Andries: Resultate aus fünfjährigen meteorologischen Beobachtungen etc.
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größerer Kälte der Qnecksilberfaden an der eingeengten Stelle nicht immer
abreifst, wenn die Temperatur sinkt, daher seine Ablesungen nicht immer
brauchbar sind. Das Anemometer gehört noch zu den älteren von der Aktien
gesellschaft vormals Grein er & Geissler angefertigteu Instrumenten, die die
Windstärke in Kilometern angeben. Die Ablesung geschieht mittelst einer
möglichst genau eiugetheilten Skala, die die Windgeschwindigkeit direkt in
Metern por Sekunde angiebt.
Nach diesen einleitenden Bemerkungen wollen wir zur Betrachtung des
allgemeinen Charakters der hiesigen klimatischen Verhältnisse übergehen. Bei
der Kürze des Beobachtangszeitraumes dürfte es sieh jedoch kaum lohnen,
näher auf die täglichen und jährlichen Schwankungen des Luftdrucks, der
Temperatur etc. einzugehen und eine wissenschaftliche Behandlung der vor
handenen Daten vorzunehmen; es möge daher genügen, hervorstechende Zahlen-
werthe und besondere Eigenthümlichkeiten unseres Küsteuklimas hervorzuheben.
I. Luftdruck.
Der mittlere aus fünf Jahren abgeleitete, auf 0* C. und den Meeresspiegel
reducirte Luftdruck beträgt 760,08min. Dieser Luftdruck vertheilt sich auf die
einzelnen Monate aber in sehr ungleicher Weise. Während im Monat März
1876 der mittlere Luftdruck nur 749,1 mm betrug, erreichte das Mittel des Luft
drucks im Januar 1880 die Höhe von 770,4, was also eine monatliche absolute
ßaroineteroscillation von 21,3mm ergiebt. Viel größer sind natürlich die
absoluten Schwankungen des Barometers an verschiedenen Tage«. Den tiefsten
Stand erreichte das Barometer am 12. März 1876 mit 725,lmu>, den höchsten
am *¿3. Dezember 1879 mit 781,6mm, also absolute Schwankung 56,3mm. Jener
tiefste Stand trat ein während der gewaltigen Cyklone, die in so verheerender
Weise ganz Deutsehland durchschritt, der höchste während einer über Central*
Europa sich erstreckenden Auticyklone. Im Allgemeinen sind die Schwankungen
des Luftdrucks an unserer Küste gröfser als im Binnenlande. Es erklärt sich
dies leicht aus dem Umstande, daß die mittlere Bahn der Cyklönen durch die
mittlere Nordsee geht und daher die südlicher gelegenen Orte weniger von
diesen Luftwirbeln affieirt werden, als unsere Küste.
Hiermit im engen Zusammenhänge steht das rasche Fallen und Steigen
des Barometers beim Herannahen resp. Entfernen einer barometrischen De
pression. Besonders häufig tritt diese rasche Veränderung des Luftdrucks bei
den Theilminima auf, deren Verlauf iin Allgemeinen sich rascher abwickelt, als
der der großen Cyklonen. Die absoluten Schwankungen sind aber in der
Regel bei ersteren nicht so groß, als bei letzteren. — Was aber die Ursache
betrifft, welche solche grofse monatliche Schwankungen des Luftdrucks hervor
ruft, so ist der abnorm niedrige Barometerstand im März 1876 z. B. einer
ganzen Reihe von barometrischen Depressionen zuznschreiben, deren Bahnen so
lagen, daß sie für unsere Gegend das Vorherrschen warmer und leichter SW-
Winde bedingten, während andererseits der ebenso abnorm hohe Luftdruck im
Dezember 1879 die Folge eines barometrischen Maximums war, das die Witterung
fast des ganzen Monats vollständig beherrschte. Die Trägheit und der stationäre
Charakter solcher barometrischen Maxima im Gegensätze zu den raschen
Wanderungen der Minima ist allgemein bekannt. Beide aber bestimmen je
nach ihrem Vorwalten den Witterungscharakter eines Zeitraums vollständig.
Hinsichtlich der einzelnen Monatsmittel und der Extreme des Luftdrucks
sei auf die angelügte Tabelle verwiesen.
1L Luftwänne.
Herr Oberstabsarzt Dr. Höpfner und später das hiesige Lotsen
kommando hatten in den Jahren 1«65—71 regelmäßige Beobachtungen der
Lufttemperatur in den Stunden 6^, 2 b , 10** augestellt. Allerdings ist über die
etwaigen Fehler des gebrauchten Thermometers und die Art der Aufhängung
nichts Näheres bekannt. Indessen forderte die gute Uebereinstimmung der
einzelnen Monatsmittel mit den entsprechenden Monaten Jevers, welche Stadt
nur ca 20 km von hier entfernt uud in fast gleicher Höhe liegt, doch zu einer