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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 11 (1883)

Orkan zu Manila. 
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am 20. Oktober von l h a. m. bis 2 h p. in. gefallene Regenmenge betrug 165,2mm; 
hiervon fielen allein 100 mm innerhalb 7* Stunde zwischen 11 und 12 h Mittags. 
Von den 86 Stürmen, welche bis 1880 auf dem Observatorium zu Manila 
verzeichnet worden sind, können dem Orkan vom 20. Oktober 1882 an Stärke 
nur die in den Jahren 1831 und 1856 zur Seite gestellt werden. 
Dem wuchtigen Anpi'all des Sturmes konnten nur die ganz massiven Gebäude 
Stand halten. Die seit dem letzten Erdbeben (1880) sehr in Aufnahme gekommene 
Metall-Bedachung hat sich bei der Katastrophe vom 20. Oktober nicht bewährt, 
während die bei einem Erdbeben nicht sehr empfehlenswerthen Ziegeldächer 
verhältnifsmäfsig wenig gelitten haben. Die leichten Bambushäuser der Indier 
in den Vorstädten sind fast alle in Trümmer gelegt und dadurch eine grofsc 
Anzahl Menschen obdachlos geworden. Die Verwüstungen sind weit gröfser 
als diejenigen, welche je durch ein Erdbeben angerichtet worden sind. Der 
Schaden in Manila soll sich nach Angabe eines Lokalblattes auf 6 Millionen 
Dollars belaufen. Das Dienstlokal des Konsulats hat trotz des vielen Wassers, 
welches eindrang, in keiner Weise gelitten. Der englische Konsul, Herr 
Wilkinson, dagegen hat das halbe Konsulatsarchiv verloren. 
Von den am 20. Oktober in der Bucht von Manila vor Anker gelegenen 
19 Schiffen sind 12 auf den Strand gerathen, darunter zwei deutsche Schiffe, 
nämlich: „Salisbury«, Heimathshafen Bremen, mit gekappten Masten, und 
„Schiffswerft«, Heimathshafen Flensburg. Beide Schiffe sind bald darauf wieder 
flott geworden und konnten in einigen Tagen wieder in See gehen. Der Kapitän 
des „Salisbury“ taxirte seine Reparaturkosten auf 9000 Doll. Von den anderen 
vier deutschen Schiffen, die sich auf der Rhede vor Anker gehalten haben, ist 
die Hamburger Bark „Dido« und das Bremer Vollschiff „Comet« von den nach 
dem Strand zu treibeuden Schiffen schwer beschädigt worden. Die Reparatur 
kosten der „Dido« veranschlagte der Kapitän auf 20000 Doll.“ 
Anderweitigen Zeitungsnachrichten entnehmen wir noch nachstehende 
Angaben des Konsul Labhard in Manila. 
Im inneren Hafen gingen 3 Küstenfahrer ganz zu Grunde, 11 erlitten 
starke Havarie, 1 spanisches Kanonenboot ist ebenfalls stark beschädigt. 
Landungsboote gingen theils mit, theils ohne Ladung an 25 verloren. Ertrunken 
sind, so viel bekannt, an 20 Personen; ein Boot ist in einem Wirbel total 
verschwunden mit 7 Mann. Alle Bäume sahen herbstlich entblättert aus, viele 
lagen geknickt am Boden. Die Bananenbäume waren fast alle umgebrochen. Eier 
und Geflügel sind kaum zu kaufen, da letzteres vom Sturm fortgetrieben, theil- 
weise erschlagen wurde. — Alle Telegraphenlinien waren zerstört, somit die 
Verbindung mit Europa nur ab Kap Bolinao, wohin Depeschen per Dampfer 
gehen müssen, möglich. Von den vier rings um Provinz Manila herum liegenden 
Provinzen (die Stadt Manila scheint so ziemlich in der Mitte des Orkangebietes 
gelegen zu haben und die Ausdehnung desselben von der Mitte aus ca 60 engl. 
Meilen gewesen zu sein) sind mehrere gleichfalls traurige Berichte eingelaufen, nach 
welchen der Schaden zwar nicht sehr bedeutend ist, weil in den vier Provinzen 
überhaupt wenig massiv gebaute Häuser vorhanden sind, dagegen Reis- und 
Zuckerpflanzungen, welche die Provinz Manila nicht in derselben Ausdehnung 
hat, stark gelitten haben. Für beide Produkte ist immerhin noch Hoffnung, 
dafs kommende günstige Witterung vieles wieder gut macht. Menschenleben sind 
in den vier Provinzen an 60 zu beklagen. 
Den in der Oesterr. Zeitschr. f. Met., Februar-Heft 1883, pag. 64—68, 
aus dem „Ateneo municipale de Manila“ vom 26. Oktober 1882 über diesen 
Orkan gemachten Mittheilungen, denen auch eine Tafel der von den selbst- 
registrirenden Instrumenten des Ateneo municipale während des Sturmes ver- 
zeichneten Kurven des Luftdruckes, der Temperatur, der relativen Feuchtigkeit 
und des Windes (Richtung und Stärke) beigefügt ist, entnehmen wir nachstehende 
Angaben, welche die oben erwähnten zum Theil ergänzen. 
„Der Sturm begann nach 10 h p. m. am 19. Oktober mit dem rascheren 
Fallen des Barometers und wurde zum Alles vernichtenden Orkan um 8 h a. m. 
am 20. Oktober, zugleich mit dem Sturze des Barometers, das bis IO 11 a. m. 
um 6 mm und in den nächsten 17* Stunden, von IO 11 bis 117* h a. m., um 17 mm 
fiel, so dafs innerhalb von 37s Stunden ein Barometersturz von 23 mm zu ver 
zeichnen war.
	        
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