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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 10 (1882)

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dieser  Luft,  fast  ganz  aufgehoben  wird,  so  ist  dieselbe  immerhin  so  weit  vorhanden, ­
  dafs  die  Luft  zwischen  den  Tropfen  vom  Sättigungspunkt  entfernt  wird
und  keine  Neigung  hat  zu  Kondensationen;  in  der  That  liest  man  während
kräftiger  Regenschauer  häufig  ziemlich  weit  von  100  pCt.  abstehende  relative
Feuchtigkeiten  ab,  und  liegt  in  der  Nebelfreihoit  der  Luft  zwischen  den  Tropfen
der  Grund  zu  der  bekannten  Thatsache,  dafs  man  durch  starken  Rogen  viel
weiter  hindurchsehen  kann,  als  durch  mäfsigen  Nebel.  Iu  Letzterem  wiederum
ist  die  Erklärung  gegeben  für  die  gröfsere  Tageshelle  in  dem  Regen  selbst
resp.  unter  a,  als  unter  dem  Wolkenwulst  b;  dieselbe  mufs  offenbar  darin
liegen,  dafs  die  3  —  400  m  Wolken  resp.  Nebel,  welche  in  bc  enthalten  sind,
nebst  der  darunter  liegenden,  häufig  selbst  durch  Staub  und  Nebel  getrübten
(nicht  durchgewaschenen)  Atmosphäre  mehr  Licht  fortnehmen,  als  die  ganzen
800  m  grofstropfigen  Regen.
Die  so  herabsinkende  Luft  übt  einen  kräftigen  Auftrieb  aus  auf  die
umgebenden  Luftmassen,  namentlich  die  wärmsten  an  der  Vorderseite  des
Regenwetters.  Indem  diese  Luftmassen  aufsteigen,  kondensiren  sie  sich  in
gewisser  Höhe  zu  mächtigen  Wolkeuballen,  welche  den  schwarzen  Wolkenwulst
bilden,  der  dem  oberen  Theile  der  Regensäule  gewöhnlich  vorliegt;  auch  an
den  Seiten  findet  dieses  Aufsteigen,  wenngleich  in  schwächerem  Mafse,  statt,
wie  die  punktirten  Umrisse  dieser  Seitenwülste  zeigen;  bei  b‘  ist  dabei  die
häufige  Frangenbildung  des  Randes,  bei  b“  eine  wahrscheinlich  durch  intermittirendes
  Aufsteigen  erzeugte  Abtrennung  des  Wulstes  von  der  oberen  Wolke
in  Form  einer  besonderen  Cumulusbank  abgebildet,  welche  zuweilen  auftritt.
Dafs  auch  in  gröfseren  Lücken  der  herabsinkenden  Luftmassen  kompensirende
aufsteigende  Ströme  und  dadurch  Wolkenbildungen  in  niedrigerem  Niveau  bedingt
werden  möchten,  ist  bei  (b)  augedeutet;  sind  die  Bedingungen  auch  nicht  so
günstig,  wie  an  der  Vorderfront,  so  ist  dafür  die  Kondensation  durch  die
gröfsere  Feuchtigkeit  der  Luft  über  dem  feuchten  Boden  erleichtert.  Doch
können  wir  kaum  hier  die  Bildung  solcher  traubiger  Cumulus  -  Köpfe  erwarten,
wie  sie  bei  c  auftreten  und  wie  sie  nur  während  kräftigen  Aufsteigens  der
betreffenden  Luftmassen  existiren.  Hinter  dem  Regenschauer  sehen  wir  manchmal, ­
  namentlich  wenn  die  Erde  w r arm  und  der  Regen  kurz  war,  niedrigo  nebelartige ­
  Wolkenfetzen  (g  der  Figur)  in  der  Luit  schwimmen,  welche  wohl  durch
Uebersättigung  der  kalton  Luft  der  Rückseite  mit  Wasserdämpfen  seitens  des
warmen  feuchten  Bodens  zurückzuführen  sind.  Ein  besonderes  Interesse  hat
noch  das  unter  dem  Wulst  b  hängende  leichte  Gebilde  /.  Es  ist  dies  die  von
Hann  in  der  Zeitschr.  f.  Meteor.  1880  S.  434  beschriebene  „Draperie“  von
weifslich  grauer  oder  röthlicher  Farbe;  sie  fehlt  in  Fig.  2,  wie  denn  dieser
Vorhang  überhaupt  nur  bei  besonderen  Fällen,  und  namentlich  bei  Hagelstürmen, ­
  auftritt;  mit  demselben  ist  wahrscheinlich  die  „tief  niederhängende“
gelbe  oder  braunröthliche  Wolke  zu  identificiren,  welche  von  mehreren  Beobachtern ­
  als  besonders  charakteristisch  beim  Sturm  vom  9.  August  1881  angeführt
wird.  Ihr  zerrissenes,  durchaus  nicht  cumulusartiges  Aussehen  läfst  es  nicht
wahrscheinlich  erscheinen,  dafs  dieselbe  durch  aufsteigende  Luft  gebildet
werde;  es  ist  vielmehr  wahrscheinlich  das  Resultat  einer  Kondensation  an  der
Grenze  zweier  sehr  verschieden  warmer  Luftmassen  und  dürfte  sich  nur  beim
Vorhandensein  sehr  grofser  und  plötzlicher  Temperaturdifferenzen  —  wie  sie
namentlich  Hagelwettern  eigen  sind  —  zeigen.  Die  Vertheilung  der  Temperatur
auf  der  Vorderseite  der  Böe  habe  ich  durch  zwei  mit  20°  und  25°  bezeichnete
Isothermen  angedeutet.  Ob  die  eigenthümliche  Färbung  von  Beleuchtungs-Verhältnissen
  oder  von  elektrischen  Ausströmungen  abhängt,  ist  vorläufig
unbekannt.
Die  Streifung  der  Regensäulen  in  Fig.  3  stellt  die  Richtung  dar,  in
welcher  die  Tropfen  fallen  und  welche  dem  Auge,  durch  die  Andauer  der  Netzhautbilder, ­
  in  Form  von  Fäden  sich  kundgiebt.  Die  Regensäulen  sind  nach
unten  hin  zurückbleibend  und  von  ungefähr  parabolischen  Kurven  begrenzt
gezeichnet;  so  oft  und  charakteristisch  sich  auch  diese  Erscheinung  bei  am
Horizonte  hinziehenden  Regenschauern  zeigt,  so  ist  es  fraglich,  wie  weit  deren
Verknüpfung  mit  den  hier  angenommenen  Windverhältnissen  richtig  resp.
möglich  ist,  da  diese  auf  der  Vorderseite  die  stärkste  Bewegung  in  der  untersten ­
  Luftschicht  zeigt.  Wahrscheinlich  entspricht  einem  solchen  Falle  ein  nach
            
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