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Full text: 125 Jahre amtliche deutsche Hydrographie 1861 - 1986

Bisher war immer nur in einem Seegebiet, entweder in der Ostsee oder in der 
Nordsee, vermessen worden. Jetzt ging man dazu über, in beiden Seegebieten gleich- 
zeitig zu arbeiten. 
Um den dringenden Bedarf der deutschen Seeschiffahrt, die seit 1870 einen 
gewaltigen Aufschwung genommen hatte, zu decken, wurden in den Jahren 1873 und 
1874 durch S. M. Kanonenboote „Drache“ und „Meteor“ in der gesamten Nordsee 
Hochseelotungen vorgenommen. An der Ostsee entstanden durch Neuvermessungen 
der Königlich-Preußischen Landesaufnahme wesentlich andere und bessere Unterla- 
gen, als sie seinerzeit für die Bearbeitung von „Preussen’s See-Atlas‘“ zur Verfügung 
gestanden hatten. Da im Gebiet der südwestlichen Ostsee nur dänische Aufnahmen 
vorhanden waren, begann man hier mit den Neuvermessungen. 
SMS „Meteor“ 
In der Nordsee wurden die Neuvermessungen der Küstengewässer im Jahre 1876 
begonnen und bis 1884 zu Ende geführt. Neben diesen eigentlichen Vermessungen 
wurden, insbesondere in den Jahren 1881 bis 1889, physikalische Untersuchungen 
über die Beschaffenheit des Meerwassers, des Meeresbodens und der Strömungen in 
der Nordsee ausgeführt. 
Die Vermessungen von 1884 bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges 
Die Forderung der Marine nach genaueren Karten war in den 70er Jahren des 
vorigen Jahrhunderts immer stärker geworden. Es wurde verlangt, daß die flachge- 
henden Kanonen- und Torpedoboote auch außerhalb der bekannten Fahrwasser 
ohne Lotsenhilfe navigieren konnten. Die Vermessungen dieser Gebiete beruhten 
jedoch auf dem recht veralteten Grundlagenmaterial der Landesvermessung und 
entsprachen den Anforderungen nicht. Vom Jahre 1884 ab wurden daher einheitliche 
Grundsätze für die Vermessung der heimischen Gewässer aufgestellt. In der Ostsee 
wurden jetzt die östlichen Teile völlig neu vermessen, und es wurden Kontrollvermes- 
sungen vorgesehen, so daß dasselbe Gebiet etwa alle 8 bis 10 Jahre neu aufzunehmen 
war.
	        
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