 1080m, also einen Böschungswinkel von 17°. 
Noch steiler ist der Abfall in südlicher Richtung von der LothuDg 1305 an 
bis 3070. Hier finden wir folgende Verhältnisse, die gegenwärtig das Non plus 
ultra von oceanischem Bodenrelief vorstellen dürften: 
Distanz: 880 2070 2200 Meter 
Tiefe: 1305 1745 2505 3070 Meter 
Böschung: 27° 16° 13° 
Es ist das ein Abfall, der selbst auf dem Lande als ein ziemlich steiler 
anerkannt werden würde.') 
Was die bisher bekannten steilsten oceauischen Böschungen anlangt, so 
ist daruuter wohl der, ebenfalls von der norwegischen Nordmeer-Expedition 
(Mohn a. a. 0. S. 8) konstatirto, Abfall am Nordostufer der vulkanischen Insel 
JanMeyen am meisten bemerkt worden, wo ein Winkel von 8° oderein Gefälle 
von 1: 7 vorliegt. In den europäischen Meeren dürften einzelne Küstenstrecken 
des Mittelmceres ähnliche Neigungswinkel liefern. An dem bekanntlich eben 
falls sehr schroff abfallenden Nordufer des Skagerrak finde ich auf der Deutschen 
Admiralitäts-Karte (No. 63) bei Lille Faerder am Eingang des Chrisiiania Fjords 
(zwischen den Lothungen 87 und 171m) einen Winkel von 4°, südlich vom 
Christiansand Fjord, fast genau 58° N-Br, 8° O-Lg, (Lothungen 218 und 630) 
einen Winkel von 6°, und südöstlich Lindesnaes (Lothungen 71 und 226) einen 
solchen von 8° als Maximum. Immer aber handelt es sich hier um die Neigungs 
winkel von festländischen Sockelböschungen, nicht aber, wie bei den Faraday- 
Hügeln, um Thcilc des offenen Oceans. 
Auch in diesem Falle kann man die Thatsächlichkeit eines so starken 
Neigungswinkels nur dann einigermafsen verständlich finden, wenn man die 
gleichzeitige Beobachtung von Fels- und Steinformatiou am Meeresboden sich 
vergegenwärtigt. Wenn wir hierbei an einen submarinen vulkanischen Ausbruch 
dachten, so haben wir uns daher nicht eine Eruption von lockeren Aschen und 
Lapilli vorstollen wollen, sondern nur ein Ausquellen von Laven, etwa wie sie 
im unterseeischen Krater der griechischen Insel Santwin neuerdings beobachtet 
worden sind. Ob eine Untersuchung der von den Faraday-Hügeln etwa erlangten 
steinigen Bodenproben durch einen Fachmann stattgefuuden hat, ist dem Ver 
fasser unbekannt, jedenfalls würde dadurch die erwünschte Aufklärung über die 
sonst nicht vollkommen verständliche Bodenform wohl am besten geliefert werden. 
Vielleicht mag zum Schlüsse auch der Wunsch beigefügt werden, dafs die 
bereits durch die vorliegende Publikation um die wissenschaftliche Meereskunde 
so verdiente Firma Siemens auch einen detaillirteren Bericht über die bei den 
sehr zahlreichen Tiefseelothungen angewandten Apparate und Lothungsmethodcn 
veröffentlichen möge, damit soviel dankenswerthe Mühe und jahrelange Arbeit 
auch wirklich volles Eigenthum der Wissenschaft werden kann. 
>) Professor Rein sagt (Petermann's „Geogr. Mitth.*. 1870, 8. 372) von dem Fuxi-i/ama-. 
Nach Winkelmessungen und photographischen Aufnahmen hat dieser japanische Vulkankegel in der 
Nähe der Basis einen Böschungswinkel von 12 bis 13°, streckenweis auch nur halb so viel. .Mit 
dem Eintritt in den Wald nimmt jedoch die Steilheit beträchtlich zu und beträgt im Durchschnitt 
23 bis 24° für die Zone zwischen 1500 und 24<X)m Höhe: dann folgt oberhalb der Grenze des Holz 
wuchses ein nochmaliges Wachsen des Neigungswinkels auf 25 bis 30°, das an den steilsten Stellen 
auf 35° steigt.“ (Abhänge im alpinen Hochgebirge dürfen hier selbstverständlich nicht in Vergleich 
gezogen werden.)
	        
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