Bisher war immer nur in einem Seegebiet, entweder in der Ostsee oder in der
Nordsee, vermessen worden. Jetzt ging man dazu über, in beiden Seegebieten gleich-
zeitig zu arbeiten.
Um den dringenden Bedarf der deutschen Seeschiffahrt, die seit 1870 einen
gewaltigen Aufschwung genommen hatte, zu decken, wurden in den Jahren 1873 und
1874 durch S. M. Kanonenboote „Drache“ und „Meteor“ in der gesamten Nordsee
Hochseelotungen vorgenommen. An der Ostsee entstanden durch Neuvermessungen
der Königlich-Preußischen Landesaufnahme wesentlich andere und bessere Unterla-
gen, als sie seinerzeit für die Bearbeitung von „Preussen’s See-Atlas‘“ zur Verfügung
gestanden hatten. Da im Gebiet der südwestlichen Ostsee nur dänische Aufnahmen
vorhanden waren, begann man hier mit den Neuvermessungen.
SMS „Meteor“
In der Nordsee wurden die Neuvermessungen der Küstengewässer im Jahre 1876
begonnen und bis 1884 zu Ende geführt. Neben diesen eigentlichen Vermessungen
wurden, insbesondere in den Jahren 1881 bis 1889, physikalische Untersuchungen
über die Beschaffenheit des Meerwassers, des Meeresbodens und der Strömungen in
der Nordsee ausgeführt.
Die Vermessungen von 1884 bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges
Die Forderung der Marine nach genaueren Karten war in den 70er Jahren des
vorigen Jahrhunderts immer stärker geworden. Es wurde verlangt, daß die flachge-
henden Kanonen- und Torpedoboote auch außerhalb der bekannten Fahrwasser
ohne Lotsenhilfe navigieren konnten. Die Vermessungen dieser Gebiete beruhten
jedoch auf dem recht veralteten Grundlagenmaterial der Landesvermessung und
entsprachen den Anforderungen nicht. Vom Jahre 1884 ab wurden daher einheitliche
Grundsätze für die Vermessung der heimischen Gewässer aufgestellt. In der Ostsee
wurden jetzt die östlichen Teile völlig neu vermessen, und es wurden Kontrollvermes-
sungen vorgesehen, so daß dasselbe Gebiet etwa alle 8 bis 10 Jahre neu aufzunehmen
war.