accessibility__skip_menu__jump_to_main

Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 10 (1882)

607

vorher  trübe  und  unfreundlich  gewesen  sein,  jedoch  hatte  Gewitter  nicht  stattgefuuden.
  Der  Windstofs  kam  mit  einer  grofsen  Staubwolke  aus  südwestlicher
Richtung,  dauerte  nur  wenige  Minuten,  danach  folgte  Rogen;  Hagel  ist  hier
nicht  gefallen;  am  Nachmittage  unfreundlich,  zeitweise  Regen,  in  der  Nacht
ziemlich  starker  Sturm.  Lüneburg  hat  Gewitter  mit  starkem  Regen,  Graupeln
und  Sturm  um  l h  p.  m.  notirt  und  um  8'/■>''  p.  m.  wieder  Regen.  Von  Buchholz
wird  berichtet,  dafs  der  erste  Windstofs  den  Zug  128  auf  der  Strecke  Hittfeld—
Buchholz  getroffen  hat  und  das  Umvetter  beinahe  aufgehört  hatte,  als  der  Zug
in  Buchholz  einlief;  der  Anfang  des  Unwetters  wird  auf  l h  8 m ,  das  Ende  auf
l h  20 m  Bei'l.  Zeit  angesetzt.  Hier  war  auch  das  in  Vegesack  und  in  Hamburg
und  Umgebung  kurz  vor  der  Gewitterböe  beobachtete  Gewitter  ziemlich  stark;
in  der  Böe  kamen  Wind  und  wolkenbruchartiger  Regen  hier  fast  zu  gleicher
Zeit,  verbunden  mit  dichtem  starkem  Hagelschlag  (vgl.  folg.  Abschnitt);  der
Sturm  begann  mit  starkem  S,  sprang  aber  dann  gleich  nach  SW  um  und
steigerte  sich  fast  bis  zum  Orkan.  Am  Nachmittage  blieb  das  Wetter  bewölkt
mit  einzelnen  Regenschauern,  in  der  Nacht  wieder  Sturm.
Hamburg,  welches  unmittelbar  vorher  bereits  ein  Gewitter  durchgemaeht
hatte,  lag  am  nordwestlichen  Rande  der  grofsen  Böe,  welche  in  Altona  und
auf  der  Bahn  nach  Blankenese  kaum  bemerkt  worden  ist.  Der  Lokomotivführer
des  Zuges  z.  B.,  der  um  die  betreffende  Zeit  von  Altona  nach  Blankenese  fuhr,
hatte  auf  der  Fahrt  nichts  Besonderes  bemorkt,  sondern  nur  von  Blankenese
aus  die  schweren  Gewitterwolken  im  Nordosten  gesehen,  ln  Hamburg  war  an
der  Grenze  der  inneren  Stadt  und  der  Vorstadt  St.  Pauli  der  Verlauf  der
Witterung  folgender  (nach  Hamburger  Zeit):  um  12 1 '  45"*  Windstofs,  starke
Finsternifs,  &  Minuten  später  begannen  schwere  Tropfen  und  dann  ein  Regengufs,
  ca  20  Minuten  lang;  dabei  mehrere  Donnerschläge,  zuletzt  ein  sehr  starker.
Darauf  wieder  ziemlich  heiter  auf  5  Minuten,  Sonnenblick,  dann  wieder  finster,
schwerer  Windstofs,  welcher  (auf  dem  Lübecker  Bahnhof  um  l h  17“  Hamburger
—  ] h  31™  Berliner  Zeit)  Erde  und  Blätter  aufwirbelte  und  gefolgt  war  von
heftigem  Regen  mit  schweren  Donnerschlägen  und  auffälliger  Abkühlung;  um
l 3 /* !l  liefs  der  Regen  nach  und  um  2 1 ’  hörte  er  auf.  An  mehreren  Stellen,  wie
in  Eimsbüttel,  im  Hafen  (in  ein  Schiff),  in  Altenwärder  etc.  schlug  der  Blitz
ein;  die  Wirkungen  des  Windstofses  waren  besonders  südöstlich  von  Hamburg
bedeutend,  wo  in  Rothenburgsort  der  Schornstein  einer  Waschanstalt,  in  Hamm
und  Barmbeck  Dächer,  in  Allermöhe  und  Ochsenwerder  eine  Anzahl  alter  Bäume
umgestürzt  wurden.  Im  Allgemeinen  ist  indessen  in  Hamburg  mehr  die  ganz
aufserordentliche  Finsternifs  in  der  Mitte  des  Tages,  als  der  Sturm  bemerkt
worden,  ln  Ochsenwerder  und  Allermöhe  war  die  Böe  auch  auf  einem  schmalen
Stroifeu  von  ziemlich  starkem  Hagel  begleitet  (vgl.  folg.  Abschnitt),  bei  welchem
ein  starkes  Rauschen  in  der  Luft  vernommen  wurde.
Die  Front  der  Böe  hatte  in  dieser  Gegend  die  Richtung  NWzW—SEzE,
und  war  also  der  Hamburg-Berliner  Bahn  auf  den  Strecken  Hamburg—Bergedorf ­
  und  Friedrichsruh—Boitzenburg  ungefähr  parallel.  Die  erstere  wurde  um
l h  28“—l h  30“,  die  letztere  um  l h  37“  —  l h  44™  Berliner  Zeit  von  der  Böe
erreicht.  Ein  vorhergehendes  Gewitter,  wie  es  auf  Ochsenwerder  ebenso  gut
wie  in  Hamburg  bemerkt  wurde,  ist  in  Bergedorf  und  weiter  ostwärts  nicht
mehr  beobachtet.  Das  Auftreten  der  grofsen  Böe  in  dieser  Gegend  ist  oben
nach  dem  Berichte  von  Friedrichsruh  geschildert,  doch  ist  zu  bemerken,  dafs
an  den  anderen  Stationen  (Bergedorf,  Reinbek,  Schwarzenbek,  Boitzenburg)  der
Regen  erst  einige  Minuten  nach  dem  ersten,  von  den  meisten  als  der  stärkste
bezeichneten,  Windstofs  eintrat.  In  Reinbek  wurde  es  bald  nach  l !l  durch  die
von  WSW  aufziehenden,  oben  schwarz,  unten  graugrün  gefärbten  Wolkenmasscn
so  finster,  dafs  im  Bureau  Licht  angosicckt  werden  mufste  (ebenso  stellenweise
in  Hamburg,  z.  B.  auf  dem  Lübecker  Bahnhof);  um  l h  30“  (richtiger  wohl
l h  34“)  kam  eiu  Windstofs,  der  die  Bäume  fast  zur  Erde  neigte  und  den  ganzen
Bahnhof  in  eine  dichte  Staubwolke  hüllte;  einige  Minuten  später  begann  sachter
Regen,  der  sich  um  l h  40™,  als  der  Güterzag  No.  304  daselbst  durchfuhr,
bereits  in  einen  Wolkenbruch  verwandelt  hatte,  bei  welchem  ca  40  leere  blecherne
Milchgefäfse,  die  auf  der  Strafse  standen,  wegschwammen.  Während  des  starken
Regens,  der  bis  2 h  25“  andauerto,  fiel  zeitweise  aucli  Hagel  von  Nufsgröfse,
und  wehte  der  Wind  zunächst  noch  stolsweise  sehr  stark;  während  der  ganzen
Aun.  d.  Hydr.  etc.,  1882,  Heft  X.  £
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.