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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 10 (1882)

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Aus  diesen  Temperaturreihen  sind  in  der  oben  erwähnten  Abhandlung
von  Direktor  van  Heerdt  acht  Schnitte  gelegt  worden,  nämlich  je  drei  Längsschnitte ­
  und  Querschnitte  und  zwei  Diagonalschnitte,  welche  uns  einige  Aufschlüsse ­
  über  die  Temperaturvertheilung  in  dem  betreffenden  Theilo  des  Barents
Meeres  geben.  Eine  Diskussion  dieser  Schnitte  führt  zu  folgenden  Thatsachen:
Der  erste  Längsschnitt,  genommen  aus  den  Temperaturreihen  No.  2,  3,  4
und  5,  ergiebt  in  den  oberen  Schichten  eine  beträchtliche  Steigung  der  Isothermen ­
  des  warmen  Wassers  (von  über  4°  bis  0°)  in  der  Richtung  Süd—Nord;
bei  der  Reihe  No.  2  liegt  die  0°-Isotherme  in  ca  220m;  bei  No.  5  in  ca  50m.
Zwischen  den  Stellen  der  Temperaturreihen  No.  3,  4  und  5  trifft  man  von
60—80m  bis  zu  200m  Tiefe  (s.  No.  4)  einen  warmen  Streifen  von  Wasser  über
0°  zwischen  zwei  kälteren  (s.  unten).  Der  zweite  durch  No.  6  uud  10  gelegte
Schnitt  zeigt  die  Lagerung  einer  bei  No.  6  bis  nahe  an  die  Oberfläche  reichenden ­
  kälteren  Wasserschicht  zwischen  zwei  wärmeren,  während  der  dritte
durch  No.  1,  8  und  9  gelegte  die  in  dem  ersten  Längsschnitt  und  auch  in
anderen  arktischen  Meerestheilen  nachgewiesene  Tliatsache  einer  warmen  Wasserschicht ­
  zwischen  zwei  kalten  nachweist.
In  dem  ersten  der  drei  Querschnitte,  gelegt  durch  No.  1,  10  und  2,
sind  die  Isothermen  von  4°  bis  0°  in  No.  10  dicht  zusammengedrängt;  die
0°-lsotherme  liegt  schon  in  ca  45  m  Tiefe  und  die  von  —1°  in  100  m,  während
die  erstere  Isotherme  in  No.  1  die  Tiefe  von  120  in  und  in  No.  2  von  200  m
erreicht,  und  die  von  —1°  in  No.  1  in  240  m  liegt  und  in  No.  2  den  Boden  iu
270  m  gar  nicht  erreicht.
Der  zweite  Querschnitt,  gelegt  durch  No.  9  und  3,  also  durch  den
Parallel  von  ca  75°  17',  zeigt  eine  bemerkenswerthe  Senkung  der  Isothermen
von  Westen  nach  Osten,  eine  Erscheinuug,  welche  auch  in  dem  dritten  Querschnitt ­
  (durch  No.  5,  6,  7  und  8)  deutlich  wahrzunehmen  ist;  zwischen  No.  5
und  6  ist  die  0°-lsotherme  durch  einen  Streifen  wärmeren  Wassers,  welcher
nach  Osten  zu  an  Tiefe  zunimmt,  in  zwei  Theile  getrennt.  Man  kann  diese
warme  Schicht  Wasser  zwischen  zwei  kälteren  als  eine  nordwestliche  Fortsetzung ­
  der  bei  dem  ersten  Längsschnitt  erwähnten  betrachten.
Diese  selbe  Erscheinung  zeigt  sich  auch  in  dem  von  SW  nach  NO
gerichteten  Diagonalschnitt  (durch  No.  1  und  5).  Aus  allen  diesen  Schnitten
geht  also  hervor,  dafs  in  dem  ganzen  Gebiet  die  von  dem  „  Willem  Barents“  im
Sommer  1878  genommenen  Temperaturreihen  zwischen  72°  bis  77°  N-Br  und
37°  bis  45°  O-Lg  warme  und  kalte  Wasser  schichten  übereinander  gelagert  sind.
Der  zweite  von  NW  nach  SO  gerichtete  Diagoualschnitt,  welcher  durch  No.  7
und  2  gelegt  ist,  zeigt,  im  Gegensätze  zu  dem  ersten,  eine  von  dem  Orte  No.  7
aus  südöstlich  gerichtete  ca  100  m  tiefe  kalte  Wasserschicht  von  mehr  als—1°
zwischen  zwei  wärmeren  von  0°;  in  No.  7  reicht  diese  fast  bis  an  die  Oberfläche ­
  und  lagert  in  immer  gröfserer  Tiefe,  je  näher  sie  dem  Orte  No.  2
kommt,  wo  die  Abnahme  der  Temperatur  von  der  Oberfläche  bis  zum  Boden
eine  regelmäfsige  ist.  Die  obere  Isotherme  von  0°  in  No.  7  liegt  iu  ca  6  m,
in  No.  2  dagegen  erst  in  ca  210  m  Tiefe,  der  südlicheren  Lage  entsprechend.
Im  Allgemeinen  ist  noch  zu  erwähnen,  dafs,  je  näher  dom  Eise,  desto  höher
das  kalte  Wasser  zur  Oberfläche  empordrang;  so  war  am  1.  August  die  Temperatur ­
  von  0°  in  einer  Tiefe  von  50  m  zu  finden,  dagegen  am  6.  August  in
ungefähr  derselben  Breite  von  77°  Nord  aber  mitten  im  Eise  schon  in  8  m
Tiefe  eine  Temperatur  von  —0,2°  gefunden  worden.
Die  in  den  beiden  Expeditionen  von  1879  und  1880  erlangten  Ergebnisse ­
  der  Tiefseeforschungen  des  „  Willem  Barents 11  werden  wir  in  einem
späteren  Nachtrage  zu  diesem  Artikel  mittheilen,  weil  uns  das  betreffende
Material  bis  jetzt  nicht  zugänglich  geworden  ist.  Für  die  vierte  Expedition  im
Sommer  1881  können  wir  hier  den  uns  durch  die  Freundlichkeit  des  Herrn
Dr.  Be  hm  in  Gotha  zugegangenen  (nicht  im  Buchhandel  erschienenen)  ausführlichen ­
  Bericht  des  Kommandanten  der  Expedition,  Lieut.  van  Broekhuijzen,
  an  das  Kommittee  für  die  niederländischen  Polarfahrten  (Haarlem,
1882,  146  Seiten  und  2  Karten)  benutzen.
Die  während  dieser  Expedition  gemachten  wissenschaftlichen  Beobachtungen ­
  erstreckten  sich  auf  physisch-oceanische,  meteorologische,  magnetische
und  zoologische  Erscheinungen  und  Verhältnisse.
            
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