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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

146 Tamarindo und Corinto an der Pacifischen Küste von Central-Amerika, 
um 2 Uhr Nachmittags, also nach sechsstündiger Fahrt, Tamarindo, wobei 
indefs zu bemerken ist, dafs wir über die Hälfte des Weges gegen die Ebbe 
zu rudern hatten. Bei meinen späteren Fahrten habe ich es so eingerichtet, 
dafs wir die Fluth ganz mit hatten. 
Die Leichter verlassen mit dem Eintritt der Ebbe Tamarindo und lassen 
sich mit dem Strome abwärts treiben. Der Ebbestrom erlangt häufig, besonders 
nachdem es geregnet hat, eine Geschwindigkeit von 5—6 Kn und setzt selbst 
über die Untiefen vor der Flufemündung mit einer solchen von 4 Kn. Die 
Fluth läuft dahingegen nie rascher als 2—3 Kn. 
Frisches Fleisch ist mitunter in Tamarindo zu haben, aber von einem 
solchen Zustande, dafs man allein schon durch den blofsen Anblick genug davon 
bekommt. Gemüse ist nicht das geringste vorhanden. Gelegentlich kann man 
von Fischern gegen billigen Preis Schildkröten bekommen, Aufserdem ist einem 
die Gelegenheit geboten, sich mit Leichtigkeit einen Rehbraten zu verschaffen, 
denn dicht an der Passage rechts halten sich viele Rehe auf, die unschwer zu 
erlegen sind. Ferner giebt es eine Menge Kaninchen und eine grofse Art 
wilder Tauben, die aber schwer zu schiefsen sind. 
Von meinem ersten Ausflug nach Tamarindo an Bord zurückgekehrt, legte 
jch das Schiff, da unterdessen die Hälfte des Ballastes gelöscht war, näher nach 
dem Lande auf 13m (7 Fad.) Tiefe zu Anker, um so.den Bungos, Leichtern 
von 4—6 Tonnen Gröfse und aus einem einzigen Stamm angefertigt, den Weg 
abzukürzen und ein rascheres Beladen des Schiffes herbeizuführen. Auf diesem 
Ankerplatze befand sich das Schiff noch 1'/2 Sm von der festen Küste entfernt. 
In der ersten Zeit unserer Anwesenheit war das Wetter schön; aber vom 
16. Mai an stellten sich jeden Abend Gewitter mit steifen Böen aus nordöst- 
licher Richtung ein, und später kamen auch öfters am Tage Gewitter mit Regen, 
die aber nur einige Stunden anhielten. Das Laden ging während dieser Zeit 
natürlich nur langsam, so dafs wir am 6. Juni erst ungefähr 180 Tonnen Gelb- 
holz an Bord genommen hatten. Am 7. Juni setzte plötzlich eine hohe südwest- 
liche Dünung ein, so dafs es für die Leichter unmöglich war, abzukommen, 
Die Regenböen kamen meistens aus einer westsüdwestlichen Richtung. Das 
Schiff wollte mit der Ebbe nicht auf dem Winde liegen und rollte infolge dessen 
sehr schwer. Am 11. Juni wurde es stürmisch aus SW, und ich sah mich ge- 
nöthigt, meinen zweiten Anker mit 81 m (45 Fad.) Kette fallen zu lassen. Die 
See nahm gewaltig zu, und das Schiff gerieth ins Treiben nach der Küste, bis 
schließlich in einer Wassertiefe von 7,2m (4 Fad.) bei Niedrigwasser beide 
Anker hielten. Bis zum nächsten Tage hatte die See noch mehr zugenommen; 
da aber die Stärke des Windes nachgelassen hatte, so schwaite das Schiff mit 
der Ebbe, gierte hin und her und war trotz aller Versuche nicht auf dem Winde 
und der See zu halten. Die See wusch über das ganze Deck hinweg und spülte 
fast alle losen Gegenstände über Bord. Zu guterletzt brach auch noch das 
Ankerspill, und wir waren genöthigt, die Ankerketten am Fockmast zu befestigen. 
Am folgenden Tage wurde es glücklicherweise still, so dafs wir den einen 
Anker aufnehmen konnten, wozu wir gezwungen waren, weil die Klüse gebrochen 
war. Am selbigen Tage versuchte ein Leichter abzukommen, wurde aber durch 
die hohe Dünung in der Passage auf die Klippen geworfen und ging total ver- 
loren. Zwei Mann der Besatzung konnten sich retten, die vier übrigen aber 
büfsten dabei ihr Leben ein. Jeden Tag wartete ich auf eine günstige Ge- 
legenheit, das Schiff wieder auf tieferes Wasser zu legen, aber der Wind hielt 
sich, hartnäckig zwischen SW und West und verursachte eine hohe Dünung. 
Die Ladung konnte bei dem furchtbaren Rollen des Schiffes natürlich nur mit 
der gröfsten Schwierigkeit und selbst unter Lebensgefahr für die Leute über- 
genommen und verstaut werden. Wir mufsten noch Arbeiter vom Lande zu 
Hülfe nehmen, wodurch dem Schiffe bedeutende Mehrkosten entstanden. Schließ- 
lich waren auch die Leichter längsseits des Schiffes so zerschlagen und in einen 
derartigen Zustand gerathen, dafs sie dienstuntauglich und wir genöthigt wurden, 
Leichter und Leute von Corinto zu requiriren; doch diese ereilte bald dasselbe 
Schicksal. Hierauf sahen die Ablader sich veranlafst, mir die Order zu geben, 
den Rest der Ladung in Corinto zu nehmen. In der folgenden Nacht, am 
24. Juni, kam zum ersten Male wieder flaue Landbriese durch, mit der ich 
wenigstens so weit von der Küste absegeln konnte, um bei einsetzender See-
	        
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